Fall Demjanjuk: Richter gibt Fehler zu und revidiert eigenes Urteil

Demjanjuk nach der Freilassung in Israel

Demjanjuk nach der Freilassung in Israel

Ein US-Gericht hat den Weg für die Auslieferung des früheren KZ-Wächters John Demjanjuk nach Deutschland frei gemacht. Ein Richter im US-Bundesstaat Virginia hob seinen drei Tage zuvor ergangenen Entscheid auf, das Verfahren zu Demjanjuks Auslieferung auszusetzen.

Der neue Richterspruch soll ab Mittwoch in Kraft treten. In der Entscheidung von US-Zuwanderungsrichter Wayne Iskra in Arlington heisst es, der am Freitag von ihm angeordnete Stopp der Auslieferung habe auf einem Fehler beruht.

Sein Gericht sei für diese Entscheidung nicht zuständig gewesen, die vorangegangenen Urteile zu Demjanjuks Auslieferung blieben gültig. Demjanjuks Antrag auf eine Neueröffnung des Verfahrens sei damit abgelehnt.

Eigentlich hätte der gebürtige Ukrainer, der seit den 1950er Jahren in den USA lebt, auf Grundlage eines Haftbefehls aus München bereits am Montag in der bayerischen Landeshauptstadt ankommen und dort in Haft genommen werden sollen. Dieser Zeitplan liess sich aber nicht einhalten, nachdem Iskra zunächst angeordnet hatte, die Auslieferung noch einmal zu überprüfen.

Der Richter hatte damit das Argument von Demjanjuks Verteidigern beleuchten wollen, denen zufolge die Auslieferung des 89-Jährigen gegen das völkerrechtlich geregelte Verbot von Folter und unmenschlicher Behandlung verstossen würde. Dies wäre nach Ansicht der Verteidiger wegen Demjanjuks Alter und seiner Gesundheit der Fall.

Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft Demjanjuk Beihilfe zum Mord in 29 000 Fällen vor. Er soll 1943 für ein halbes Jahr zu den Wachmannschaften des NS-Vernichtungslagers Sobibor im damals von Deutschland besetzten Polen gehört haben.

Meistgesehen

Artboard 1