Pauschalbesteuerung

Formel-1-Boss Ecclestone: «Ich bezahle freiwillig Steuern in der Schweiz»

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone (Archiv)

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone (Archiv)

Im Abstimmungskampf um die Pauschalbesteuerung meldet sich der schwerreiche Formel-1-Chef und Wahlgstaader Bernie Ecclestone zu Wort. Er zahle freiwillig Steuern in der Schweiz – und das erst noch gerne, sagt der 84-Jährige.

Bernie Ecclestone wurde von den Befürwortern der Initiative zur Abschaffung der Pauschalbesteuerung als Paradebeispiel eines Profiteurs verwendet. Nun wehrt sich der 84-jährige Formel-1-Chef gegen den Vorwurf, ein Steuerflüchtling zu sein.

Ecclestone hat einen Wohnsitz in London und ein Chalet in Gstaad und lässt verlauten, dass er sowohl in England als auch in der Schweiz Steuern zahle. In England wird er voll besteuert, während in der Schweiz die Pauschalbesteuerung zum Zug kommt, die nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Lebensaufwand berechnet wird.

Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen der Schweiz und Grossbritannien sieht vor, dass Personen mit Wohnsitzen in beiden Ländern ihr weltweites Einkommen und Vermögen nur in einem der Staaten versteuern müssten. Laut dem DBA müssen in jenem Land, in welchem sich der Lebensmittelpunkt einer Person befindet, Steuern zahlen. Das heisst dort, wo die nächsten Angehörigen leben und sich die wirtschaftlichen Interessen befinden.

Ecclestones Kinder leben in England, er selber ist aber 70-80 Prozent der Zeit geschäftlich auf der ganzen Welt unterwegs, wie er gegenüber der Berner Zeitung sagt. Im Zweifelsfall entscheidet die Staatsangehörigkeit, Ecclestone ist Engländer.

Der Formel-1-Boss zahlt die Pauschalsteuer in der Schweiz nach eigener Aussage also freiwillig. Würde sich Ecclestone auf das DBA berufen, könnte er hier nur noch als Hausbesitzer besteuern.

In einem Interview mit der Berner Zeitung sagt Ecclestone, dass er gern hier Steuern bezahle, «weil in der Schweiz die Steuern nicht verschwendet werden.»

Vergleich in Deutschland

Im Zusammenhang mit der Abstimmung über eine Abschaffung der Pauschalbesteuerung in der Schweiz ist Ecclestone in den letzten Tagen in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Konkret geht es um die Frage, ob Ecclestone für den millionenschweren Vergleich, den er im August im Zusammenhang mit einem Korruptionsprozess in Deutschland einging, im Kanton Bern nicht steuerlich belangt werden sollte.

Noch ist nicht klar, ob die bernische Steuerverwaltung dies tut. Wenn ja, müsste Ecclestone nochmals rund 38 Mio. Franken abdrücken. Gut möglich, dass sich der Milliardär dann doch auf das Doppelbesteuerungsabkommen beruft.

Am 30. November stimmt das Schweizer Volk über die Abschaffung der Pauschalsteuern ab. Von dieser Art der Besteuerung profitieren Ausländer, die in der Schweiz wohnen, aber im Land keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Diese Personen, die meist weltweit Einkommen und Vermögen haben, werden aufgrund ihrer Lebenshaltungskosten besteuert.

Kanton Waadt mit fast 1400 Pauschalbesteuerten

Der Kanton Bern hat vor zwei Jahren bereits über eine Abschaffung der Pauschalsteuern intensiv diskutiert. An der Urne entschied sich das Volk nicht für eine Abschaffung, sondern für eine Verschärfung.

Diese tritt Anfang 2016 in Kraft. Für bereits pauschal besteuerte Personen gilt eine Übergangsfrist bis 2021.

2012 lebten in der Schweiz 5634 Pauschalbesteuerte, davon allein 1396 im Kanton Waadt. Dessen Finanzdirektor Pascal Broulis warnt vor Ausfällen bei den direkten Steuern in Höhe von einer Milliarde Franken. Hinzu kämen noch etwa 200 Millionen weniger bei der Mehrwertsteuer und 60 Millionen bei der AHV. (jgl/sda)

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