Fifa
Schlusseinvernahmen der Bundesanwaltschaft: Blatter und Platini stehen offenbar kurz vor der Anklage

Die Bundesanwaltschaft sagt ein Schlusseinvernahmen an – aber jetzt interessiert sich auch Sonderermittler Keller für das umstrittene Verfahren.

Henry Habegger
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Die Bundesanwaltschaft will offenbar gegen Sepp Blatter (links) und Michel Platini (rechts) Anklage erheben.

Die Bundesanwaltschaft will offenbar gegen Sepp Blatter (links) und Michel Platini (rechts) Anklage erheben.

Bild: Patrick B. Krämer/AP

Die Bundesanwaltschaft (BA) will offenbar Anklage gegen Sepp Blatter (85) und Michel Platini (65) erheben, frühere Präsidenten der Fifa respektive der Uefa. Staatsanwalt des Bundes Thomas Hildbrand hat die zwei für Mitte März zu Schlusseinvernahmen aufgeboten.

Dominic Nellen, Schweizer Anwalt des ehemaligen französischen Spitzenfussballer Platini, bestätigt: «Diese Woche ist eine Schlusseinvernahme mit meinem Mandanten angesagt. Normalerweise deutet das darauf hin, dass die Bundesanwaltschaft das Verfahren mit einer Anklage abschliessen will.» Andere Strafrechtsexperten teilen diese Einschätzung.

Es geht um 2 Millionen Franken, die die Fifa 2011 an Platini zahlte. Die BA ermittelt seit 2015 wegen möglicher Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung. Letztes Jahr wurde das Verfahren zudem auf den Tatbestand Betrug ausgedehnt.

So schnell werde das aber nicht gehen, sagt Nellen, weil ein Ausstandsbegehren vor Bundesstrafgericht gegen Staatsanwalt Hildbrand hängig sei und weil die Parteien noch Beweisanträge stellen würden. Ein BA-Sprecher hält indes fest:

«Die Durchführung von Schlusseinvernahmen lässt keinen Rückschluss auf den Abschluss eines Strafverfahrens zu (Einstellung, Strafbefehl, Anklage).»

Blatters Schlusseinvernahme ist wegen dessen schlechter Gesundheit abgesagt. Er musste sich Ende Jahr Herzoperationen unterziehen, lag im künstlichen Koma, litt an Corona. Blatter ist derzeit in einer Reha-Klinik.

Immer drei Fifa-Anwälte bei Befragungen dabei

Geht es nach Platinis Anwalt Nellen, stünde eine Anklage gegen seinen Mandanten ohnehin auf überaus wackeligen Beinen. Die zwei Millionen seien aufgrund einer früheren Vereinbarung an Platini ausbezahlt worden, der Vorgang sei gut dokumentiert, Hinweise auf Betrug gebe es erst recht nicht. «Ich bin sehr zuversichtlich für eine Einstellung oder einen Freispruch», sagt Nellen. Auch andere Beobachter rätseln über den Betrugsvorwurf, den Staatsanwalt Hildbrand letztes Jahr nachschob. Zunächst, bei der Verfahrenseröffnung 2015, war der Vorwurf durch die Fifa noch erfolglos eingebracht worden.

Auffallend ist, dass die Fifa von Gianni Infantino massiv Druck auf das Verfahren gegen Platini und Blatter macht. «Bei jeder Befragung sind drei Anwälte der Fifa dabei», sagt Anwalt Nellen, die Fifa behandle das Verfahren hoch prioritär. Dieses Engagement sei absolut aussergewöhnlich. Es sei nicht normal, «wie extrem rabiat die Fifa gegen zwei frühere Spitzenfunktionäre vorgeht.» Der Eifer stehe in offensichtlichem Missverhältnis zu den zwei Millionen Franken, um die es hier angeblich gehe. «Für die Fifa ist das ja keine grosse Summe», sagt Nellen. Ein Arbeitgeber würde, wenn schon, versuchen, sich gütlich mit den früheren Funktionären zu einigen. Also müsse es um etwas anderes gehen.

Fragen stellt sich auch Stefan Keller, vom Parlament eingesetzter ausserordentlicher Bundesanwalt, der gegen Infantino und Ex-Bundesanwalt Michael Lauber rund um die Geheimtreffen im Berner «Schweizerhof» ermittelt und den die Fifa laufend mit Rekursen eindeckt. Laut französischer «Le Monde» wird Platini am Mittwoch von Keller befragt. Anwalt Nellen bestätigt:

«Keller interessiert sich für das Verfahren gegen Blatter und Platini, vor allem für die Anfangsphase.»

Keller gehe der Frage nach, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Verfahren und ungeklärten Treffen gebe. Es gebe gewisse zeitliche Auffälligkeiten.

Im Juli 2015 traf sich Infantinos Schulfreund, der Walliser Staatsanwalt Rinaldo Arnold, mit Lauber. Zwei Monate später wurde das Verfahren gegen Blatter und Platini von Laubers Chef Wirtschaftskriminalität Olivier Thormann eröffnet, der später suspendiert wurde. Die Eröffnung führte dazu, dass Platini und Blatter von der Fifa gesperrt wurden und Infantino das Präsidium erbte. Es gibt daher die Theorie, der offenbar Keller nun nachgeht, dass Infantino hinter der Verfahrenseröffnung steckte. Was dieser bestreitet.

Krach aus ungeklärten Gründen

Die Sache ist jedenfalls trüb. Und voller seltsamer Zufälle. So: Weil Infantino seinem Freund Arnold Fifa-Geschenke für um die 15'000 Franken zuhielt, musste sich dieser wegen Vorteilsnahme verantworten. Ein Sonderermittler, Damian C. Graf, stellte das Verfahren aber ein. Graf ist Staatsanwalt für Wirtschaftsdelikte in Nidwalden. Dort arbeitet mit ihm, als ausserordentlicher Staatsanwalt für Wirtschaftsdelikte, auch Hildbrand, der gleichzeitig als Staatsanwalt des Bundes tätig ist. Er hatte 2019 das Verfahren gegen Blatter und Platini 2019 übernommen, nachdem sich Thormann und Lauber aus nie geklärten Gründen verkrachten.

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