Wahlen

Fertig Verliererpartei: Der Freisinn hat die Krise überwunden

Der Zürcher FDP-Stadt- und Nationalrat gratuliert dem Zürcher Regierungsrat Thomas Heiniger und der Neu-Regierungsrätin Carmen Walker-Späh.

Der Zürcher FDP-Stadt- und Nationalrat gratuliert dem Zürcher Regierungsrat Thomas Heiniger und der Neu-Regierungsrätin Carmen Walker-Späh.

Die FDP hat bei den Wahlen in Zürich einen Regierungssitz und im Kantonsparlament knapp fünf Prozent gewonnen. Die Zürcher Ergebnisse gelten als Indikator für die nationale Ausmarchung im Herbst.

Die Wahlen im Kanton Zürich gelten als Gradmesser für die nationale Ausmarchung im Oktober.

Seit 1987 änderten sich die Wähleranteile bei den Kantons- und den Nationalratswahlen nur in 13 Prozent der Fälle nicht in dieselbe Richtung, wie das statistische Amt des Kanton Zürichs kürzlich analysierte. «Wie Zürich im April, so die Schweiz im Oktober», bilanzierte der Statistiker Peter Moser.

Die Hauptbefunde des gestrigen Wahlsonntags im Kanton Zürich: Grüne und Grünliberale sind auf Abstiegskurs, der Freisinn hat die Trendwende geschafft.

Und der bürgerliche Schulterschluss scheint zu funktionieren. Damit wird ein halbes Jahr vor den National- und Ständeratswahlen offenbar: Der Freisinn hat seine Krise überwunden und das Image der Verliererpartei ablegen können.

Kantonsratswahl Zürich: Gewinner, Verlierer, Analyse.

Kantonsratswahl Zürich: Gewinner, Verlierer, Analyse.

Im Hinblick auf die nationalen Wahlen bezeichnete FDP-Präsident Philipp Müller das Resultat seiner Partei gestern als «hoch motivierend».

Nach dem guten Abschneiden bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr und den kantonalen Wahlen in Luzern und Baselland in diesem Jahr komme der Zugewinn nun zwar vielleicht nicht überraschend. Aber: «Dass wir derart stark zulegen können, übertrifft meine Erwartungen bei weitem.»

«Die Basis ist entscheidend»

Er selber sei nur die Spitze einer Pyramide, sagte der Aargauer Nationalrat, der auch nach dem jüngsten Erfolg nicht von einem «Müller-Effekt» sprechen wollte. «Entscheidend für die Stabilität der Pyramide ist die Basis.»

Um zu mobilisieren, solle jede Ortspartei mindestens einmal pro Jahr von einem Politiker der nationalen Ebene besucht werden, sagte er. «Unser Erfolgsrezept ist es, näher bei den Leuten zu sein.» Die Resultate zeigten, dass sich Knochenarbeit bezahlt mache: «Leistung lohnt sich – dieses Motto gilt nicht nur für das Land, sondern auch für die Parteiarbeit.»

Während die Freisinnigen in Feierlaune waren, bliesen die ökologischen Kräfte Trübsal: Grünliberale und Grüne sind die Verlierer dieses Zürcher Wahlsonntags.

Regula Rytz, Co-Präsidentin der nationalen grünen Partei, erklärt die Verluste mit einer veränderten Themenpriorität.

«Seit dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank vom 15. Januar, den Euro-Mindestkurs aufzuheben, dominieren ökonomische gegenüber ökologischen Themen.»

Der Effekt der Mindestkurs-Aufhebung sei vergleichbar mit der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011. «Damals profitierten wir Grünen, jetzt profitiert die FDP.»

Dass der bürgerliche Schulterschluss auf kantonaler Ebene funktioniert, zeigten die Regierungsratswahlen: Die CVP-Kandidatin Silvia Steiner vermochte dank des bürgerlichen «Top 5»-Bündnisses den Grünen Martin Graf aus der Regierung zu verdrängen.

«Wir brauchen nicht gleich zu heiraten», sagt FDP-Chef Müller. «Aber um bürgerlichen Werten zum Durchbruch zu verhelfen, braucht es die Zusammenarbeit von FDP, SVP und CVP.»

Wie brüchig dieses Bündnis ist, machten gleichentags allerdings Äusserungen von CVP-Präsident Christophe Darbellay in einem Interview mit «Le Matin Dimanche» klar: Die SVP bezeichnete er zum wiederholten Male als «radikalisiert», Deutschschweizer Freisinnigen warf er vor, im Vorfeld der Wahlen nicht mit der EU über die Bilateralen sprechen zu wollen.

«Wegen dieses Fehlers verlieren wir wertvolle Zeit.» Müller reagierte leicht angesäuert auf die Angriffe des Wallisers: «Was uns Darbellay über die Medien ausrichten lässt, nehme ich längst nicht mehr ernst.»

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