Pilze
Fallen die Schontage schon bald?

Immer mehr Nachbarkantone geben das Pilzsammeln frei – Bern ortet Handlungsbedarf Jeweils vom 1. bis 7. jedes Monats gilt im Kanton Bern ein Sammelverbot für Pilze. In Absprache mit den Nachbarkantonen erteilte der Grosse Rat der Regierung den Auftrag, die Schontage abzuschaffen. Das tat diese Woche Solothurn im Alleingang.

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Solothurner Zeitung

Bruno Utz

Eine wissenschaftliche Studie zu den Pilzschontagen löste im Winter 2005/06 in zahlreichen Kantonsparlamenten Vorstösse aus. Die Politiker wollten auf grund wissenschaftlicher Erkenntnisse die Schontage abgeschafft haben. Der bernische Grosse Rat überwies im Juni 2006 mit klaren Mehrheiten gleich drei Postulate mit diesem Ziel. Die Vorstösser aus den verschiedensten politischen Reihen wollten dem Problem zuerst mit verbindlichen Motionen zu Leibe rücken, wandelten ihr Anliegen während der Session jedoch, weil der Regierungsrat versprochen hatte, er werde mit den Nachbarkantonen eine einheitliche Lösung suchen (wir berichteten).

Solothurn schafft Schontage ab

Bereits damals kannten die Nachbarkantone Aargau, Baselland, Jura, Waadt und Wallis keine Schontage. Obwalden, Luzern, Freiburg und Solothurn hingegen schon. Im Kanton Freiburg ist nun wieder eine Motion hängig. «Viele Gäste baten mich, etwas zur Abschaffung der Schontage zu unternehmen», sagt der SVP-Grossrat und Hotelier Roger Schuwey (Im Fang). Er sei zuversichtlich, dass das Freiburger Kantonsparlament spätestens im Herbst seinen Vorstoss überweist.

Weiter ist man im Kanton Solothurn: Vorgestern Mittwoch hiess der Kantonsrat einen Auftrag des Grenchners Walter Schürch (SP) gut. Wie Schuwey und seinerzeit die bernischen Grossräte stützte Schürch seine Forderung auf die WSL-Studie (vergleiche Up Date). Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler (FDP) versprach eine pragmatische Umsetzung. Will heissen: Wer sich ab sofort nicht an die politisch gestrichenen Schontage hält, wird mit Nachsicht behandelt.

In Obwalden und Luzern steht die Politik der Abschaffung skeptisch gegenüber. Laut Peter Kull vom luzernischen Amt für Natur und Landschaft hatten die Schontage auch in seinem Kanton «hohe Wellen geworfen». «Aber wir sahen keinen triftigen Grund, die Schontage abzuschaffen.» Das Verbot habe durchaus auch Vorteile. Kull verweist auf «riesige Mengen an Italienern, welche vor der Einführung der Schontage im Entlebuch die Pilze «zusammenramisiert» hätten. «Wir haben die Frage des Verbots nicht auf die leichte Schulter genommen, werden die Schontage aber nicht abschaffen.»

«Werde der Sache nachgehen»

Eine der bernischen Vorstösser und Vorstösserinnen, welche wider dem «Kantönligeist» eine interkanonale Regelung vorantreiben wollten, ist Marianne Staub (FDP/Thun): «Der von den Solothurnern im Alleingang gefasste Beschluss lässt nichts Gutes erahnen.» Sie vermutet, Bern habe seit Sommer 2006 wohl nichts unternommen. «Ich werde der Sache nachgehen», verspricht Staub.
«Jetzt besteht wohl Handlungsbedarf», sagt Urs Känzig, seit kurzem Naturschutzinspektor des Kantons Bern, und verweist auf Solothurn und Freiburg. Man habe vorher nicht vorpreschen wollen. Die Schontage hätten durchaus auch positive Effekte. Seien keine Pilzsammler in den Wäldern, profitierten die Wildtiere davon, sagt Känzig, der sich selber als «‹Pilzler›» aber auch als Naturfreund bezeichnet.

Bipper für Schweizer Lösung

Nicht nur eine interkantonalen, sondern sogar eine gesamtschweizerische Lösung würde Urs Müller begrüssen. Persönlich plädiert der Vizepräsident des Vereins für Pilzkunde Niederbipp dafür, die Schontage abzuschaffen. «Wenn ich am 8. Tag des Monats in den Wald gehe und die Pilze sehe, so habe ich häufig das Gefühl, ich hätte die beste Zeit verpasst.»

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