Luftwaffe
Flugzeug-Entführung: Die Schweizer Luftwaffe ist nur zu Bürozeiten einsatzbereit

Das entführte Flugzeug der Ethiopian Airlines wurde im Schweizer Luftraum von französischen Kampfjets bis zur Landung nach Genf begleitet. Die Schweizer Kampfjets waren ausserhalb der Bürozeiten nicht einsatzbereit.

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24-Stunden-Einsatzbereitschaft: Fehlanzeige

24-Stunden-Einsatzbereitschaft: Fehlanzeige

Keystone

Als der Co-Pilot der Ethiopian Airlines mitten in der Nacht zum ersten Mal den Alarm «7500» auf dem Weg nach Europa sandte, schliefen die Piloten der Schweizer Luftwaffe wohl noch friedlich.

Schliesslich gingen zwei Kampfflugzeuge in die Luft, um das entführte Flugzeug aus Äthiopien zu begleiten. Doch diese Jets stammten nicht aus der Schweiz. Im italienischen Luftraum wurde das Flugzeug von zwei Eurofightern der italienischen Luftwaffe abgefangen.

Später, als die Maschine in den französischen Luftraum eindrang, übernahmen zwei Mirage der französischen Luftwaffe. Diese begleiteten das Flugzeug bis zur Landung in Genf. Von der Schweizer Luftwaffe war weit und breit keine Spur.

«Wir verfügen über keine 24-stündige Luftraumüberwachung mit Interventionsmöglichkeit», bestätigt schliesslich Jürg Nussbaum, Sprecher der Luftwaffe, gegenüber «20 Minuten» bestätigt.

Will heissen: Am frühen Montagmorgen war die Schweizer Luftwaffe nicht bereit, um einzugreifen. Der Luftraum werde ständig überwacht, aber die Luftwaffe könne ausserhalb der Bürozeiten nicht reagieren, die Einsatzbereitschaft bestehe nur zu Bürozeiten.

Erst um acht Uhr standen zwei Kampfjets in Meiringen bereit, falls die äthiopische Maschine noch einmal durchgestartet wäre. Doch zu diesem Zeitpunkt war der ganze Spuk schon längst vorbei.

«Der Einsatz verlief nach Plan», verteidigt sich Nussbaum weiter.

Sowohl mit Italien als auch mit Frankreich besitze man ein Abkommen, das den beiden Staaten erlaubt, mit deren Kampfjets in der Schweiz einzugreifen. Doch abschiessen hätten die Kampfjets der Nachbarländer im Schweizer Luftraum die entführte Maschine nicht dürfen.

Nussbaum sieht das Positive in dem Fall: «Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass die Zusammenarbeit mit Frankreich und Italien sehr gut funktioniert.»

24h-Dienst wieder einführen

Für eine Dauerbereitschaft der Schweizer Luftwaffe fehle das Geld, das Personal und die Flugzeuge. Gut möglich, dass sich dies bald ändert: Bundesrat Ueli Maurer ist längst an einem Umsetzungskonzept, damit die Luftwaffe rund um die Uhr Kampfjets in den Schweizer Himmel starten kann. (nch)

Entführtes Flugzeug in Genf gelandet - Entführer war der Co-Pilot
5 Bilder
Beim entführten Flug handelt es sich um den ET702 der Ethiopian von Addis Abeba. Das Flugzeug landete um 6.05 Uhr am Montagmorgen in Genf.
Kurz vor 8 Uhr: Die rund 200 Passagiere verlassen das Flugzeug. Polizisten einer Spezialeinheit nehmen sie in Empfang.
Das Fenster beim Co-Piloten ist offen, er wollte Asyl in der Schweiz und kletterte mit einem Seil runter
Das entführte Flugzeug kreiste länger über dem Flughafen Genf, bevor es landen durfte.

Entführtes Flugzeug in Genf gelandet - Entführer war der Co-Pilot

Keystone