Seit einer Woche bewegt das Schicksal der Bubendörfer Familie Halili die halbe Schweiz. Jetzt sorgt die Bubendörfer Bürgerin Jeannette Meyer dafür, dass der detaillierte Ablauf der ominösen Bürgergemeindeversammlung, die vor drei Wochen für Aussenstehende völlig überraschend die Einbürgerung der Halilis ablehnte, endlich bekannt wird. Und das, was Meyer der bz an Fakten auftischt, wird von Bürgerratspräsident Roger Frey auf Nachfrage hin als richtig bestätigt.

So ist es also gelaufen: Nach einem völlig normalen Auftakt kommt Traktandum 3 mit zwei Einbürgerungsbegehren an die Reihe. Das Schweizer Ehepaar, das Bürger eines Nachbarorts ist und sich nun in ihrem Wohndorf einbürgern lassen will, und die Familie Halili stellen sich kurz vor und verlassen den Raum. Beim Schweizer Ehepaar läufts wie bisher praktisch immer bei Einbürgerungen in Bubendorf: Die anwesenden 56 Bürger nehmen das Paar in ein und derselben Abstimmung per Handzeichen in ihren Kreis auf. Als die Reihe an den Halilis ist, kommen aus den hinteren Reihen im vollen Saal die bereits bekannten Einwände gegen eine Einbürgerung: der Autoalarm an Halilis Wagen sei wiederholt abgegangen, die Halilis hätten im Dorf schon Trainerhosen getragen und nicht immer alle gegrüsst.

Prozedere lief aus dem Ruder

Jeannette Meyer, aber auch Gemeindepräsident Erwin Müller plädieren für die Aufnahme der unbescholtenen Familie. Wobei Meyer anmerkt: «Ich sass in der zweitvordersten Reihe. Als ich bei meinem Votum aufstand und der geballten Gegnerschaft hinter mir in die Augen blickte, wurde es mir schon etwas ‹gschmuech›.»

Nach kurzer Diskussion folgt der laut Bürgerratspräsident Frey erstmalige Antrag auf geheime Abstimmung, der das notwendige Ein-Viertel-Quorum problemlos erreicht. Frey verweist darauf, dass hinten im Saal schon alles für diesen Fall vorbereitet sei: Es liegen verschiedenfarbige Abstimmungszettel mit den aufgedruckten Namen von Buge, Hamdi und Sohn Meriton Halili bereit.

Gemäss Meyer ist das Prozedere dann «etwas aus dem Ruder gelaufen», weil der Einwand kam, dass man doch nur einen Zettel ausfüllen müsse, weil die Familie als Ganzes ein Gesuch gestellt hat. Die einen Bürger hätten in der Folge ihr Kreuz nur auf einem, andere auf allen drei Zetteln angebracht. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass sich Frey weigert, das genaue Abstimmungsresultat bekannt zu geben. Er bestätigt aber Meyers Aussage, dass auf dem Abstimmungszettel für den Sohn mehrheitlich das Ja, auf jenen von Buge und Hamdi Halili mehrheitlich das Nein angekreuzt worden sei. Wobei bei Buge Halili die Nein-Mehrheit offenbar nur um eine Stimme überwog.

Dass die Familie Halili aber nicht drei, sondern ein gemeinsames Einbürgerungsgesuch gestellt hat, geht auch aus dem offiziellen Kurzprotokoll der Bürgergemeinde hervor: «Die Familie Halili wurde von der Versammlung abgelehnt.» Man beachte die Wortwahl des Bürgerrats: Nicht das Gesuch, sondern die Familie wurde abgelehnt.

Schon allein das offensichtlich falsche Abstimmungsprozedere erhöht nun die Chancen einer allfälligen Beschwerde der Familie gegen ihr abgelehntes Einbürgerungsgesuch. Das dilettantische Vorgehen des Bürgerrats erstaunt doppelt: Er war nicht nur vorinformiert über den Antrag auf geheime Abstimmung, sondern in seiner Mitte sitzt mit Vizepräsident Markus Hauser auch ein kantonaler Chefbeamter, der die Abläufe eigentlich kennen sollte; Hauser leitet das Baselbieter Pass- und Patentbüro.

Die Familie Halili, die keine Sekunde an ihrer Einbürgerung gezweifelt hatte, entschwand nach dem für sie niederschmetternden Resultat sofort nach Hause. Die Bürger aber blieben noch zum Apéro, bei dem sich auch die Halili-Gegner an den von Buge Halili in ihrer Vorfreude gebackenen Kuchen mit Schweizer Kreuz drauf gütlich taten.