FDP
Philippe Nantermod, Thierry Burkart, Susanne Vincenz-Stauffacher: Tritt jemand aus diesem Trio die Nachfolge von Petra Gössi an?

Nach dem Rücktritt von Petra Gössi kommt das Kandidatenkarussell in Fahrt. Die möglichen Kandidatinnen und Kandidaten geben sich aber noch bedeckt.

Kari Kälin
Drucken
Philippe Nantermod, Thierry Burkart und Susanne Vincenz-Stauffacher (von links) gelten als mögliche Kandidatinnen und Kandidaten für das FDP-Präsidium.

Philippe Nantermod, Thierry Burkart und Susanne Vincenz-Stauffacher (von links) gelten als mögliche Kandidatinnen und Kandidaten für das FDP-Präsidium.

Bilder: PD

In der «NZZ am Sonntag» kursierte am Abstimmungssonntag bereits der Name eines Wunschnachfolgers, präsentiert von anonymen parteiinternen Nörglern: Der Zürcher Nationalrat Andri Silberschmidt, 27-jährig und früher Präsident der Jungfreisinnigen, soll die FDP zurück auf die Erfolgsspur führen. Jetzt, einen Tag nach der Abstimmung und dem Nein zum CO2-Gesetz, hat Petra Gössi tatsächlich ihren Rücktritt bis spätestens Ende Jahr angekündigt – damit die neue Person das freisinnige Boot durch die Eidgenössischen Wahlen 2023 navigieren kann.

Möchte Andri Silberschmidt neuer FDP-Kapitän werden? «So kurz nachdem Petra Gössi ihren Rücktritt bekanntgegeben hat, möchte ich nicht über dieses Thema sprechen», sagte er am frühen Montagnachmittag. Am späteren Nachmittag teilte er dann auf Twitter mit, er ziehe nicht in Erwägung, für Gössis Nachfolge zu kandidieren. Er sei mitten im Aufbau seiner beruflichen Karriere und sehe sich in den nächsten Jahren als Milizpolitiker. Die anspruchsvolle Aufgabe komme für ihn einfach zu früh. Für immer und ewig sagt Silberschmidt aber nicht «Njet»: «Ich bin daran, wertvolle Erfahrungen zu sammeln, die mich vielleicht in einigen Jahren befähigen werden, ein solches Amt anzustreben.»

Zugeknöpft geben sich derweil andere Exponenten, die parteiintern als mögliche «Papabili» gehandelt werden. «Kein Kommentar», sagt der Aargauer Ständerat Thierry Burkart auf die Frage, ob für ihn das Amt ein Thema sei. Er sei überrascht über Gössis Demission und nehme sie zur Kenntnis.

Caroni: Ist das Präsidium vereinbar mit dem Familienleben?

Quasi als logische potenzielle Nachfolger gelten die beiden Vizepräsidenten: der Walliser Nationalrat Philippe Nantermod und Ständerat Andrea Caroni aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden. Nantermod sagt: «Es ist noch zu früh, um über die Nachfolge zu sprechen.» Bei Caroni tönt es ähnlich: «Ich möchte mich im Moment nicht zu dieser Frage äussern.» Caroni ist Vater von zwei Kindern im Alter von fünf und sieben Jahren. Klar ist: Ein Parteipräsidium ist definitiv kein Job, der sich gut mit dem Familienleben vereinbaren lässt.

FDP-Ständerat Andrea Caroni aus Appenzell-Ausserrhoden.

FDP-Ständerat Andrea Caroni aus Appenzell-Ausserrhoden.

Bild: Peter Klaunzer / Keystone

Als Gössi-Nachfolgerin gehandelt wird auch Susanne Vincenz-Stauffacher. Die St.Galler FDP-Nationalrätin ist Präsidentin der FDP Frauen und gilt vielen Fraktionskollegen als «valable Person». Für Aufsehen sorgte sie unlängst als Kopf der Volksinitiative für die Individualbesteuerung. Vincenz-Stauffacher sagt zumindest nicht Nein zur Frage, ob für sie das Parteipräsidium in Frage komme. Dazu müsste sie sich zuerst vertieftere und ganz grundsätzliche Gedanken machen. Sie betont aber auch: «Ich bin sehr gerne Präsidentin der FDP Frauen Schweiz. Wir haben verschiedene Projekte vor uns.»

Gibt es auch für die FDP ein Co-Präsidium?

Als Nachfolgerin wird auch Nationalrätin Jacqueline de Quattro gehandelt. Die frühere Waadtländer Regierungsrätin ist perfekt zweisprachig. Sie verlangt aber: Bevor das Präsidium neu besetzt werde, müsse die FDP eine interne Diskussion führen über die künftige Ausrichtung. Wenn das Resultat eine Abkehr von der aktuellen Politik wäre, so wäre sie nicht geeignet, sagt de Quattro. Vorstellbar wäre für sie auch, dass die FDP künftig von einem Co-Präsidium geführt wird. Denn das Amt sei für Milizpolitiker äusserst intensiv. «Und die Anforderungen sind anspruchsvoller geworden.»

Die Waadtländer Nationalrätin Jacqueline de Quattro.

Die Waadtländer Nationalrätin Jacqueline de Quattro.

Bild: Severin Bigler / SON

Die neue Person an der FDP-Spitze steht vor der Herausforderung, zu den unterschiedlichen Lagern im Freisinn einen Draht zu finden. Beim CO2-Gesetz, aber auch beim Rahmenabkommen öffneten sich ausgerechnet in wichtigen politischen Fragen parteiinterne Gräben. Erschwerend kommt hinzu: Die FDP hat bei den Eidgenössischen Wahlen seit 1979 mit einer Ausnahme stets an Wähleranteil eingebüsst. Auch der zweite Bundesratssitz wird immer stärker in Frage gestellt. Kurzum: Die neue Präsidentin oder der neue Präsident steht künftig an der Spitze einer Serienverliererin.

Jungfreisinn will Freiheit und Eigenverantwortung hochhalten

Matthias Müller ist Präsident des Jungfreisinns. Er mag keine Namen nennen, sagt aber: «Ich votiere für eine Person, die ein klar liberales Profil aufweist und die ewigen freisinnigen Werte, Freiheit und Eigenverantwortung, hochleben lässt.» Müller wünscht sich in der FDP wieder «mehr Feuer, mehr liberalen Widerstand». Seine Worte will er aber nicht als Kritik an Petra Gössi verstehen.

Auch Kaspar Michel, Schwyzer Regierungsrat und langjähriger Weggefährte, verteidigt Gössi. «Sie hat als Parteipräsidentin gute Arbeit geleistet. Sie war ein glaubwürdiges Gesicht für die FDP.» Michel ist überzeugt, dass Gössi ihren Rücktritt auch bei einem Ja zum CO2-Gesetz verkündet hätte. «Wenn sie im Hinblick auf die nächsten Eidgenössischen Wahlen ihr Amt abgeben will, ist es strategisch richtig, dies bei Hälfte der Legislatur zu tun.» Anders als Gössi lehnte Michel das CO2-Gesetz ab.

«Sexy und immer fröhlich sein»: die frühere FDP-Fraktionschefin Gabi Huber über die Anforderungen an einen Parteipräsidenten.

«Sexy und immer fröhlich sein»: die frühere FDP-Fraktionschefin Gabi Huber über die Anforderungen an einen Parteipräsidenten.

Bild: Lukas Lehmann/Keystone

Denkbar ist auch, dass freisinnige Exponenten nicht Schlange stehen werden für den Posten auf der Kommandobrücke. Gössi selber wurde im Frühling 2016 ohne Gegenkandidat ins Amt gewählt. Das Parteipräsidium ist ein Verschleissjob. Gabi Huber, die frühere Urner Nationalrätin und FDP-Fraktionschefin, brachte das Anforderungsprofil einst wie folgt auf den Punkt:

«Der ideale Parteipräsident muss so viele Fähigkeiten auf sich vereinen, die ein einzelner Mensch gar nicht besitzen kann. Er muss Sachkenntnis haben, bereit sein, die ganze Woche Tag und Nacht zur Verfügung zu stehen, aufs Privatleben verzichten, alle Landessprachen beherrschen, kommunikativ und am besten auch noch schön zum Anschauen, sexy und immer fröhlich sein.»

Aktuelle Nachrichten