Ex-Fifa-Funktionär
«Fehlte nur noch, dass die Polizei mit Champagner empfangen worden ist»

Grosser Schlag gegen Fifa-Funktionäre am Mittwochmorgen in Zürich. Die Experten in der Sendung «TalkTäglich», unter anderem ein ehemaliger Fifa-Medienchef, glauben nicht, dass dieser – erneute – Skandal den Verband erschüttern wird.

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Am Freitag will sich Sepp Blatter zum fünften Mal zum Fifa-Präsidenten wählen lassen, doch die Wahl wird überschattet von den aktuellen Ereignissen.

Am Mittwochmorgen wurden sieben hochrangige Fifa-Funktionäre in Zürich festgenommen und befinden sich in Auslieferungshaft an die US-Behörden.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Korruption, Geldwäscherei, 100 Millionen Schmiergeld seit 1991. Es geht dabei um WM-Vergaben und TV-Deals.

Ist das nun der pompöse Anfang vom Untergang?, fragt Moderator Markus Gilli im «TalkTäglich» am Mittwochabend. Zu Gast sind die Experten Guido Tognoni, ehemaliger Medien- und Marketingchef der Fifa, und François Schmid-Bechtle, Sportchef der «Nordwestschweiz».

Beide sehen die Vorfälle nüchtern. «Das ist nicht alles so schlimm, wies aussicht», sagt Tognoni. Die Verhaftungen seien «nur einer weiterer Mosaikstein in dieser hronique scanadleuse».

«Der Pulverdampf aufgrund des US-Verfahrens wird sich bald verflüchtigen», ist der Ex-Funktionär überzeugt. Gespannt sei er viel mehr darauf, was mit dem Vorhaben des Bundesanwalts passiert. «Ob sich der nicht die Zähne ausbeisst an der Fifa.» Bei deiesem Verfahren geht es um die WM-Vergabe an Russland und Katar.

Auch Sportjournalist François Schmid-Bechtel glaubt nicht, dass es der Fifa jetzt wirklich an den Kragen geht: «Das bezieht sich jetzt vor allem auf den amerikanischen Kontinent, es gibt auf anderen Kontinenten noch ganz viele andere schwarze Schafe.» Dafür dass die Fifa in ihren Grundfesten erschüttert werde, brache es mehr.

Guido Tognoni sieht in dem Vorgehen der Behörden auch einen inszenierten Showdown: «Es ist ja verdächtig, wie gut die New York Times informiert war – da sieht man, was da für eine Regie dahinter steckt.»

Die verhafteten Funktionäre hätten zwar unbestritten «Dreck am Stecken», doch offenbar wollte «diese neue Bundesanwältin einfach einen grossen Coup landen». «Die weiss nicht einmal richtig, was die Fifa ist.»

An der anschliessenden Medienkonferenz sei dann vor allem «schöngeredet» worden. «Dass man die Polizei nicht mit Blumen und Champagner empfangen hat, hat gerade noch gefehlt.»

Nicht zuletzt seien solche Skandale nicht mehr als «courant normal» bei der Fifa, urteilt der Ex-Funktionär. «Das hatten wir schon einige Male in ähnlicher Form, das bringt Sepp Blatter nicht aus der Fassung, in keinester Weise.»

Viel mehr: «Wir werden sehen, wie er daraus am Schluss noch super Voten drehen kann. Denn bis jetzt ist er aus allem unbeschadet herausgekommen.»

Die «Blatter-Messe», die ihn noch einmal so richtig hätte feiern sollen, sei zwar gestört worden. Mehr sei aber nicht passiert. «Dieser Kongress geht weiter. Einfach mit sieben Mitgliedern weniger.»

Sehen Sie hier die ganze Sendung:

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