Neubau auf Wasserturmplatz
FDP will keinen Luxusbau

Ein Neubau soll dem Wasserturmplatz in Liestal ein neues Gesicht geben. Die FDP wehrt sich gegen dieses Vorhaben. Grund: Liestal braucht keine monumentale Bauten.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Alessandra Paone

Die Wirtschaftslage ist prekär und Liestal bleibt weiterhin die Steuerhölle des Baselbiets. Dennoch stellt die Stadt trotz Finanzausgleich keine Steuersenkung in Aussicht. Im Gegenteil: Sie plant sogar weitere Investitionen. Dies alles stösst der FDP-Fraktion im Einwohnerrat sauer auf. So auch das geplante Stadtobjekt, das im Rahmen der Neugestaltung des Wasserturmplatzes realisiert und dem neuen Platz beim Törli ein neues Gesicht geben soll. «Sehr suspekt: das ‹Stadtobjekt›» schreiben die Freisinnigen in einem im «Liestal aktuell» veröffentlichten Inserat.

Gestört habe die FDP unter anderem, dass der Stadtrat seine Projekte immer so präsentiere, als wären sie bereits vom Einwohnerrat bewilligt worden, sagt FDP-Fraktionspräsident Pascal Porchet. Aber: Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Denn Liestals Freisinnige wehren sich vehement gegen ein «zweistöckiges Luxusobjekt» mitten auf dem Törliplatz.

Sie wollen auch keinen «klotzigen Betonbau». Zudem soll die neue Freifläche vor dem Törli «nicht unwiderruflich verbaut werden». Doch was der FDP gar nicht in den Kram passt: Dass die Stadt als Investorin die Steuergelder der Liestaler Einwohner verbaut. Die Stadt habe gesagt, sie wolle in Zukunft nicht mehr als Immobilienhändlerin fungieren, um sich nicht unnötig zu verschulden, betont Porchet. Aber genau dies tue sie mit der Realisierung des Objekts.

«Wir wollen kein monumentales Gebäude, sondern einen offenen Wasserturmplatz», bringt es der Fraktionspräsident auf den Punkt. Es solle die Möglichkeit bestehen, auf dem Platz Veranstaltungen durchzuführen. Porchet befürchtet zudem, dass der Neubau den ohnehin schon zähen Verkehrsfluss noch mehr behindern würde.

Viele Interessenten gemeldet

Nicht einverstanden mit den Argumenten der FDP ist Regula Gysin. Die Liestaler Stadtpräsidentin nimmt ihrem Parteikollegen auch gleich den Wind aus den Segeln: «Die Stadt will nicht Bauherrin sein, sondern möchte das Gebäude einem Investor verkaufen.» Dies sei so bisher zwar nicht kommuniziert worden, aber der Stadtrat habe den Entscheid bereits vor einigen Wochen gefällt. Aus städtebaulicher Sicht sei das geplante Objekt optimal.

Dem Projektierungskredit für den neuen Wasserturmplatz mit Stadtobjekt hat der Einwohnerrat bereits 2007 einstimmig zugestimmt. Auch habe das Gebäude einen symbolischen Wert. Denn auf einen Platz gehöre ein Objekt, das etwas darstelle und die Wichtigkeit des Ortes markiere, sagt Gysin. Bis jetzt gebe es in Liestal nur einen solchen Platz - nämlich den Zeughausplatz.

Ob das Gebäude tatsächlich zweistöckig wird, entscheidet letztlich der Einwohnerrat. Der Stadtrat plant jedenfalls im Erdgeschoss einen Bus-Warteraum und ein öffentliches WC. Dass es ein Problem sein wird, einen Investor für den Neubau zu finden, bezweifelt die Stadtpräsidentin. Zumal sich auch schon einige Interessenten gemeldet hätten, die als Mieter in Frage kommen.

Zimmermann bedauert öffentlichen Druck

Das Geschäft wurde letzten Mittwoch in der Bau- und Planungskommission (BPK) vorberaten. BPK-Präsident Matthias Zimmermann bedauert es sehr, dass eine Partei öffentlich Druck gegen das Projekt macht. Das Inserat der FDP behindere die Arbeit der BPK, eine objektive Lösung zu finden, die dem Rat präsentiert werden kann. Den Inhalt der Beratung will Zimmermann jedoch erst an der nächsten Einwohnerratssitzung verraten. Der SP-Einwohnerrat ist persönlich jedenfalls sehr angetan vom Projekt - selbst, wenn es die Stadt selber finanzieren müsste. Könnten die Räume vermietet werden, würden die Mehrkosten für die Stadt nämlich nur 200 000 Franken betragen.

Der Grünliberale Gerhard Schafroth begrüsst den geplanten Neubau grundsätzlich. Er dürfe die Stadt aber nichts kosten. Ähnlicher Meinung ist SVP-Fraktionspräsident Beat Gränicher.