Baselland
Fertig geraucht

Auch in Baselbieter Restaurants ist bald Schluss mit Rauchen. Das Stimmvolk hat die Initiative «Schutz vor Passivrauchen» überraschend deutlich gutgeheissen.

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Rauchen

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Birgit Günter

Für die Raucher wird die Luft immer dünner. Mit 52 070 Ja- gegen 28 301 Nein-Stimmen haben die Baselbieterinnen und Baselbieter beschlossen, das Rauchen in den Gastrobetrieben künftig zu verbieten. Mit Inkrafttreten des Gesetzes darf nur noch in abgetrennten, unbedienten Fumoirs gepafft werden.

Der hohe Ja-Stimmen-Anteil von 65 Prozent überrascht - insbesondere mit Blick auf den Nachbarkanton Basel-Stadt, der das gleiche Gesetz letzten Herbst zwar auch angenommen hatte, aber mit nur 53 Prozent deutlich knapper.

Justizdirektorin Sabine Pegoraro führt das deutliche Resultat auf die Tatsache zurück, dass der gemässigtere Gegenvorschlag zur Initiative gar nicht an die Urne kam, weil ihn der Landrat abgelehnt hatte. «Darum hiess es jetzt nur noch: Rauchen - Ja oder Nein? Und da die Mehrheit der Leute nicht raucht, war die Sache klar», kommentiert Pegoraro. Wäre der Gegenvorschlag jedoch vors Volk gekommen, wäre dieser angenommen worden, vermutet sie.

Dieser Meinung ist auch der Baselbieter SVP-Nationalrat Christian Miesch. «Der Landrat hat es verpasst, dem Volk den vernünftigeren Gegenvorschlag vorzulegen», kritisiert er. Schade findet der Titterter zudem, dass nun eine grosse Mehrheit über etwas geurteilt hat, das sie selbst gar nie betrifft: «Die 114 Leute, die in Titterten für das Rauchverbot gestimmt haben, sieht man selber nie in der Beiz», bedauert er. Für die wieder eröffnete Dorfbeiz stelle das Verbot aber eine existenzielle Bedrohung dar.

Die Top 9 der Nein-Sager

Folgende neun Gemeinden haben das Rauchverbot abgelehnt (in absteigender Reihenfolge): Eptingen (60 Prozent Nein-Stimmen), Hemmiken (56), Liedertswil (55), Roggenburg (54), Häfelfingen (53), Wintersingen (53), Läufelfingen (51), Rümlingen (50) und Thürnen (50). Alle Gemeinden stammen aus den ländlichen Bezirken Sissach, Waldenburg und Laufen. Im stadtnahen Bezirk Arlesheim sowie im Bezirk Liestal waren hingegen jeweils sämtliche Gemeinden für das Rauchverbot. Die Gemeinde mit dem höchsten Ja-Anteil kommt überraschenderweise aus der - ländlichen - Gemeinde Ziefen: Hier waren fast 75 Prozent der Abstimmenden für das Rauchverbot. (big)

Das von den Initiativgegnern häufig vorgebrachte Argument des Beizensterbens kann Regierungsrätin Sabine Pegoraro jedoch nur beschränkt gelten lassen: «Im Ausland sowie in anderen Schweizer Kantonen, in denen das Rauchen bereits verboten ist, hat man kein Beizensterben feststellen können.» Es habe teilweise aber Einbussen gegeben, gibt sie zu. Für Miesch bedroht das Verbot jedoch nicht nur die Zukunft der Wirtsbetriebe, sondern auch die Freiheit der Menschheit. «Das ist ein weiterer Schritt Richtung Verbotsgesellschaft. Als nächstes könnte das Essen im McDonald's verboten werden, weil dies ungesund ist», befürchtet der SVP-Nationalrat.

Auffallend am Abstimmungsresultat: Je ländlicher die Gemeinden, desto kritischer sind sie gegenüber dem Rauchverbot. Sämtliche Baselbieter Gemeinden, die Nein gesagt haben, finden sich in ländlichen Regionen (siehe Infobox unten). Der Bezirk mit den meisten Nein-Stimmen ist denn auch Laufen (41%) - und jener mit dem höchsten Ja-Anteil der Bezirk Arlesheim (67%).

Noch offen ist, wann das Gesetz umgesetzt wird. In Basel-Stadt gilt das Verbot per April 2010. «Das wäre auch unser Ziel gewesen, aber dies ist jetzt für uns etwas knapp», sagt Regierungsrätin Sabine Pegoraro. Wahrscheinlicher sei darum eine Frist, die rund ein halbes Jahr über die Basler «Deadline» hinausgeht.