Graubünden
Früher Clinton hofiert, jetzt verkauft Ex-Justizdirektor Hanf

Peter Aliesch hofierte US-Präsident Clinton und war in ein Korruptions-Fall verwickelt. Das ruinierte die politische Karriere des einstigen Bündner Justizdirektors. Nun taucht er aber wieder aus der Versenkung auf – als Unternehmer.

Ueli Handschin
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Jetzt versucht sich Aliesch mit seinen Geschäftspartnern im Hanf-Geschäft (Bildmitte).

Jetzt versucht sich Aliesch mit seinen Geschäftspartnern im Hanf-Geschäft (Bildmitte).

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Es gab eine Zeit, da war Peter Aliesch landesweit bekannt: Auf dem Höhepunkt seiner politischen Laufbahn – im Winter 2000 – begrüsste er jovial Bill Clinton am WEF in Davos. Mit dabei: Alieschs damalige Lebenspartnerin, gehüllt in einen Pelzmantel. Eben jenem Pelzmantel, der wenig später zu einer Staatsaffäre werden sollte: Geschenkt bekommen hatte ihn Alieschs Partnerin von einem griechischen Financier, Aliesch selbst hatte sich von dem Griechen mehrmals zu Ferien nach Griechenland einladen lassen.

Davos, Januar 2000: Peter Aliesch, damals Justizdirektor von Graubünden, und seine damalige Partnerin (im Pelz) empfangen US-Präsident Bill Clinton am WEF.

Davos, Januar 2000: Peter Aliesch, damals Justizdirektor von Graubünden, und seine damalige Partnerin (im Pelz) empfangen US-Präsident Bill Clinton am WEF.

KEYSTONE

Karriere futsch wegen Verfahren

Was folgte, war ein Strafverfahren wegen Korruption, wobei Aliesch am Ende kein schuldhaftes Verhalten angelastet werden konnte. Politisch war der Mann aber in jedem Fall erledigt – und bis heute war es auch sehr still um ihn. Nun aber ist der 68-Jährige wieder da, und zwar mit folgender neckischen Schlagzeile: Graubündens einstiger Justizminister hat sich dem Hanf verschrieben. Zusammen mit zwei Partnern hat Aliesch die Panacea GmbH gegründet, die Hanf als Nutzpflanze wieder populär machen will. Leben können die drei von ihrer Firma noch nicht: Aliesch nennt sich Unternehmensberater, seine Partner arbeiten als Spitalpfleger respektive als Gärtner.

Bis in die Neunzigerjahre wurde in Graubünden auf Dutzenden von Feldern Hanf angepflanzt. Kurz vor der Jahrtausendwende war Schluss damit: Der Anbau von Sorten, die mehr als nur Spuren der psychoaktiven Wirkstoffe enthalten, wurde verboten. So verschwanden die Felder fast vollständig. Die kontroverse Debatte um die Legalisierung des Cannabis-Konsums und die Nutzung seiner Wirkstoffe in der Medizin haben dazu geführt, dass die übrigen Stärken des Nachtschattengewächses gegenwärtig keine grosse Beachtung finden: Die Hanfstängel liefern Fasern, die sich zu Seilen und schier unverwüstlichen Stoffen verarbeiten lassen, was auch hierzulande jahrhundertelang geschah. Und die Hanfsamen eigenen sich als Rohstoff für Nahrungsmittel.

Alieschs Firma presst aus den Samen ein hochwertiges Speiseöl. Panacea bewirbt ihr Hanföl insbesondere damit, dass es reich an Omega-3-Fettsäuren sei und über das für den Menschen optimale Verhältnis zwischen diesen und den Omega-6-Fettsäuren verfüge. «Das Öl ist so hervorragend, dass dieses Potenzial nicht ungenutzt bleiben darf», erklärt Aliesch sein Engagement für den Hanf-Anbau. Letzten Sommer liess die Panacea erstmals ein Feld anlegen. Die Samen wurden in der Region Heinzenberg, unweit der Viamala, in kleinen Chargen kalt gepresst. Verkauft wird das Öl in Apotheken und Drogerien, in Viertelliterflaschen zu 33 Franken. Im Angebot des Unternehmens ist auch ein proteinreiches Mehl. Einer von Alieschs Geschäftspartnern spricht euphorisch vom «König der pflanzlichen Proteine». Darum glaubt er daran: «Wir werden den Hanf als Nutzpflanze wieder populär machen.»

Nicht nur die Güte des Produkts treibt Aliesch um. Der einstige Justizdirektor, der vor ein paar Jahren aus der FDP aus- und der SVP beigetreten ist, zeigt sich überzeugt: Die Landwirtschaft müsse diversifizieren. Zu Milchwirtschaft und Fleischproduktion brauche es allein schon aus ökologischen Gründen Alternativen, meint Aliesch. Eine solche Alternative biete der Nutzhanf, der ohne Einsatz von Pestiziden in allen Talschaften Graubündens angebaut werden könne.