Wahlkampf

FDP-Pelli: «Wir wollen Lösungen statt Polemik»

FDP-Präsident Fulvio Pelli erklärt, wie seine Partei bei den nationalen Wahlen einen Wähleranteil von 20 Prozent erreichen will. Gleichzeitig sagt Pelli, wie er die Bürokratie bekämpfen will.

Herr Pelli, von rechts tönt es «Schweizer wählen SVP», die CVP wirbt mit dem Slogan «Keine Schweiz ohne uns». Und jetzt stellt auch noch die FDP ihr Wahljahr unter das Motto «Aus Liebe zur Schweiz». Müssen wir uns auf einen öden Einheitsbrei im Wahlkampf gefasst machen?

Fulvio Pelli: Mit dem Slogan «Aus Liebe zur Schweiz» bringen wir unser Selbstverständnis zum Ausdruck. Aus Liebe zur Schweiz politisieren Tausende von Freisinnigen in Gemeinden, Kantonen und auch auf Bundesebene. Abgesehen davon: Konzept und Slogan haben wir unabhängig schon im Herbst entwickelt.

Wie die CVP wollen Sie in erster Linie mit positiven Botschaften punkten. Nur wirkt Ihre Kampagne etwas gar zahm und farblos. Wieso gibt sich die FDP nicht etwas angriffiger?

Pelli: «Rentenkollaps bekämpfen»: Das ist doch nicht zahm! Die Probleme in diesem Land sehen wir, gehen sie aber mit einer optimistischen Grundhaltung an. Ganz im Gegensatz zu den negativen Extremparteien. Wir glauben an den Fortschritt und wollen Lösungen statt Polemik und Missgunst.

Während die SVP die Ausländer ins Visier nimmt, kämpfen Sie gegen Bürokratie. So lassen sich doch keine Wahlen gewinnen.

Pelli: Die Bürokratie ist für viele Menschen sowie kleine und mittlere Unternehmen ein riesiges Problem. Sie verlangen hier eine starke FDP, die Lösungen bringt. Anders als die SVP, die eine Volksinitiative gegen Minarette mit Erfolg lanciert. Was aber danach passiert, interessiert dort niemanden mehr. Genau hier liegt die Stärke der FDP: Wir arbeiten auf konstruktive Lösungen hin, die wirklich etwas bringen. Mit unserer Kampagne wollen wir erreichen, dass uns die Wähler als das wahrnehmen, was wir sind.

Und das wäre?

Pelli: Die Schweiz ist im Vergleich zum Ausland sehr erfolgreich. Das führt aber dazu, dass wir unter zunehmenden Druck von allen Seiten geraten. Deshalb müssen wir unsere Interessen mit einer flexiblen und pragmatischen Haltung verteidigen. Die FDP tut dies. Gleichzeitig sind wir aber konfrontiert mit den Oppositionsparteien SVP und SP, die Allianzen eingehen, nur um die Politik zu blockieren. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der die wirklichen Probleme der Schweiz nicht auf die lange Bank geschoben werden dürften. Hier liegt der grosse Unterschied zwischen den Extremparteien und uns. Die Radikalisierung der SP ist völlig daneben. Sie will die Menschen schröpfen, die arbeiten und sparen. Und von der SVP würden wir erwarten, dass sie endlich zu unserem Partner wird, statt ständig nur davon zu reden und die bilateralen Verträge mit der EU anzugreifen. Damit wir sie aber zur Zusammenarbeit bewegen können, müssen wir stärker werden. Deshalb haben wir uns auch das Ziel von 20 Prozent Wähleranteil gesetzt.

CVP-Präsident Christophe Darbellay hat angekündigt, dass Bundesrätin Doris Leuthard als Wahllokomotive fungieren wird. Haben Sie mit Ihren beiden Regierungsvertretern dasselbe vor?

Pelli: Unsere Bundesräte werden sehr präsent sein. Sie haben uns versprochen, dass sie bei der Mobilisierung der Parteibasis mithelfen werden. Wir wollen Didier Burkhalter und Johann Schneider-Ammann so zeigen, wie sie sind: harte Arbeiter, die für Lösungen kämpfen und den Willen haben, diese auch umzusetzen. Wir werden unsere Bundesräte aber kaum auf Plakaten zeigen. Das wird nicht nötig sein.

Laut dem jüngsten SRG-Wahlbarometer sind Sie der glaubwürdigste Parteipräsident. Wird Ihre Person im Wahlkampf ebenfalls im Zentrum stehen?

Pelli: Als Präsident stehe ich automatisch im Zentrum. Wir setzen aber auch stark auf Regierungsräte und Vertreter, die auf kommunaler Ebene politisieren. Ich werde deshalb meine Rolle spielen, allerdings als Teil einer grossen Mannschaft.

Zumindest der FDP-Wahlkampffilm rückt Sie aber als velofahrenden Protagonisten schon sehr stark ins Zentrum.

Pelli: Im Film bin ich das Bindeglied zwischen allen anderen Protagonisten, die auf lokaler Ebene arbeiten.

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