Jürg Rettenmund

Die Konstellation für die SP Thunstetten schien günstig, das vor vier Jahren verlorene Gemeindepräsidium wieder zurückzuholen: Bei den Gemeinderatswahlen am 27. September erzielte Beat Siegrist das beste Resultat, während Markus Quaile nur haarscharf nicht an einem Sitzverlust der FDP scheiterte. Er sei seither viel auf das Resultat angesprochen und ermuntert worden, anzutreten, erklärte Siegrist gestern vor den Medien.

Für ihn persönlich war die Konstellation jedoch nicht so günstig, deshalb entschied er sich schweren Herzens dazu, seiner Partei abzusagen. Das Amt hätte ihn sehr interessiert, gab er zu, und in zwei Jahren wäre er auch in der Lage gewesen, es zu übernehmen. «Doch bis dahin hätte ich es nicht gut machen können.»

Keine richtige Entlastung möglich

Das hängt primär mit seinem Beruf zusammen: Seit Anfang Jahr ist Siegrist in der Bundeskanzlei Projektleiter für einen Bereich des Programms GEVER (Geschäftsverwaltung), mit dem der Bund seinen Geschäftsverkehr digitalisieren will. Es sei ihm zwar eine Entlastung um 20 Prozent in Aussicht gestellt worden. «Doch diese bestand nur auf dem Papier, eine wirkliche Entlastung in Form einer Person, die mir etwas abgenommen hätte, wurde mir nicht zugesichert.» Kommt hinzu, dass Siegrist den Eindruck hat, dass eine Reduktion um 20 Prozent nicht genügt hätte, um so mehr, wenn noch der Arbeitsweg mitberücksichtigt wird.

Schliesslich hat Siegrist auch in seiner Freizeit eine Verpflichtung übernommen: Für das Bernisch-Kantonale Jodlerfest 2010 in Langenthal ist er für den Bereich Infrastruktur/Betrieb verantwortlich. Das paradoxe an seiner Situation ist, wie er erklärt: «In zwei Jahren hätte ich eigentlich Zeit fürs Gemeindepräsidium.» Denn dann ist das Jodlerfest vorbei, und die Bundesstelle des 55-Jährigen ist auf zwei Jahre befristet.

Diese Engagements seien für ihn und seine Familie bereits mit dem Gemeinderatsmandat an der der oberen Grenze der Belastung, macht Siegrist deutlich. Um so mehr ist es ihm ein Bedürfnis, all jenen zu danken, die ihn in den letzten Wochen unterstützt und zu einer Kandidatur ermuntert haben.

Verständnis und Bedauern

SP-Präsident Martin Sigrist zeigte Verständnis für den Entscheid seines Partei- und Gemeinderatskollegen, bedauerte aber, dass die SP damit die günstige Konstellation nach der Gemeinderatswahl nicht ausnützen kann. Denn eine «allgemeine Unzufriedenheit» mit dem amtierenden Gemeinderatspräsidenten Markus Quaile sei vorhanden gewesen: «Unsere Chance wäre gut gewesen.»

Noch ist damit nicht sicher, ob Markus Quaile sein Amt ohne Urnenwahl behält. FDP und SVP hätten bisher auf den Entscheid der SP gewartet, erklärten der Gemeindepräsident und SVP-Präsident Adrian Dreier übereinstimmend. Während die FDP bereits am Abend der Gemeindewahl klar machte, dass sie wieder mit dem Bisherigen antreten wird, liess die SVP dies auch gestern offen. Für die SVP wurden Alfred Röthlisberger und Herbert Jenzer als Gemeinderäte bestätigt, Röthlisberger war bisher Vizepräsident. Eingabefrist ist am nächsten Montag um 12 Uhr, gewählt wird allenfalls am 29. November.