Fluglärm
Fluglärm macht erfinderisch

Wenn Flugzeuge zu tief über Peter Janssens Haus fliegen, nervt sich der ehemalige Pilot aus Birr. Nur konnte man bis jetzt das Fehlverhalten der Piloten nicht nachweisen. «Dann beweise ich es eben», sagte sich der Maschinenbauingenieur und begann zu tüfteln.

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Aargauer Zeitung

Maja Sommerhalder

Laut brummt es über dem Birreter Fliederweg. «Am Wochenende fliegt jede zweite Minute ein Flugzeug über mein Haus. Oft sind sie zu tief. Das nervt», sagt Peter Janssen. Er schaut durch einen Feldstecher, der auf einem Stativ befestigt ist. Mit diesem peilt er den Motorflieger an und drückt den Auslöserknopf.

Der 45-Jährige ist den Falschfliegern über dem Flugplatz Birrfeld auf der Spur. Das sind Flugzeuge, die Flughöhe und Flugweg - sprich Volte - nicht einhalten. Janssen misst die Wege der Flugzeuge mit einem Laserentfernungsmesser namens Vector. Nachdem er den Auslöserknopf gedrückt hat, werden die gemessenen Daten auf einen GPS-Empfänger übertragen und gespeichert. Anschliessend werden sie am Computer ausgewertet. Janssen wirft einen Blick auf den GPS-Empfänger und sagt: «Das Flugzeug übertritt die vorgeschriebene Volte nicht.» Dies sei keine Selbstverständlichkeit: «Ich habe an einem Mittwochnachmittag gemessen (siehe Bild). Etwa 50 Prozent der Flugzeuge fliegen falsch.»

«Pilot sollte Volte kennen»

Fluglärm wegen Falschfliegern machen vielen Einwohnern rund um den Flugplatz Birrfeld schon seit Jahrzehnten zu schaffen. So auch Peter Janssen, der Ende 2007 nach Birrhard zog. Schnell merkte er, dass hier viele Falschflieger unterwegs sind: «Ich war früher selbst Pilot und habe zwei kleine Flugplätze angeflogen. Dort lagen Voltenübertretungen nicht drin. Jeder wusste, dass dies Ärger gibt.» Kann man denn nicht aus Versehen falsch fliegen? «Diese Ausrede zählt für mich nicht. Ein Pilot ist ein Profi. Er sollte wissen, wo er durchfliegen muss.»

Die Betreiber des Flugplatzes Birrfeld zeigten zwar durchaus Verständnis für Janssens Probleme. Allerdings erklärten sie ihm auch, dass er die Voltenübertretungen erst einmal beweisen sollte. «Dann beweise ich es eben», sagte sich der Maschinenbauingenieur und recherchierte während zweier Monate. Einfach war die Suche nicht. Denn bisher konnte man die Position von Flugzeugen nur mit einer Radaranlage messen. «Für den Flughafen Birrfeld ist dies aber zu aufwändig und zu teuer.» Janssen stiess auf Laserentfernungsmesser. Im normalen Handel wurde er aber nicht fündig. Dafür half ihm die Militärtechnologie weiter.

Die Schweizer Firma Vectronix AG konnte ihm zwar die richtigen Einzelteile zur Verfügung stellen, allerdings wurden diese noch nie zur Messung von bewegten Objekten wie Flugzeugen eingesetzt. Nach einem Monat Tüfteln war «sein Messgerät» geboren - der Familienvater hatte eine Weltneuheit erfunden. «In anderen Gegenden, die mit Fluglärm zu kämpfen haben, wird dieses Gerät sicher auch auf Interesse stossen.» Kann er damit das grosse Geld machen? «Der Markt ist zu klein.» Bisher habe er keinen Rappen gesehen: «Das spielt keine Rolle. Die Freude am Erfinden hat mich angetrieben.»

Trotz Beweis keine Busse

Seine Erfindung machte Janssen den Ammännern der Eigenämter Gemeinde schmackhaft; die Unterstützung war gross. Auch auf dem Flugplatz Birrfeld stiess sein Gerät auf Interesse. Die Kosten von 20 000 Franken trägt zur Hälfte der Flughafen. Für den Rest kommen die Gemeinden Birr, Birmenstorf, Birrhard, Brunegg, Habsburg, Hausen, Lupfig, Möriken, Mülligen und Scherz auf. Ab Mai wird «Vector» zum ersten Mal im Einsatz sein.

Peter Janssen wird zusammen mit einem Vertreter des Flugplatzes oder der Gemeinden die Messungen vornehmen. Mindestens sechsmal pro Saison wird nach Falschfliegern gefahndet. Gebüsst werden können die Übeltäter aber nicht. So schreibt es das Gesetz vor. Bringt denn so seine Erfindung überhaupt etwas? Janssen nickt und sagt: «Ich glaube, dass Piloten disziplinierter fliegen, wenn sie wissen, dass man ihr Fehlverhalten nachweisen kann.»