Fifa-Skandal
Fifa-Kongress eröffnet – Sepp Blatter: «Ich kann nicht jeden überwachen»

Der FIFA-Kongress hat begonnen: Sepp Blatter fordert erneut die Klärung der Vorwürfe. Mit dabei ist auch die UEFA, die den Anlass entgegen ersten Überlegungen nicht boykottiert. Ihr Präsident Michel Platini fordert Blatter jedoch zum Rücktritt auf.

Drucken
Teilen

Einen Tag nach der Verhaftung mehrerer FIFA-Spitzenfunktionären und der Durchsuchung des FIFA-Hauptsitzes in Zürich hat FIFA-Präsident Joseph Blatter am späten Donnerstagnachmittag den 65. FIFA-Kongress eröffnet. Im Theater 11 in Zürich-Oerlikon sprach er von «Schande und Beschämung» für den Fussball. «Ich bin sicher, dass weitere schlechte Nachrichten folgen werden.»

Der Live-Ticker zum Nachlesen:

Kein Boykott der UEFA

"Ich habe ihm gesagt: 'Bitte verlasse die FIFA. Lass es sein'", berichtete Platini anlässlich einer Medienkonferenz am Donnerstagnachmittag in Zürich von der Unterredung mit Blatter und ergänzte: "Es wäre ein Zeichen von Grösse gewesen. Fussball ist wichtiger als Personalien, aber er hat gesagt: 'Es ist zu spät. Ich kann nicht aufhören, nicht zu Beginn dieses Kongresses.'" Platini gilt als grosser Unterstützer von Blatters Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein. Die UEFA werde zum "allergrössten Teil" für den Jordanier stimmen, erklärte der Franzose. Einen Boykott des FIFA-Kongresses durch die UEFA gibt es nicht.

"Boykott ist keine Lösung, das ist noch nie eine gewesen. Das war auch in der olympischen Bewegung so", sagte Reinhard Rauball als Präsident der Deutschen Fussball Liga (DFL) und ergänzte: "Was hier passiert, ist ein absolutes Desaster. Wir müssen den Wandel herbeiführen. Das können wir nur, wenn wir Prinz Ali wählen."

Rückzug bei Wiederwahl möglich

Die UEFA hatte im Zuge des FIFA-Korruptionsskandals mit sieben Festnahmen von Spitzenfunktionären noch am Mittwoch die Verlegung der Präsidentschaftswahlen gefordert und gar einen Boykott in Betracht gezogen. Für den Fall eines Wahlsiegs von Blatter hat Platini am Donnerstag einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen FIFA-Wettbewerben nicht ausgeschlossen. Bei einer Sondersitzung rund um den Champions-League-Final am 6. Juni in Berlin werde man in der kommenden Woche "alle Möglichkeiten ins Auge fassen".

Der englische Verbandspräsident Greg Dyke sprach sich ebenfalls dafür aus, die Wahl durchzuführen. Dyke erhofft sich gute Chancen für eine Wahl al-Husseins. Offenbar scheint die bislang als sicher geltende grosse Mehrheit für Amtsinhaber Blatter zu bröckeln. Auch Australien hat inzwischen bekanntgegeben, für Prinz Ali zu stimmen. Der Engländer David Gill will auf seinen Platz im FIFA-Exekutivkomitee verzichten, sollte Blatter gewählt werden. (SI)

Aktuelle Nachrichten