Beat Walti
Freisinniger Musterschüler wird FDP-Fraktionschef

Die FDP braucht nach der Wahl von Ignazio Cassis in den Bundesrat einen neuen Fraktionschef im Parlament. Beat Walti übernimmt den Posten. Wer ist der Mann, der in die FDP-Spitze vorstösst?

Jonas Schmid
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Loyaler Parteisoldat übernimmt als FDP-Fraktionschef: Beat Walti.

Loyaler Parteisoldat übernimmt als FDP-Fraktionschef: Beat Walti.

Keystone

Nur einmal, 2009, platzte ihm der Kragen: Als der damalige Präsident der nationalen FDP, Fulvio Pelli, die verpatzte Wahl Kathrin Martellis zur Zürcher Stadtpräsidentin mit der fehlenden bürgerlichen Allianz zwischen Freisinn und SVP erklärte, massregelte ihn der Zürcher Kantonalpräsident Beat Walti. Die Allianzdiskussion so zu führen, schade der FDP, sagte er vor den Delegierten. Auf diese Episode angesprochen, meint Walti lachend: «Ich musste zu dieser Zeit so viel Energie aufwenden für die unsinnige Allianzdiskussion, da sind mir wohl die Emotionen hochgekommen.» Eine Partei definiere sich über ihr eigenständiges Profil und nicht über ihre Nähe zu anderen Parteien.

Acht Jahre später sind die Zeiten vergessen, in denen sich FDP und SVP in Zürich ein ständiges Gerangel lieferten. Massgeblich dafür verantwortlich ist Beat Walti. Der promovierte Jurist und praktizierende Wirtschaftsanwalt aus Zollikon hat den nach dem Swissair Grounding und der Finanzkrise arg gebeutelten Zürcher Freisinn wieder auf die Siegerstrasse zurückgeführt. Er ist der Vertreter einer neuen Generation eines «bodenständigen Zürcher Wirtschaftsfreisinns», wie sein Bündner Parteikollege und Ständerat Martin Schmid sagt. 2014 rückte Walti für den Winterthurer Garagisten Markus Hutter in den Nationalrat nach. Schnell machte er sich dort einen Namen. Walti galt als aussichtsreicher Nachfolger von Philipp Müller, als dieser im Winter 2015 seinen Rücktritt als Parteipräsident ankündigte. Auch für das Amt des Fraktionschefs wurde er ins Spiel gebracht. In beiden Fällen winkte Walti ab: Beruf und Familie hätten Vorrang, erklärte der überzeugte Milizpolitiker und zweifache Vater damals noch.

Nun übernimmt der 49-Jährige also doch das Amt des Fraktionschefs im Bundeshaus. «Die Ausgangslage hat sich verändert», sagt er. In den zwei Jahren als Vizepräsident habe er gesehen, was es heisst, die Fraktion zu führen.

Anders als bei der SVP, bei der es zu einer Kampfwahl zwischen Thomas Aeschi (ZG), Werner Salzmann (BE) und Alfred Heer (ZH) kommt, ist Waltis heutige Wahl unbestritten. Kein anderer wagte es neben ihm, den Hut in den Ring zu werfen.

Für Ehe von allen

Als «solid», «dossierfest», «integer», «umsichtig», «umgänglich» und «zuverlässig» wird Walti von seinen Kollegen beschrieben. Ein unspektakulärer Schaffer, ohne Allüren, der durch seine sachliche Art nicht nur innerhalb der Fraktion Brücken baut, sondern auch bei den anderen Parteien gut ankommt. «Es ist angenehm, mit ihm zusammenzuarbeiten», sagt SP-Nationalrat Beat Jans, der mit Walti in der Wirtschaftskommission sitzt. «Walti führt die Fraktion nicht mit dem Zweihänder», sagt Martin Schmid. «Ich bin kein Haudegen», meint der designierte Fraktionschef. Hin und wieder ein klares Wort schade aber nicht. Was reizt Walti an der Aufgabe? «Man ist früh in die politischen Prozesse involviert und arbeitet an den Schnittstellen zwischen Parlament und Regierung», sagt er. Daraus ergäben sich interessante Gestaltungsmöglichkeiten. Für herausfordernd hält er das Zweikammersystem, woraus sich ganz andere taktische Konstellationen ergeben würden als auf Kantonsebene.

Das Gesellenstück als Fraktionschef hat der freisinnige Musterschüler schon geliefert: Als Ignazio Cassis für den Bundesrat kandidierte, übernahm er interimistisch dessen Amt als Fraktionschef. «Beat Walti hatte keine Anlaufschwierigkeiten. Er hat die Wahl von Cassis professionell moderiert und nahtlos an seine erfolgreiche Arbeit in Zürich angeknüpft», sagt der Aargauer Ständerat Philipp Müller.

Walti ist ein loyaler Parteisoldat. Er stimmt zu über 97 Prozent auf Parteilinie, wie der «Blick» berechnet hat. Gesellschaftspolitischen Fragen gegenüber gilt er als offen: So ist er gegen das Burkaverbot und für die Ehe für alle. Prägend war für Walti der Ost-West-Konflikt. «Der Gegensatz zwischen dem freiheitlichen System im Westen und der Planwirtschaft ist mir eingefahren», sagt er.

Pikant: Wird Alfred Heer heute neuer SVP-Fraktionschef, dürfte sich das Duell der beiden als Fraktionschefs wiederholen. Diesmal einfach im Bundeshaus statt im Zürcher Rathaus. «Man trifft sich im Leben immer zweimal», sagt Walti lachend.