Drohungen
Fall «Carlos»: Morddrohungen gegen Jugendanwalt Gürber

Der Jugendanwalt des Schlägers «Carlos», Hansueli Gürber, hat nach dem medialen Gewitter mit Provokationen aus der Bevölkerung zu kämpfen. Er erhielt sogar Morddrohungen. Dabei hält Gürber den Fall «Carlos» immer noch für eine Erfolgsgeschichte.

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Jugendanwalt Hansueli Gürber.

Jugendanwalt Hansueli Gürber.

Screenshot SRF

Nach dem medialen Kreuzfeuer wegen des Falles Carlos sieht sich der für die «Luxusbetreuung» verantwortliche Jugendanwalt Hansueli Gürber auch mit direkten Provokationen aus der Bevölkerung konfrontiert - selbst Morddrohungen hat er bereits erhalten. Die Polizei fährt deswegen regelmässig um sein Haus, der Kontrolle wegen und zum Schutz von Gürber.

Benjamin Tommer, Sprecher der Zürcher Justizdirektion, kann zu den Sicherheitsmassnahmen nichts sagen, bestätigt auf Anfrage der SonntagsZeitung aber: «Alle Beteiligten in dem Fall haben teilweise sehr emotionale Reaktionen erhalten.»

Die SonntagsZeitung hat in Gürbers Umfeld recherchiert - und erhielt den Eindruck eines tief frustrierten Mannes, an dem das wochenlange Kesseltreiben seine Spuren hinterlassen hat. Nächsten Sommer sollte er pensioniert werden, nun weiss er dem Vernehmen nach nicht, warum er nicht gleich aufhören soll. Zunächst aber nimmt er Ferien. Und er ist zu 50 Prozent krankgeschrieben: das Herz.

Gürber fühlt sich von den Medien ungerecht behandelt: Der Fall «Carlos» sei eine Erfolgsgeschichte, ist er überzeugt. Schliesslich habe man endlich geschafft, dass der 17-jährige Sohn eines Schweizers und einer Brasilianerin seit 14 Monaten deliktfrei lebe - nach über sieben delinquenten Jahren. «Dieser Weg hätte funktioniert», lautet das Fazit. Nur den Dokfilm mit dem Schweizer Fernsehen bereut er, dies sei ein Fehler gewesen.

 «Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.
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 Der Fall schlug hohe Wellen, weil der gewalttätige Jugendliche den Staat im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms für schwer erziehbare Jugendliche 29'200 Franken im Monat kostete.
 In diesem Kampfsport-Zentrum in Reinach genoss "Carlos" fast täglich Thaibox-Unterricht.
 Die erste Medienkonferenz zum Fall «Carlos» 2013. Justizdirektor Martin Graf (rechts) spricht sich gegen «Luxus und Nice-To-Haves» in einem Sondersetting aus. Er stuft die Kosten als zu hoch ein. 2014 wird das Sondersetting von «Carlos» angepasst. Statt monatlich 29'000 Franken sollen sich die Kosten neu auf 19'000 Franken belaufen.
 Gerichtszeichnung von Linda Graedel.
 Nur 21 Tage, nachdem «Carlos» aus dem Gefängnis entlassen wurde, sitzt er am 1. April 2016 wieder in U-Haft. Er hatte mit einem Faustschlag einen Mann aus einem Tram katapultiert.
 Das Bezirksgericht Zürich verurteilt «Carlos» im März 2017 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Gerichtszeichnung von Linda Graedel. Anschliessend an die Freiheitsstrafe beantragte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchungshaft.
Das Bundesgericht hat in einem am Donnerstag publizierten Urteil bestätigt, dass bei dem jungen Mann von Wiederholungsgefahr ausgegangen werden darf: "Carlos" wird nach Verbüssung der Freiheitsstrafe in Untersuchungshaft genommen.

«Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.

Keystone

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