Medizin

Falscher Medikamenten-Cocktail für 42'000 Schweizer Patienten

30 bis 50 Prozent aller Behandlungsfehler passieren bei der Medikation

30 bis 50 Prozent aller Behandlungsfehler passieren bei der Medikation

Im Jahr 2010 haben 42'000 Schweizer Patientinnen und Patienten ein nicht empfohlenes Medikamenten-Cocktail erhalten. Dies geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie hervor.

Die Studie wurde im Auftrag der Vereinigung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) und des Krankenkassendachverbands santésuisse verfasst und sollte prüfen, ob Medikamenten-Abrechnungsdaten der Krankenkassen als Qualitätsindikatoren in der Gesundheitsversorgung definiert werden könnten.

Die Antwort ist Nein. Krankenversicherungsdaten sind zu wenig zuverlässig, um den verschreibenden Arzt zur Rechenschaft ziehen zu können. Dafür bräuchte es weitreichende und teure klinische Datenerhebung.

Daten aus dem Jahre 2010 analysiert

Dennoch brachte die epidemiologische Untersuchung der Krankenkassendaten aus dem Jahr 2010 interessante Befunde: Von über 3 Millionen Grundversicherten der Krankenkassen CSS, Helsana und Sanitas haben rund 42'000 Patienten und Patientinnen mindestens einmal eine Medikamentenkombination erhalten, die möglicherweise unerwünschte Folgen hatte, wie die Arbeitsgruppe Qualität FMH/santésuisse in der "Schweizerischen Ärztezeitung" schreibt.

Das sind 1,34 Prozent der untersuchten Kranken. Werden nur die über 70-Jährigen betrachtet, liegt der Anteil der Betroffenen bei den Frauen bei 3,78 und bei den Männern bei 4,4 Prozent. Von 20'720 Ärzten weisen 457, oder 2,2 Prozent, ein statistisch auffälliges Verschreibungsverhalten auf.

Manchmal gewollter Mix

Zwar lässt sich mit den Daten auf diese Ärzte schliessen, nicht aber auf die Qualität der Verschreibung, warnt die Arbeitsgruppe. Potenzielle Medikamenten-Interaktionen, wie die möglichen negativen Folgen der Medikamentencocktails genannt werden, könnten nach "sorgfältiger individueller Risiko-Nutzen-Abschätzung, Dosisanpassung oder intensiviertem Monitoring medizinisch durchaus gerechtfertigt und vertretbar sein".

Die Machbarkeitsstudie wurde vom Basel Institute for Clinical Epidemiology and Biostatistics (CEB) verfasst. In Auftrag gegeben wurde sie von der FMH und von santésuisse. Die beiden Organisationen erarbeiten gemeinsam Konzepte für die Sicherung und Kontrolle der Qualität der medizinischen Leistungserbringung.

Das Themengebiet Medikamenten-Interaktion erachtet die Arbeitsgruppe als wichtig, weil auch der Bund 2009 in seinem "Konkretisierungsvorschlag der Qualitätsstrategie" bei der Medikationssicherheit grossen und dringlichen Handlungsbedarf ortet. Der Grund: 30 bis 50 Prozent aller Behandlungsfehler passieren bei der Medikation.

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