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FC gewinnt gegen Gemeinderat

Die Gemeindeversammlung von Biel-Benken hat mit erdrückendem Mehr beschlossen, für den Fussballclub einen Kunstrasen bauen zu lassen.

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FC gewinnt gegen Gemeinderat

FC gewinnt gegen Gemeinderat

bz Basellandschaftliche Zeitung

Andreas Maurer

Biel-Benkens Gemeindepräsident Peter Burch kämpfte in der vollen Turnhalle auf verlorenem Posten. «Ein Kunstrasen würde den Finanzplan total durcheinander bringen», mahnte er und zählte die vielen Millionen Franken auf, welche die Gemeinde in den nächsten Jahren für Schulhaus, Sporthallen und Hochwasserschutz ausgeben wird.

Häufig, aber umstritten

Wohl nirgends in der Schweiz sind Kunstrasenfelder so dicht gesät wie im Baselbiet. Dies liegt nicht zuletzt am Kantonalen Sportanlagenkonzept (Kasak). Mit Kasak-Geldern hat der Kanton den Bau von Kunstrasenfeldern in den letzten Jahren mit mehreren Millionen Franken unterstützt. Mit dem Bau von Kunstrasenfeldern, die viel weniger wetteranfällig sind als konventionelle Rasenfelder, soll der Fussball-Boom aufgefangen werden können. Dennoch hat das künstliche Grün schon in manchem Baselbieter Dorf für rote Köpfe gesorgt: Unter anderem in Bubendorf und in Laufen wurden millionenschwere Kunstrasenprojekte bei Urnenabstimmungen zu Fall gebracht. Erst vor zweieinhalb Wochen hat die Gemeindeversammlung von Diegten einen Kredit von 1,5 Millionen Franken gesprochen - allerdings im zweiten Anlauf. Ein erstes Referendum gegen den Kunstrasen (mit anderem Kreditrahmen) war auch in Diegten erfolgreich. (HAJ)

Trotzdem verlangten Vertreter des Fussballclubs an der Gemeindeversammlung ein Kunstrasenfeld. Die beiden bestehenden Fussballplätze seien sechs bis sieben Monate pro Jahr gesperrt und würden für die 200 aktiven Mitglieder nicht ausreichen. «Wir müssen schon heute Jugendliche abweisen, weil wir zu wenig Platz haben», bedauerte Fussballer Stephan Wüthrich. Wegen einer zusätzlichen Million falle der Finanzplan nicht auseinander, sagte er. Im Gegensatz zum Gemeinderat sieht er die Finanzkrise nicht als Gegenargument: «Wir müssen die Wirtschaft ankurbeln.»

Weitere Abstimmung nötig

Peter Burch widersprach nicht und liess zügig abstimmen. Nur 32 Leute hoben mit ihm die Hand gegen den Kunstrasen. Die Befürworter waren so deutlich in der Mehrheit, dass nicht einmal nachgezählt wurde. Damit wurde aber erst der Antrag für erheblich erklärt. An der nächsten Gemeindeversammlung wird über das Projekt abgestimmt, das bis dann ausgearbeitet werden muss.

Der Kunstrasen wird rund 1,5 Millionen Franken kosten. Vom Kanton Baselland werden Subventionen von mindestens 300 000 Franken erwartet. Das Geld für den Kunstrasen soll nun bei anderen Ausgabeposten der Gemeinde wieder eingespart werden. Burch erwartet dazu die konstruktive Mitarbeit der Vereine.

Der Gemeindepräsident verlor sportlich und gratulierte den Fussballern. Die zweite Niederlage des Abends nahm er hingegen mit leicht belegter Stimme entgegen. Die IG Dorfvereine und die Schulleitung verlangten per Antrag, in die Baukommission für den Schulhausbau aufgenommen zu werden. Als Nutzer möchten sie das «Wohl der Kinder» vertreten. Burch wollte die Nutzer hingegen nur «bei den sie betreffenden Themen» einbeziehen. Er bat die Versammlung eindringlich, dem Gemeinderat das Vertrauen auszusprechen. Wiederum war er mit exakt 32 Stimmen chancenlos.