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Freiburg verdirbt den Problemfans den Spass

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Während in Basel die Hooligans im und vor dem St. Jakob-Park tun können, was sie wollen, hat der SC Freiburg die Situation im Griff. Das Rezept im Breisgau: Den Fans keine Freiräume lassen.

Loris Vernarelli

«Almeno 25 feriti a Basilea» (Mindestens 25 Verletzte in Basel): Die Ausschreitungen von Freitagabend rund um das Schweizer Cup-Spiel Basel - Zürich haben es sogar in die Sportbibel «La Gazzetta dello Sport» geschafft. Dass italienische Zeitungen Fan-Krawalle ausserhalb der Landesgrenzen vermelden, ist äusserst selten. Doch Basel ist, was Tumulte bei Fussballspielen angeht, spätestens seit dem 13. Mai 2006 international kein unbeschriebenes Blatt mehr.

70 Kilometer weiter nördlich verzichtet man gerne auf diese dubiose Ehre. Seit Jahren ist im Zusammenhang mit den Begegnungen des Bundesligisten SC Freiburg kein nennenswerter Zwischenfall mehr geschehen. Dies, obwohl die Hauptstadt des Breisgaus in der deutschen Statistik der Gewaltkriminalität ziemlich weit oben steht. Am friedlicheren Gemüt der Freiburger kann es also nicht liegen. Dann eher am Motto «vorbeugen ist besser als heilen», das Verein und Polizei konsequent anwenden.

«Wir lassen ganz wenige Dinge im Stadion zu und schränken damit die Freiräume der Fans ein», erklärt Gabriel Winterer, Einsatzleiter Polizei Freiburg. In Freiburg dürfe ein Zuschauer eigentlich nur das Fussballspiel schauen, mehr nicht. Die Stadionverordnung, die auf einer Polizeiverordnung der Stadt Freiburg basiert, ist dementsprechend streng.

«Niemand darf auf die Zäune steigen, es gibt keinen Vorsänger, der die Stimmung mit Gesängen und Sprüchen unnötig anheizen könnte, und grosse Fahnen sind verboten, damit man sich dahinter nicht verstecken kann», zählt Winterer die wichtigsten präventiven Massnahmen auf. Es gebe noch viel mehr kleinere Vorschriften, die einzig darauf zielen, den Problemfans den Spass zu verderben.

Am Eingang Schuhe ausziehen

Eigentlich grenzt es schon fast an ein Wunder, dass ein Fan mit bösen Absichten das Badenova-Stadion überhaupt betreten kann. Denn die Eingangskontrolle ist rigoros, kein Zuschauer kann sich ihr entziehen. Laut Gabriel Winterer kommt es oft vor, dass jemand die Schuhe ausziehen muss, weil er verdächtigt wird, in den Socken Schwarzpulver mitzutragen.

Die intensive Überprüfung bringt den Vorteil mit sich, dass der SC Freiburg im Gegensatz zum FC Basel kein Problem mit den gefährlichen Pyro-Fackeln hat. «Wir schauen überall hin, in Kleidung und in Fahnenstangen. Und wenn die Fans kurz vor Anpfiff im Stadion antreffen und meinen, sie würden einfach durchgewinkt, dann irren sie sich gewaltig», stellt Winterer klar.

Zwischenfälle können allerdings auch in Freiburg nicht immer vermieden werden. Das sofortige Eingreifen der Sicherheitsleute vermeidet meistens, dass eine Situation eskaliert. Benehme sich ein Fan ungebührlich, könne er sicher sein, dass er das Stadion nicht straffrei verlässt, erläutert der Einsatzleiter. Entweder werde er von Polizisten aus dem Fansektor herausgeholt oder man warte aus taktischen Gründen, bis er sich von der Masse entfernt hat, beispielsweise die Toilette aufsucht.

Dann werde die Person identifiziert, angeklagt und mit einem dreijährigen Stadionverbot belegt. Diese Strenge zahlt sich aus. «Wer nach Freiburg an ein Spiel reist, weiss genau, dass ein fehlbares Benehmen Konsequenzen hat», fasst Gabriel Winterer zusammen.

Der Grund, weshalb es in Freiburg klappt, ist für den Freiburger Polizisten ganz einfach: Verein und Polizei verfolgen eine gemeinsame Linie. Oder anders gesagt: «Wenn ein Klub die Massnahmen, die für mehr Sicherheit im Stadion sorgen würden, nicht mitträgt oder die Fans sogar in Schutz nimmt, wird es für uns Polizisten ganz schwer», meint Winterer. Der einen weiteren Vorteil in der strengen Linie in Freiburg erkennt. Je rigoroser die Massnahmen, desto weniger Ordnungshüter brauche es - im Badenova-Stadion pro Spiel rund 60.

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