Parteienknatsch
Fässler fährt Schneider-Ammann an den Karren

Der Knatsch zwischen SP und FDP geht in die nächste Runde. SP-Nationalrätin und Bundesratskandidatin Hildegard Fässler lästerte bei Giacobbo/Müller über die Kommissionsarbeit des neuen FDP-Bundesrats Johann Schneider-Ammann.

Jessica Pfister
Merken
Drucken
Teilen

SF

Die St. Galler SP-Nationalrätin Hildegard Fässler wäre selbst gerne Bundesrätin geworden. Ihre Partei hat die 59-jährige allerdings nicht offiziell nominiert. «Man wollte mich nicht, dafür geniesse ich jetzt mehr Freizeit.» Und diese nütze sie gestern Abend bei Giacobbo/Müller um zum verbalen Zweihänder gegen den neuen FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann zu greifen.

«Er hat nie etwas gesagt»

Auf Victor Giacobbos Frage, wie sie als ehemalige Chefin der Wirtschaftskommission (WAK) Schneider-Ammann als Kommissionsmitglied erlebt habe, sagte sie: «Ich kenne ihn nicht so gut, denn er hat nie etwas gesagt. Zudem war er oft nicht anwesend.»

Und auch was die Departementsverteilung im Bundesrat angeht, enervierte sich Fässler über das ehemalige Kommissionsmitglied. «Er hat sich immer als Gentleman aufgeführt, doch das erste Mal als es darauf ankam, kollegial zu sein, hat er die Ellbogen ausgefahren.»

Aber er sei doch die Lichtgestalt des Schweizer Unternehmertums, bemerkte Giaccobo. Das sei genau das Problem, monierte Fässler weiter. «An seiner Wahlfeier hat er gesagt, er vertrete die Wirtschaft. Ich habe immer gedacht, man vertrete als Bundesrat das ganze Land»

Doch vielleicht habe er zu stark auf Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer gehört, «auf einen erfolglosen freisinnigen Parteipräsidenten.»

«Völlig daneben»

Beim Publikum kamen die pointierten Worte der SP-Frau an. Gar nicht lustig, findet FDP-Nationalrat und WAK-Mitglied Philipp Müller die Aussagen von Fässler: «Dass sich Fässler als ehemalige Präsidentin der WAK in der Öffentlichkeit über Internas äussert, ist völlig daneben,» so der Aargauer Nationalrat.

Pirmin Bischof, CVP-Nationalrat und ebenfalls WAK-Miglied bestätigt Fässlers Aussagen: «Es stimmt, dass Schneider-Amman häufig nicht anwesend war und sich mit Wortmeldungen gerade zu heiklen Geschäften sehr zurückhielt.» Das sei aber nicht weiter schlimm. Denn wenn er mal seine Meinung geäussert habe, dann sehr glaubwürdig und kompetent. Für den Solothurner Politiker ist klar: «Besser jemand der wenig spricht, dafür im richtigen Moment, als eine Quasselstrippe.»