Rückblick

Finten und Intrigen: Bundesratswahlen bieten bisweilen beste Unterhaltung

«Pfui! Pfui! Pfui!» riefen SVP-Anhänger, als ihr Idol Christoph Blocher als Bundesrat nicht wiedergewählt wurde.

«Pfui! Pfui! Pfui!» riefen SVP-Anhänger, als ihr Idol Christoph Blocher als Bundesrat nicht wiedergewählt wurde.

Ein Rückblick zeigt, dass Bundesratswahlen sehr spannend sein können: Diese fünf Finten und Intrigen waren besonders überraschend.

Ueli Maurers Duell 2008

Die SVP nominiert für die Nachfolge von Bundesrat Samuel Schmid ihren alt Bundesrat Christoph Blocher sowie den Zürcher Nationalrat Ueli Maurer. Mitte-Links bringt den gemässigteren Thurgauer Nationalrat Hansjörg Walter ins Spiel. Der sagt zwar, er stehe nicht zur Verfügung – doch schwingt er im ersten Umgang mit 109 Stimmen obenaus. Die SVP zieht Blochers Kandidatur zurück, doch auch im zweiten Wahlgang liegt Walter mit 121 zu 119 Stimmen vorne – bis Maurer im dritten Wahlgang mit 122 zu 121 Stimmen gewählt wird.

Die Blocher-Abwahl 2007

«Pfui! Pfui! Pfui!» riefen SVP-Anhänger, als ihr Idol Christoph Blocher als Bundesrat nicht wiedergewählt wurde. Ein Grüppchen um den Bündner SP-Nationalrat Andrea Hämmerle, den grünen Waadtländer Ständerat Luc Recordon und die Freiburger CVP-Nationalrätin Thérèse Meyer hatte heimlich und mit Erfolg die Bündnerin Eveline Widmer-Schlumpf als Sprengkandidatin aufgebaut. In der Folge warf die SVP ihre Bündner Sektion aus der Partei, die BDP entstand. Der neuen Partei trat alsbald der zweite SVP-Bundesrat Samuel Schmid bei.

Die Blocher-Wahl 2003

Ruth Metzler wurde als erstes Bundesratsmitglied seit 131 Jahren nicht im Amt bestätigt, die Zauberformel war gesprengt. Die SVP hatte zuvor die Nationalratswahlen gewonnen und die FDP davon überzeugt, Blocher zulasten der CVP in den Bundesrat zu wählen. Da Metzler vor ihrem Parteikollegen Joseph Deiss zur Wahl stand, wählte das Parlament Blocher auf ihren Sitz. Beim zweiten CVP-Sitz wollte die Partei ihre beiden Magistraten nicht gegeneinander antreten lassen. Die Appenzellerin holte zwar viele Stimmen, doch zogen insbesondere linke Kräfte Deiss der wirtschaftsnahen Metzler vor. Die beklagte sich später in einem Buch, die CVP habe sie fallengelassen.

Das Brunner-Dreifuss-Drama 1993

Die SP-Fraktion nominiert die Genfer Nationalrätin, Gewerkschafterin und Frauenrechtlerin Christiane Brunner. Doch die bürgerliche Mehrheit wählt den gemässigteren Neuenburger Nationalrat Francis Matthey. Es folgen landesweite Proteste. Matthey nimmt die Wahl auf Druck der Partei nicht an. Darauf nominiert die SP Ruth Dreifuss. Sie wird am 10. März 1993 gewählt.

Die Affäre Uchtenhagen 1983

Die SP wusste, dass sie mit der Zürcher Nationalrätin Lilian Uchtenhagen die bürgerliche Mehrheit herausforderte. Die Ratsrechte indes sucht nach anderen Kandidaten – und wurde beim abtretenden Solothurner Nationalrat Otto Stich, einem Schulkameraden Uchtenhagens, fündig. Schon im ersten Wahlgang stach Stich seine Konkurrentin mit 124 Stimmen gegen 96 Stimmen aus. Die SP-Parteileitung wollte darauf in die Opposition gehen, am SP-Parteitag verzichtete die Basis jedoch darauf. (FFE)

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