Bundesratswahlen
Finanzprofi mit Defiziten: Die Wahlchancen des Zuger CVP-Ständerats Peter Hegglin steigen

Als Mitte-rechts-Politiker wäre CVP-Ständerat Peter Hegglin der richtige Kandidat zur richtigen Zeit. Im Bundesparlament gibt es jedoch Bedenken, ob der ehemalige Zuger Finanzdirektor das nötige Format hat.

Roger Braun
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Peter Hegglin, CVP-Ständerat und ehemaliger Finanzdirektor des Kantons Zug, arbeitet an seinem freien Abend gern im Garten.Ennio Leanza/keystone

Peter Hegglin, CVP-Ständerat und ehemaliger Finanzdirektor des Kantons Zug, arbeitet an seinem freien Abend gern im Garten.Ennio Leanza/keystone

KEYSTONE

Die Wahlchancen des Zuger CVP-Ständerats Peter Hegglin steigen. Mit Nationalrätin Ruth Humbel hat am Dienstag eine weitere Vertreterin vom rechten Flügel der CVP auf eine Bundesratskandidatur verzichtet. Auch bei National- rat Daniel Fässler verdichten sich die Anzeichen, dass er nicht antreten wird. Damit hat Hegglin gute Aussichten, von der Fraktion neben der favorisierten CVP-Nationalrätin Viola Amherd aufgestellt zu werden.

Es wäre das ideale Szenario für Hegglin: Amherd ist als Vizefraktionschefin innerhalb der CVP zwar besser abgestützt, doch im rechtslastigen Parlament wird sie Mühe haben, eine Mehrheit zu erringen. Hegglin ist kein Rechtsausleger; in der Ständeratsgruppe der CVP ist er gut eingemittet. Doch im Vergleich zu Amherd steht er deutlich weiter rechts. Hegglin steht dem Sozialstaat kritischer gegenüber, er ist gesellschaftspolitisch konservativer und er will die Schweiz weniger stark öffnen als Amherd. Sich dieses Vorteils bewusst, sagt er denn auch: «Ich bin ein klassischer Mitte-rechts Politiker.»

Einzelkämpfer, wenige Themen

Die ideologische Positionierung ist indes nur eines der Kriterien bei Bundesratswahlen. Wichtig ist auch die persönliche Eignung für das Amt. Und da gibt es Vorbehalte in der Bundesversammlung. Am deutlichsten drückt sich ein Parteikollege aus: «Wäre Hegglin noch Finanzdirektor, hätte er bessere Chancen als jetzt.» Es ist eine Aussage, die in der einen oder anderen Form öfters zu hören ist, auch wenn sich niemand namentlich zitieren lassen will. Hegglin kam vor drei Jahren mit grossen Vorschusslorbeeren nach Bern.

Er war zwölf Jahre lang Zuger Finanz- direktor, drei Jahre davon präsidierte er die einflussreiche Finanzdirektorenkonferenz. Doch in Bern scheint er nie richtig angekommen zu sein. Weder in der Partei noch im Ständerat schaffte er es, sich gut zu vernetzen. Ein «Einzelkämpfer» sei er, sagt ein FDP-Ständerat. Ein Parteikollege sagt: «Insgesamt sind wir überrascht, dass sich Peter Hegglin nicht mehr Einfluss erarbeiten konnte.»

Das Kandidatenkarussell bei FDP und CVP dreht weiter

Neue Absprünge

Bei der FDP scheinen sich nun doch noch weitere Bewerber für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann in Stellung zu bringen: Für Mittwochmorgen lädt
der Nidwaldner FDP-Ständerat Hans Wicki zu einer Medienkonferenz
ein – ein untrügliches Indiz dafür, dass der frühere Regierungsrat antreten will. Am Donnerstagabend wird zudem der Schaffhauser Regierungsrat und frühere Erziehungsdirektoren-Präsident Christian Amsler über seine Ambitionen informieren. Beiden werden im Vergleich zur St. Galler Ständerätin und Kronfavoritin Karin Keller-Sutter nur Aussenseiterchancen eingeräumt.

Bei der CVP hingegen hat bisher einzig der Zuger Ständerat Peter Hegglin sein Interesse angemeldet. Das Feld der Anwärter lichtet sich weiter: Am Dienstag hat die Aargauer Nationalrätin Ruth Humbel ihren Verzicht bekannt gegeben. «Eine Bundesrätin oder ein Bundesrat steht unter ständiger Beobachtung und hohem Druck», sagte Humbel. «Das notwendige innere Feuer und das bedingungslose Streben nach dem höchsten politischen Amt gehen mir unter Würdigung aller Kriterien ab, zumal das Privatleben kaum Platz findet.»

Nun harrt die CVP noch der Stellungnahmen von drei Frauen und drei Männern. Erwartet wird, dass der Innerrhoder Nationalrat Daniel Fässler am Mittwoch seinen Verzicht bekannt gibt. Am Donnerstag sind dann der Obwaldner Ständerat Erich Ettlin sowie die Baselbieter Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter an der Reihe.

Kein Datum genannt haben die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen und der Solothurner Ständerat Pirmin Bischof. Als chancenreiche Kandidatin gilt ferner die Walliser Nationalrätin Viola Amherd; sie leidet allerdings an Nierensteinen und hat sich darum Geduld erbeten. Die Meldefrist läuft bei der CVP nächste Woche, am 25. Oktober, ab. Bis einen Tag früher müssen sich FDP-Kandidaten durch ihre Kantonalparteien nominieren lassen. (ffe/pmü)

Regelmässig zur Weissglut treibt Hegglin seine Ratskollegen mit langfädigen Reden. Nicht selten dauern seine Voten zehn Minuten, packend sind sie kaum je. Unter anderem wegen Hegglins ausgeprägtem Mitteilungsbedürfnis appellierte das Büro des Ständerats vor knapp einem Jahr an die Ratsmitglieder, sich kürzer zu fassen. «Ergreift Hegglin das Wort, verlassen die Leute den Saal», bemerkt ein Ratskollege. Ein anderer sagt: «Wer nicht innerhalb kurzer Zeit zum Punkt kommen kann, ist der kommunikativen Aufgabe als Bundesrat nicht gewachsen.»

Unbestritten ist Hegglins Sachverstand. Geht es um Finanzthemen, äussert sich der 57-Jährige oft und mit Tiefgang. Nur wenige kennen den Finanzausgleich und das hiesige Steuersystem so gut wie der ehemalige Finanzdirektor. Auch in der Landwirtschaftspolitik kennt sich der gelernte Bauer bestens aus. Darüber hinaus ist Hegglin hingegen blass geblieben. «Ich habe keine Ahnung, was er vom Rahmenabkommen und der Einwanderung in die Schweiz hält», sagt ein SVP-Vertreter.

Ein bürgerlicher Ständerat zieht den Vergleich mit FDP-Bundesratskandidatin Karin Keller-Sutter: «Sie hat es geschafft, sich von ihrem ehemaligen Amt als Justizdirektorin zu lösen und bei sämtlichen Fragen mitzureden; Hegglin ist hingegen Finanzdirektor geblieben.» Hegglin kann ins Feld führen, dass er erst seit drei Jahre im Ständerat sitzt und der Start in der kleinen Kammer vielen schwerfällt. Genau deshalb sei eine Kandidatur verfrüht, sagt ein Ständerat.

Ein zweiter Schneider-Ammann?

Für viele Parlamentarier ist Hegglin wenig fassbar geblieben. Während sich andere zum Fussball treffen oder gemeinsam auf ein Bier gehen, konzentriert sich Hegglin auf seine politische Aufgabe. Jene, die ihn kennen, bezeichnen ihn als freundlich, korrekt und respektvoll; auch der Vergleich mit Johann Schneider-Ammann fällt. «Der grosse Vorteil von Hegglin ist, dass er in Bern niemandem auf die Füsse getreten ist», sagt ein Ständerat.

Trotz der Vorbehalte sind Hegglins Wahlchancen intakt. Neben dem politischen Profil spricht die Herkunft für ihn, denn die Zentralschweiz wartet seit bald 15 Jahren auf einen Bundesrat. Seine bäuerliche Herkunft dürfte ihm die Stimmen der Bauernvertreter garantieren; andererseits dürfte die Aussicht auf einen zweiten Landwirt im Bundesrat auch Gegenkräfte stärken.

Offen ist, inwiefern die Nehmerkantone im Finanzausgleich gegen Hegglin mobilmachen werden. Als ehemaliger Zuger Finanzdirektor personifiziert Hegglin die Geberkantone wie kaum jemand anderer. Die Aussicht auf einen Finanzminister Hegglin dürfte Vertreter strukturschwacher Kantone skeptisch stimmen.