Petition
Frauen engagieren sich für Cabaret-Tänzerinnen

Geht es nach dem Bundesrat, sollen Frauen aus Drittstaaten nicht mehr als Cabaret-Tänzerinnen arbeiten dürfen. Diese Änderung spaltet die Arbeitnehmerorganisationen.

Rinaldo Tibolla
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Tänzerinnen aus Drittstaaten hatten bisher eine Spezialbewilligung. Das soll sich nun ändern. keystone

Tänzerinnen aus Drittstaaten hatten bisher eine Spezialbewilligung. Das soll sich nun ändern. keystone

Frauen aus Ländern ausserhalb des EU/Efta-Raums hatten bisher mit der L-Bewilligung – dem Cabaret-Tänzerinnen-Statut – die Möglichkeit, acht Monate legal in der Schweiz zu arbeiten. Gegen die Abschaffung des Statuts warb gestern in Bern eine breite Allianz bestehend aus Schweizerischem Gewerkschaftsbund (SGB), Netzwerk Prokore, das die Interessen von Cabaret-Tänzerinnen vertritt, Arbeitgeberverbänden und Politikerinnen verschiedener Parteien.

Zuerst für mehr Schutz sorgen

Sie überreichten der zuständigen Justizministerin Simonetta Sommaruga eine Petition mit rund 5000 Unterschriften, welche die Beibehaltung des Tänzerinnen-Statuts fordert. Ohne das Statut fehle den Tänzerinnen die Möglichkeit, ihre Rechte einzufordern, argumentierten sie. «Die Abschaffung birgt die Gefahr der Auslagerung in die Illegalität», sagte Yvonne Feri, Aargauer SP-Nationalrätin und Co-Präsidentin der SP Frauen. Zuerst sollen Kontrollen und flankierende Massnahmen zum Schutz der Frauen verstärkt und ausgebaut werden. Erst danach könne das Statut abgeschafft werden.

Auch die Berner FDP-Nationalrätin Christa Markwalder stemmte sich gegen die Abschaffung: «Wenn wir Menschenhandel und unfreiwillige Prostitution effektiv bekämpfen wollen, brauchen wir entsprechende Instrumente dazu, wovon die L-Bewilligung eines ist.» Jürg König, Präsident der Asco, dem Verband Schweizerischer Konzertlokale, Cabarets, Dancings und Diskotheken, sagte, man werde Hand bieten für eine Verbesserung und Intensivierung der Kontrollen, von denen alle Beteiligten profitierten. Asco habe bereits für faire Arbeitsbedingungen für Tänzerinnen gesorgt. Sie würden brutto zwischen 4700 und 7500 Franken pro Monat verdienen. So sei keine Tänzerin auf Prostitution angewiesen.

Travail Suisse für Bundesratslösung

Anders als der SGB ist die Arbeitnehmerorganisation Travail Suisse für die Abschaffung des Statuts, weil es die Ausländerkontingente einfach umgehe. Sie forderte Anfang Oktober, die Kontrollen der Tänzerinnen zu verbessern und sie dadurch zu schützen. Auch die SP Schweiz befürwortet – im Gegensatz zu den SP-Frauen – die Abschaffung des Statuts. Allerdings sollen Tänzerinnen eine B-Bewilligung beantragen können, wenn sie sich nichts zuschulden haben kommen lassen.