2017 wurde der Oberfeldarzt Andreas Stettbacher wegen angeblichen Spesenexzessen vorübergehend freigestellt, gegen ihn wurde eine Untersuchung angeordnet. Es ging um teure Kosten für ein Weihnachtsessen: 32 Personen wurden für 15'000 Franken verköstigt.

Wie der Tages-Anzeiger berichtet, ist Stettbacher im Zuge dieser Untersuchung der Kragen geplatzt. Er packte gegen seine Vorgesetzten aus. Namentlich Daniel Baumgartner, heute Ausbildungschef der Armee, und den heutigen Armeechef Philippe Rebord belastete Stettbacher schwer.

Packte aus: Andreas Stettbacher.

Packte aus: Andreas Stettbacher.

So soll Rebord Frauen und Freundinnen von Stabsoffizieren von verschiedenen Stützpunkten aus mit Helikoptern an Seminare eingeflogen haben. Zudem wurde bei den mehrmals jährlich durchgeführten Veranstaltungen bei Speis und Trank nicht gespart.

Regelmässig soll es dem Bericht zufolge bei Seminaren auch zu Alkoholexzessen gekommen sei. Einige Mitarbeiter sollen dermassen betrunken gewesen sein, dass sie am nächsten Tag nicht zur Arbeit erschienen. 

Die Armee braucht zu viel Spesen

Die Armee braucht zu viel Spesen

Sie flogen ihre Frauen mit Helikoptern ein und veranstalteten Alkoholorgien. Jahrelang ging die Armee unkontrolliert mit den Spesen um.

Im Jahr 2015 soll Baumgartner, der damals noch Chef der Logistikbasis der Armee war, den Jahresrapport für eine halbe Million Franken organisiert haben. Im gemieteten Velodrome in Grenchen wurden 3500 Mitarbeiter und 500 Gäste geladen. Für musikalische Unterhaltung sorgte Fabienne Louves.

Philippe Rebord, seit Januar 2017 Chef der Schweizer Armee.

Philippe Rebord, seit Januar 2017 Chef der Schweizer Armee.

Bericht bestätigt Anschuldigungen

Nachdem Stettbacher ausgepackt hatte, wurde er von Bundesrat Parmelin entlastet und das Verfahren eingestellt. Jedoch wurden Ermittlungen gegen Baumgartner und Rebord aufgenommen. Der Untersuchungsbericht, aus dem die jetzt veröffentlichten Details stammen, wurde im Dezember 2017 beim VBS eingereicht.

Die Armeespitze wollte diesen unter Verschluss behalten – warum, dürfte klar sein. Dank dem Einspruch des «Tages-Anzeigers» und «La Liberté» gelangte der brisante Bericht doch noch an die Öffentlichkeit.

Daniel Baumgartner.

Daniel Baumgartner.

Jedenfalls bestätigten sich Stettbachers Aussagen. Der Bericht kommt mehrmals zum Schluss, dass «dem Grundsatz der Sparsamkeit zuwidergehandelt wurde».

Laut dem Tages-Anzeiger sollen an einem Abend im Jahr 2014 22 Militärangehörige und 6 Gäste «7 Bier, 82 Einheiten Spirituosen (1 Kaffee Zwetschgen Luz, 53 Appenzeller, 17 Grappa Barolo, 4 Scotch Whisky, 6 Vieille Prune Morin, 1 Williams Theiler Pianta), 10 Flaschen Weisswein, 12 Flaschen Rotwein» konsumiert haben – pro Person beliefen sich die Kosten auf 78.87 Franken. Dazu kamen noch das Essen und neun Zigarren. 

Zudem erlaubte Baumgartner für Weihnachtsessen der Militärspitze ein Budget von 250 Franken und mehr – pro Person. Die Kosten für die auch eingeladenen Partnerinnen und Partner trug ebenfalls der Steuerzahler. 

Erfahrungen von Armeeverschwendung

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Nachdem der Untersuchungsbericht eingereicht worden war, wurde ein Spesenreglement erstellt. Der Transport von Begleitpersonen per Helikopter ist seither untersagt. Das Konsumverhalten wurde teilweise als kritisch bewertet. Aber da es vorher keine Richtlinien gab, konnten Rebord und Baumgartner auch nicht belangt werden – sie hätten nach einer «Art Tradition» gehandelt. 

Rebord habe sich bei der Untersuchung kooperativ gezeigt, Baumgartner jedoch nicht. Ihm droht zudem eine Disziplinaruntersuchung, da er über sein Armee-Budget vier Helvetia-Goldmünzen im Wert von je 1200 Franken bezog und an Mitarbeiter verschenkte – sowie eine an sich selber. Ein Strafverfahren braucht er aber trotzdem nicht zu fürchten, wie der «Tages-Anzeiger» weiter schreibt. Baumgartner wollte gegenüber der Zeitung keine Stellung beziehen. (vom)

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