Einfach ist es nicht. Jeder dritte Fahrschüler fällt durch die praktische Autoprüfung. 142 000 Personen sind letztes Jahr angetreten, den Führerschein zu machen, teilte die Vereinigung der Strassenverkehrsämter diese Woche mit. 49 000 haben zu viele Fehler gemacht – und sind damit noch nicht bereit für den Strassenverkehr. Die Versagensquote könnte sich aber bald ändern, denn mit welcher Erfahrung die angehenden Lenker künftig in die Prüfung gehen, entscheidet sich zurzeit hinter verschlossenen Türen.

Unter dem Namen «Opera 3» läuft im Bundesamt für Strassen (Astra) eine Überprüfung der ersten Ausbildungsphase, also bis zur Fahrprüfung. Dabei wird auch eine Idee diskutiert, die nicht nur jugendliche Lenker, sondern auch erfahrene Autofahrer betrifft: ein Kurs für Begleitpersonen von Lernfahrten. Egal ob Vater, Mutter, andere Verwandte oder Freunde. Alle müssten zuerst ein Zertifikat erwerben, bevor sie mit dem Fahrschüler auf die Strasse dürften.

Die Idee stammt vom Schweizer Fahrlehrerverband (SFV). «Begleitpersonen müssen durch einen Kurs auf ihre Aufgaben vorbereitet werden», sagt SFV-Präsident Raphael Huguenin. Eine solche Zertifizierung verhindere, dass beispielsweise die Tante, die vor 30 Jahren die Prüfung gemacht hat, etwas komplett anderes erzählt als die Fahrlehrer. Schliesslich müssten auch sie sich ständig weiterbilden, um auf dem Laufenden zu bleiben, sagt Huguenin.

Das sollte auch für die privaten Begleitpersonen gelten. Nicht nur die Verkehrsanforderungen, auch die technische Ausrüstung der Fahrzeuge seien heute ganz anders als früher. «Wir müssen sehr oft Dinge korrigieren, welche die angehenden Lenker durch das Fahren mit Laien falsch erlernt haben», sagt Huguenin.

Wie dieser Kurs aussehen soll, ist noch offen. Unterstützung erhalten die Fahrlehrer aber vom Touring-Club Schweiz (TCS). Eine Auffrischung in Theorie und Praxis sei sinnvoll, beispielsweise indem der Vater oder die Mutter an zwei Fahrstunden teilnehmen und sich vom Fahrlehrer auf den neusten Stand bringen lassen, sagt Jean-Marc Thévenaz, Leiter Verkehrssicherheit beim TCS. «Erst dann sollten sie als Begleiter zugelassen werden.»

Damit würde der Führerschein künftig noch teurer werden, was nicht nur Fahrschüler ärgert. «Zuletzt gab es mit dem Führerschein auf Probe einige teure Änderungen», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Bevor nun neue Kurse und Vorgaben gemacht würden, sollte man erst bewerten, ob sich diese Neuerungen gelohnt haben.

Auch der TCS warnt, obwohl er sich für den neuen Kurs starkmacht. «Der Führerschein muss bezahlbar bleiben», sagt Thévenaz. Schon heute sei eine Fahrstunde in der Schweiz mit teilweise über 100 Franken pro Stunde doppelt so teuer wie im Ausland.

Für die Fahrlehrer, welche die neuen Pflichtkurse anbieten würden, ist es keine Frage des Geldes, wie sie betonen. Unter Umständen könne es mehr kosten, die durch Laien vermittelten falschen Angewohnheiten wieder zu korrigieren, weil dann weitere Stunden nötig würden, sagt SFV-Präsident Huguenin.

Das öffentliche Anhörungsverfahren für «Opera 3» ist für Ende Jahr vorgesehen. Dass die Anforderungen an die Laienbegleitung verschärft werden, gilt wegen der breiten Lobbyarbeit aber als wahrscheinlich. Die Fahrlehrer haben auch schon einen Alternativvorschlag zum Pflichtkurs parat: Junglenker sollen zuerst eine obligatorische Anzahl Stunden mit dem Fahrlehrer absolvieren, bevor begleitetes Fahren erlaubt wird. Den Fahrlehrern schweben 16 Stunden vor.

Innerhalb des Projekts «Opera 3» sind weitere Neuerungen möglich. Der Bundesrat hat bereits zu einzelnen Punkten Stellung bezogen, wie dem Lernfahrausweis ab 16 Jahren. Jugendliche unter 18 Jahren könnten somit bald auch in der Schweiz Auto fahren dürfen, allerdings nur in Begleitung. Der Bundesrat zeigt sich offen, das Mindestalter nach unten anzupassen, wie es unsere Nachbarländer bereits getan haben.

In Ländern mit vorgezogener Fahrausbildung seien die Erfahrungen positiv, hält der Bundesrat fest. Die zusätzliche Fahrerfahrung führt demnach zu einer höheren Verkehrssicherheit. Ideal wäre es laut Bundesrat, wenn ein Junglenker bereits 2500 bis 3000 Kilometer gefahren ist, bevor er das «Billett» macht.