Bildung
Fehlschluss beim Pisa-Test: Die Schweiz jubelte zu früh

Bund und Politiker feierten die neuen Pisa-Ergebnisse Anfang Woche als grossen Erfolg: Die Schweiz habe sich verbessert. Eine genaue Analyse der Ergebnisse ergibt nun, dass sich die Schüler in den letzten neun Jahren nicht wirklich gesteigert haben.

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Die Schüler von heute sind die Berufstätigen von morgen. Pisa misst, wie gut die Schule die Jugendlichen aufs Berufsleben vorbereitet. keystone

Die Schüler von heute sind die Berufstätigen von morgen. Pisa misst, wie gut die Schule die Jugendlichen aufs Berufsleben vorbereitet. keystone

Beim neuen Pisa-Test kam es zu Fehlschlüssen, wie sich jetzt zeigt. Der Pisa-Studienleiter sagt in der Zeitung "Der Sonntag": «Die Schweiz hat sich streng genommen nicht verbessert.»

Denn die «Fortschritte» beim Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften liegen im statistischen Streubereich – das heisst: Die Ergebnisse könnten ebenso gut schlechter ausgefallen sein. Die Leistungssteigerung ist statistisch nicht signifikant. Das sagt sogar der Schweizer Pisa-Studienleiter Urs Moser: «Die Schweiz hat sich streng genommen nicht verbessert.» Stefan Wolter, Direktor der Schweizer Koordinationsstelle für Bildungsforschung bestätigt im "Sonntag": «Wir sind zwar nicht schlechter geworden, aber auch nicht besser.»

Keine verlässliche Aussage

Im Lesen erzielten die Schweizer Schüler 501 Punkte. Das sind zwar sechs Punkte mehr als bei Pisa 2000. Doch diese Zunahme – um gerade mal gut ein Prozent – lässt keine verlässliche Aussage darüber zu, ob die Leistungen effektiv besser geworden sind. Gewerbeverbands-Direktor Hans-Ulrich Bigler stellt ebenfalls fest, dass sich «die Schulabgänger in den letzten neun Jahren nicht gesteigert haben.» Erschreckender Befund des jüngsten Pisa-Tests: 17 Prozent der Schüler können am Ende der Schulzeit kaum lesen und schreiben.

Umgerechnet auf die einzelnen Schulklassen heisst das: «Bei einer durchschnittlichen Klassengrösse von 20 Schülern können bei Schulabschluss drei bis vier Schüler weder lesen noch schreiben – und das nach neun Jahren Schule», rechnet Bildungsforscher Stefan Wolter vor. Zwar ist der Anteil der schwächsten Schüler um drei Prozent gesunken. Fakt aber ist: Jeder sechste Schüler verlässt die Volksschule praktisch als Analphabet. Pisa-Leiter Urs Moser: «Das Pisa-Ergebnis ist insgesamt zwar erfreulich, aber mit 17 Prozent schwachen Leserinnen und Lesern ist das Ziel noch längst nicht erreicht.»