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Fast Food à la française: Neue Imbiss-Kette «Tacos Avenue» kommt in die Schweiz

Expansionshunger: Die französische Kette Tacos Avenue hat in der Schweiz grosse Pläne.

Expansionshunger: Die französische Kette Tacos Avenue hat in der Schweiz grosse Pläne.

Konkurrenz für McDonald's, Döner-Buden und Pizza-Verkäufer: Ein neuer Food-Trend erreicht die Schweiz - die French Tacos. Eine Kette plant nun die Expansion in Schweizer Städten - trotz einigen Fragezeichen.

Der Name ist fehlleitend. Denn wer im französischsprachigen Europa einen «Taco» kauft, erhält gewöhnlich keine mexikanische Mahlzeit, sondern einen «French Taco»: Eine Mischung zwischen Panini, Döner und Wrap. Das Fladenbrot, wie man es vom Kebab kennt, wird gefüllt mit Pommes Frites und einer Käsesauce als Basis – plus Zutaten nach Wahl: Pouletstückchen, Chicken Nuggets, Cordon-Bleus über Speck bis hin zu Oliven, Champignons und Käse wie Cheddar, Raclette oder Mozzarella. Das Ganze wird dann zusammengefaltet und getoastet. Eine Kalorienbombe par excellence. «The Guardian» nannte es kürzlich «eine Hymne auf Junk Food».

In Frankreich haben sich die Tacos längst etabliert und sind eine veritable Konkurrenz für McDonald’s und Co. geworden. Verschiedene Ketten expandieren rasant. Nun wagt die französische Firma «Tacos Avenue» den Markteintritt in die Schweiz. In Genf wurde vor wenigen Tagen die erste Filiale in der Nähe zum Bahnhof eröffnet. Und dabei soll es nicht bleiben. «Mittelfristig sehen wir ein Potenzial für rund zehn Filialen», sagen die beiden Franchise-Nehmer, Adem Bey aus Lausanne und Said Chikirou aus dem französischen Annemasse nahe Genf.

Filialen in Marokko und auf Mauritius

Zumindest in der Romandie kennt man das Gericht bereits. Viele Snack-Buden haben es in ihr Menü aufgenommen. Doch «Tacos Avenue» ist die erste ausländische Kette, die damit hierzulande expandieren möchte. Als nächstes ist eine zweite Filiale in Genf geplant, eine in Lausanne und in Zürich. «Wenn wir merken, dass wir Erfolg haben, schauen wir uns andere Städte wie Basel, Bern oder Luzern an», sagen die beiden Geschäftsführer.

Im Heimatmarkt betreibt die Kette des französischen Jungunternehmers Mohamed Soualhi inzwischen rund 30 Filialen, dazu kommen solche in Belgien, Marokko und auf Mauritius. Gestartet war «Tacos Avenue» 2007 in Montpellier.

Gastronomie-Experte Peter Herzog, der vor 20 Jahren Starbucks überzeugen konnte, in den Schweizer Markt einzusteigen, glaubt, dass «Tacos Avenue» Erfolg haben könnte. «Mit einem klaren Konzept und günstigen Preisen im Bereich von Kebabs und Pizzas stehen die Chancen nicht schlecht.»

«Fast Food ist nicht tot»

Doch besteht wirklich eine Nachfrage nach fettigem Fast Food? Schliesslich boomen gesündere und leichtere Alternativen wie Poke Bowls, Avocado Toasts oder Grünkohl-Salat, nicht zuletzt bei der fitnesshungrigen Instagram-Jugend? «Fast Food ist nicht tot», sagt Herzog. «Im Gegenteil, gerade auch bei der jüngeren Kundschaft gibt es nach wie vor ein grosses Bedürfnis danach.»

Tatsächlich ist «Tacos Avenue» nicht allein. In den vergangenen Jahren haben gleich mehrere Fast-Food-Ketten grosse Expansionspläne verkündet, wie die Burger-Restaurants «Holy Cow» aus Genf, oder «Five Guys» und «B. Good» aus den USA. Viele von ihnen bringen es bis heute nur auf vereinzelte Standorte. Zumindest die US-Sandwich-Kette Subway zählt inzwischen 56 Standorte und kommt damit Burger King mit rund 65 Filialen immer näher. «Dunkin‘ Donuts» hat 13. Zuletzt trat «Kentucky Fried Chicken» in den Markt ein. Die frittierten Poulet-Menüs gibt es an sieben Standorten.

Laut Peter Herzog würden viele Restaurants mit grossen Ambitionen in der Schweiz starten, insbesondere ausländische. «Aber oft fehlt die Marktkenntnis, und dazu gehört, dass die Mietpreise hierzulande nun mal sehr teuer sind und es schwierig ist, an gute Standorte zu gelangen, weil die Mietverträge langfristig angelegt sind.» Schliesslich habe es bei Starbucks 20 Jahre gedauert, um es auf 50 Standorte zu bringen. «Ursprünglich war es das Ziel, diese Zahl in zehn Jahren zu erreichen.»

Sinkende Mietpreise als Chance

Herzog sieht zwar einige Schwierigkeiten beim Namen von «Tacos Avenue», den man mit mexikanischem Essen verbinde, was in der Schweiz weniger bekannt sei. «Andererseits ist es etwas Neues, das bestimmt für Interesse sorgt.»

Doch was ist mit der Coronakrise, welche die hiesige Gastronomie an den Rand des Abgrunds gebracht hat? «Für einen Neueinsteiger kann das auch eine Chance sein, denn in den kommenden Monaten werden viele Flächen wegen Konkursen frei. Die Vermieter werden aus Respekt vor Leerständen die Mietpreise senken.» Erste Fälle könne man in der Branche bereits beobachten, wobei die grösseren Wellen erst noch kommen würden. Auch gäbe es dadurch mehr gute Arbeitskräfte auf dem Jobmarkt.

Bis zu 4200 Restaurants droht das Aus

Der Gastronomie-Experte sieht einen weiteren Vorteil für neue Ketten wie «Tacos Avenue». Zwar glaube er an die Zukunft gut geführter, bedienter Restaurants nach Corona, sagt Herzog. Aber: «Solange vielen Kunden wegen der Pandemie unwohl ist, sich in ein Restaurant zu setzen, können Fast-Food-Ketten mit ihrem Take-away-Angebot durchaus profitieren.» Schliesslich würden viele Angestellte nach wie vor im Homeoffice arbeiten und sich über Mittag oder abends verpflegen wollen.

Unklar ist, wie viele der rund 28000 Restaurants in der Schweiz die Corona-Krise und ihre wirtschaftlichen Folgen überleben werden. Vor einem Monat schätzte der Branchenverband Gastrosuisse, dass es bis zu 15 Prozent aller Betrieb treffen könnte. Das entspräche 4200 Lokalen.

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