Eine Umfrage der Credit Suisse (CS) bei rund 200 Pensionskassen hat ergeben, dass für die Kassen die tiefen Zinsen ein Problem darstellen, ebenso wie die steigende Lebenserwartung der Versicherten. Finanziell haben sich die Pensionskassen erholt. Die Umverteilung in der zweiten Säule von den Aktiven zu den Rentnern wird zum Problem: Die Autoren der Studie schätzen, dass 2015 rund 5,3 Milliarden Franken auf diesem Weg geflossen sind.

Schweizer Pensionskassen haben auf die tiefen Zinsen reagiert und ihre Investitionen angepasst. Das geht unter anderem aus einer Umfrage hervor, welche die CS 2016 bei rund 200 Pensionskassen durchgeführt und am Dienstag in Zürich vor den Medien präsentiert hat.

So geben über 80 Prozent der befragten Kassen an, in den vergangenen fünf Jahren ihren Umwandlungssatz und den technischen Zins gesenkt zu haben. Ausserdem hat rund die Hälfte der befragten Institute angegeben, die Anteile von Aktien und Immobilien im Ausland erhöht zu haben. Viele haben auch verstärkt in Immobilienfonds in der Schweiz investiert.

Für eine Rentenreform

Zurückgegangen ist dagegen die Anzahl Obligationen in Schweizer Franken und ausländische Obligationen, welche die Kassen halten. Etliche Pensionskassen gaben an, ihre Liquidität reduziert zu haben. Dies vor allem wegen der Negativzinsen.

Die befragten Pensionskassen befürworteten grossmehrheitlich die Senkung des Mindestumwandlungssatzes von 6,8 auf 6,0 Prozent, wie sie in der Rentenreform "Altersvorsorge 2020" vorgesehen ist. Die Reform geht den Pensionskassen allerdings zu wenig weit. Sie fordern die Diskussion über eine Erhöhung des Rentenalters, die Abschaffung des Mindestzinssatzes und die Anpassung der Höhe laufender Renten.

System dem Wandel anpassen

Für die Pensionskassen sind Teilzeitangestellte und Freelancer eine Gruppe, die ihnen Sorgen bereitet. Freelancer erreichen bisweilen nicht die Schwelle des Abgabeobligatoriums und Teilzeitangestellte üben oft Arbeiten aus, die schlecht bezahlt werden.

Das führt laut den Autoren der Pensionskassenumfrage dazu, dass diese Personen nicht genügend fürs Alter vorsorgen könnten. Sie empfehlen, das System an die aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen.

5,3 Milliarden umverteilt

Die Autoren legten ausserdem dar, dass wegen verschiedener Rahmenbedingungen eine Umverteilung stattfindet. Laut einer Schätzung betrug diese Umverteilung 2015 innerhalb der zweiten Säule von Arbeitstätigen zu Pensionierten rund 5,3 Milliarden Franken - Tendenz: steigend.

So kommt es bei den Neurenten wegen der unterschätzten Lebenserwartung, einem zu hohen Umwandlungssatz und einem zu hohen Rentenversprechen zu einem Pensionierungsverlust: Das Rentenversprechen ist grösser als das Vorsorgekapital und die Differenz von rund 3,5 Milliarden Franken tragen die Arbeitstätigen.

Ähnlich steht es bei den laufenden Renten. Hier tragen die Arbeitstätigen die Rückstellungen für zu hohe laufende Renten und stopfen die Lücken, die durch schwache Anlageperformance der Pensionskassengelder entstehen: zusammen 1,8 Milliarden Franken.

Auf der anderen Seite lässt sich sagen: Den Pensionskassen geht es gut. Waren 2008 noch 60 Prozent der Pensionskassen nur zu 100 oder weniger Prozent gedeckt, betrug der Anteil dieser ungenügend gedeckten Pensionskassen im Jahr 2015 deutlich unter zehn Prozent.