Frauenstimmrecht
Frauen haben viel erreicht – doch der Kampf geht weiter

Mit vier Frauen im Bundesrat stimmt es an der Spitze des Landes 40 Jahre danach. Doch in den Parlamenten bleibt viel zu tun.

Christoph Forster
Drucken
Teilen

Keystone

Vor 40 Jahren endete für die Frauen ein mühsamer und langwieriger Kampf. Das männliche Schweizer Stimmvolk hatte endlich nichts mehr dagegen, dass sich fortan auch die weibliche Bevölkerung am politischen Leben beteiligt. Im ersten Anlauf 1959 war das Frauenstimmrecht noch deutlich mit 70 Prozent Neinstimmen gescheitert.

Die Nachbarländer waren in dieser Frage viel fortschrittlicher: Die Schweiz hinkte Deutschland 53 Jahre nach, Frankreich 27 und Italien 26 Jahre. Der Krieg mag einiges erklären. In der Schweiz kamen die Männer zurück vom Aktivdienst, in den umliegenden Ländern nicht oder oft völlig traumatisiert. Die Frauen mussten viel Verantwortung übernehmen und gaben diese nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr ab.

Doch wie nutzen die Frauen eigentlich ihre Rechte, für die sie so lange kämpfen mussten? Die Bilanz ist durchzogen. An den Wahlen beteiligen sich die Frauen in weit geringerer Zahl als die Männer. Bei den Nationalratswahlen 2003 nahmen 54 Prozent der Männer, aber nur 38 Prozent der Frauen daran teil. Politologen führen diesen grossen Unterschied, der in den Nachbarländern nicht existiert, auf die späte Einführung des Frauenwahlrechts zurück. Denn Wählen ist Gewohnheitssache. Wer es als junger Mensch nicht gelernt hat, nutzt dieses Recht im Alter weniger intensiv.

Bundesrätinnen als Ansporn

Am anderen Ende der politischen Teilnahme, auf Stufe Bundesrat, sieht es hingegen seit ein paar Wochen sehr rosig aus. Mit der Wahl von Simonetta Sommaruga haben die Frauen erstmals die Mehrheit in der Landesregierung. Dies könnte sich allerdings schnell wieder ändern – man denke an die labile Position von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.

Weniger weit sind die Frauen in der Bundesversammlung gekommen. Zwar hat der Frauenanteil im Nationalrat seit 1971 stetig zugenommen. Doch er liegt erst bei 29,5 Prozent. Noch mehr harzt es mit der Frauenvertretung im Ständerat, die bei den letzten Wahlen sogar rückläufig war (21,7%).

Vielleicht sind die vier Bundesrätinnen für viele Frauen ein zusätzlicher Ansporn, bei den nationalen Wahlen im Herbst anzutreten. Vor vier Jahren war der Frauenanteil unter den Kandidierenden 35 Prozent. An der Spitze stand der Kanton Zug (42,4%), Schlusslicht war der Jura (12,5%).

Mit 25 Prozent liegt der Frauenanteil in den kantonalen Parlamenten in ähnlicher Grössenordnung wie auf nationaler Ebene. In den kantonalen Regierungen ist bloss jedes fünfte Mitglied eine Frau.

Grosse Unterschiede gibt es bei den Parteien – und zwar auf allen politischen Ebenen. Die höchsten Frauenanteile haben SP und Grüne. Am wenigsten Frauen politisieren bei der SVP.

In der Bundesverwaltung hat die Zahl der Frauen in den letzten Jahren stetig zugenommen und liegt aktuell bei 31 Prozent. Beim Topkader sind es allerdings erst 13,5 Prozent.

Aktuelle Nachrichten