Umweltverschmutzung

Flohkrebse erhöhen die Schädlichkeit von Schmerzmittel-Rückständen

In der Schweiz werden momentan gut hundert Abwasserreinigungsanlagen mit einer vierten Reinigungsstufe ausgerüstet, um Mikroverunreinigungen effektiv zu entfernen. (Symbolbild)

In der Schweiz werden momentan gut hundert Abwasserreinigungsanlagen mit einer vierten Reinigungsstufe ausgerüstet, um Mikroverunreinigungen effektiv zu entfernen. (Symbolbild)

Der Schmerzmittel-Wirkstoff Diclofenac wird in der Kläranlage kaum abgebaut und reichert sich deshalb in Gewässern an. Dort schädigt er Leber, Nieren und Kiemen von Fischen. Nicht genug: Flohkrebse verwandeln die Substanz sogar in ein noch schlimmeres Gift.

Sie machen daraus Diclofenac-Methyl-Ester, wie eine kürzlich im Fachmagazin "Environmental Science & Technology" veröffentlichte Studie des Wasserforschungsinstituts Eawag zeigt. Dieser Stoff ist nicht nur toxischer als das Ausgangsprodukt: Da er schlecht wasserlöslich ist und daher weniger leicht ausgeschieden wird, reichert er sich in Lebewesen an. "Deshalb halte ich den Stoff für potentiell gefährlicher als Diclofenac", sagt Juliane Hollender, die Leiterin der Eawag-Abteilung Umweltchemie.

Laut Hollender trat diese Art der chemischen Umwandlung unerwartet auf und sollte auch bei toxikologischen Risikoabschätzungen für andere Substanzen berücksichtigt werden. Denn nach ersten Untersuchungen geschieht diese Biotransformation auch in höheren Lebewesen wie Fisch und Mensch.

Doch Rettung naht, wie es in der Eawag-Mitteilung heisst: In der Schweiz werden momentan gut hundert Abwasserreinigungsanlagen mit einer vierten Reinigungsstufe ausgerüstet, um Mikroverunreinigungen effektiv zu entfernen. "Nach dieser zusätzlichen Elimination taucht Diclofenac in den Gewässern nicht mehr in erhöhten Konzentrationen auf", verspricht Hollender.

*Fachartikellink: https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.est.9b07127

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