Libyen
Freiburger Anwalt veröffentlicht Todesanzeige für Gaddafi-Sohn

In einer Westschweizer Zeitung ist am vergangenen Mittwoch eine Todesanzeige für den getöteten Gaddafi-Sohn Saïf al-Arab erschienen – auf Wunsch eines Anwalts, der so auf die Verstösse gegen internationales Recht aufmerksam machen will.

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Todesanzeige für Saif al-Arab in der Freiburger Zeitung «La Liberté»

Todesanzeige für Saif al-Arab in der Freiburger Zeitung «La Liberté»

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Freiburger Anwalt schaltet Todesanzeige für Gaddafi-Sohn

Freiburger Anwalt schaltet Todesanzeige für Gaddafi-Sohn

Keystone

Leser der Zeitung «La Liberté» dürften am vergangenen Mittwoch nicht schlecht gestaunt haben. Gestern publizierte das im Kanton Freiburg erscheinende Blatt eine Todesanzeige für Saif al-Arab al Gaddafi – der Sohn des libyschen Tyrannen Muammar Gaddafi war am vergangen Samstag bei einem Bombenangriff der Nato-Einsatzkräfte auf Tripolis getötet worden.

Auf der Anzeige prangt - unter einem Bild des Gaddafi-Sohns – gross, in Anlehnung an das Bibel-Zitat: «Vergib ihnen, denn sie wissen was sie tun». Und darunter, in kleinerer Schrift: «Herzliches Beileid dem Vater, der Mutter, den Brüdern und Schwestern, der Verwandschaft, der Sippe, dem libyschen Volk und den Freunden des internationalen Rechts.»

Kämpfer für den Hanf

Unterzeichnet ist die Todesanzeige von Jean-Pierre Egger aus dem freiburgischen Franex. Zumindest in der Westschweiz ist Egger kein Unbekannter. Bisher hat sich der Anwalt vor allem als unermüdlicher Kämpfer für den Hanf in der Schweiz ins Szene gesetzt. Als Freund nordafrikanischer Diktaturen ist er zuvor jedoch noch nicht in Erscheinung getreten.

«Die Intervention der Amerikaner in Libyen ist ein grober Verstoss gegen internationales Recht», begründet Egger sein Engagement gegenüber der Zeitung «Le Matin». Und er betont, Saif al-Arab al Gaddafi habe sich - im Gegensatz zu seinen Brüdern Saif Al-Islam der Hannibal - «immer aus der Politik rausgehalten»

«Anfang eines Bürgerkriegs»

Egger befürchtet zudem, dass der durch die Tötung seines Sohnes «tief verletzte und erniedriegte» Tyrann Muammar Gaddafi seinen Zorn an den Aufständischen in Bengasi auslässt. «Das ist der Anfang eines blutigen Bügerkriegs.»

Der Anwalt hofft, dass sich die Schweiz mit der Publikation der Todesanzeige bewusst werde, dass sie den Amerikaner Einhalt gebieten müsse. Die USA glaubten, so Egger, «dass die ganze Welt ihr Territorium ist». Auch in Pakistan, wo diese Woche der Terroristenführer Osama Bin Laden getötet wurde, hätten die Amerikaner die Staatshoheit verletzt.

Für Bin Laden will Egger dennoch keine Todesanzeige veröffentlichen, wie er «Le Matin» sagte: «Er hat Blut an den Händen.» (bau)