Präimplantations-Diagnostik
Fortpflanzungs-Mediziner: «70 Prozent der Embryos sind nicht lebensfähig»

Soll man Embryos genetisch untersuchen dürfen? In der Sendung «TalkTäglich» am Dienstagabend prallten die Meinungen von Arzt Michael Hohl und EVP-Grossrätin Lilian Studer zur bevorstehenden Abstimmung aufeinander. Cool blieb nur ein werdender Vater.

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Embryos selektionieren oder die Chance für einen erfüllten Kinderwunsch erhöhen? Das war die Kernfrage, um die es sich im «TalkTäglich» im Vorfeld zur Abstimmung über die Präimplantations-Diagnostik drehte.

Die Auseinandersetzung zwischen Pro und Contra war heftig, die Fronten blieben verhärtet. Für die Aargauer EVP-Grossrätin Lilian Studer ist klar: Wer ein Embryo vor der Einpflanzung genetisch für geeignet oder ungeeignet befindet, der selektioniert.

Ein erster Schritt zum Designerbaby?

Ein Ja zur Präimplantations-Diagnostik wäre für die Politikerin deshalb ein erster Schritt in Richtung Designerbaby, bei dem Eltern auch über Augenfarbe oder Geschlecht urteilen können.

«Für mich ist ein Embryo der Start ins Leben, ein Wunder», so die Co-Präsidentin des Aargauer Komitees «Nein zur PiD». Das Komitee möchte laut seiner Homepage das «menschliche Leben vor einer schrankenlosen Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie schützen».

«Die Schweiz bewegt sich im Rückwärtsgang!»

Den Vorwurf der Selektionierung findet Michael Hohl, Fortpflanzungsmediziner und ärztlicher Leiter des Kinderwunschzentrums Baden, «nicht fair!». Es gehe bei der Untersuchung vor dem Einpflanzen der Embryonen nicht um eine Auswahl, sondern darum, ob die Embryonen überhaupt lebensfähig sind. Alles Weitere sei nach wie vor verboten.

«70 Prozent der Embryonen haben derartige Störungen, dass sie sich gar nicht erst zu lebenden Kindern entwickeln können», führt der Arzt aus. Ein Ja zur Präimplantations-Diagnostik, kurz PiD, sei deshalb ein Ja zu einer vernünftigen Medizin und zu verbesserten Chancen für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.

Weniger Mehrlinge bei künstlicher Befruchtung

Dadurch, dass einer Frau nur lebensfähige Embryonen eingepflanzt werden, würde man das Risiko von Mehrlings-Schwangerschaften bei künstlicher Befruchtung zudem auf ein Minimum reduzieren.

Dass die Schweiz da im Gegensatz zu allen anderen europäischen Ländern ausser Liechtenstein «im Rückwärtsgang» unterwegs sei, kann Hohl nicht verstehen.

«Mehrlings-Schwangerschaft wäre problematisch»

Während Befürworter und Gegnerin sich eine hitzige Debatte lieferten, bleibt einer in der Runde ruhig: Adrian Meili. Er und seine Frau haben sich für eine künstliche Befruchtung entschieden und erwarten im August ihr erstes Baby.

Der werdende Vater sieht in der Präimplantationsdiagnostik vor allem einen Vorteil, weil sich Mehrlings-Schwangerschaften vermeiden lassen. «Meine Frau ist sehr fein gebaut, es wäre sicher nicht ganz unproblematisch worden, wenn das mehr als ein Baby gegeben hätte.»

«So etwas macht man nicht freiwillig»

Viereinhalb Jahre und tausende Franken kostete Meilis langer Weg zum Wunschkind. Das ist für Adrian Meili auch ein Argument für die Präimplantations-Diagnostik: «Wenn man so etwas schon auf sich nimmt, dann ist es nur richtig, dass man auch weiss, welche Überlebenschancen das Kind hat.»

Denn: «Ich kenne niemanden, der das freiwillig macht – und das wird wohl auch in Zukunft nicht so sein.» (smo)

Sehen Sie hier die ganze Sendung:

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