Anti-Stau-Kreisel am Grenzübergang Koblenz
Fachleute greifen sich an den Kopf

Ist der vorgesehene Standort für einen Anti-Stau-Kreisel am Grenzübergang Koblenz optimal? Eine zweite Fahrspur unmittelbar nach dem Brückenkopf Süd und ein Kreisel rund 200 Meter westwärts sollen die prekären Stausituationen am Grenzübergang Koblenz entschärfen.

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Aargauer Zeitung

Rosmarie Mehlin

Täglich quälen sich rund 11 000 Fahrzeuge durch den Flaschenhals der zweispurigen Rheinbrücke zwischen Waldshut und Koblenz. Bereits vor Jahren war zur Verbesserung der Situation entschieden worden, die Zollabfertigung für den Schwerverkehr ins Lonza-Areal - auf deutscher Seite 2 bis 3 Kilometer Rhein aufwärts - zu verlagern. Ursprünglich war die Realisierung dieser Massnahme auf dieses Jahr geplant; vor Jahresfrist dann hatte es geheissen, dieses Verzollungszentrum soll 2010 in Betrieb gehen, die neuste Meldung nun lautet auf 2011.

Da sich auf der am Lonza-Areal vorbeiführenden Bundesstrasse B34, der Hauptverbindung zwischen Waldshut und Tiengen, täglich 25 000 Fahrzeuge bewegen, sind die mit Ampeln versehenen Abzweiger von und zur Zollbrücke ein Nadelöhr, das grosszügig erweitert werden muss, soll das neue Verzollungszentrum effektiv grossräumige Wirkung auf den Stau rund um die Grenzübergänge zeitigen.

«Rückstaus sind vorprogrammiert»

«Weil Deutschland diese Probleme zuerst lösen muss, können wir unsererseits mit dem Ausbau frühestens im Frühling 2011 beginnen», hält Stefano Donatiello vom Aargauer Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) fest. Er leitet das Projekt, mit dem auf Schweizer Seite ein zügigerer Verkehrsfluss gewährleistet werden soll. Laut diesem soll am Brückenkopf das Linksabbiegen, also in Richtung Koblenz-Dorf und Bad Zurzach, verboten. Zugleich soll eine zweite Fahrspur in Richtung Westen geschaffen werden. «Das dazu erforderliche Land gehört dem Bund. Der Kanton wird es aber erwerben, um das gesamte Projekt als Einheit realisieren zu können», so Donatiello.

Herzstück dieser Einheit soll ein Kreisel bilden, über den die Verkehrsteilnehmer, deren Ziel östlich vom Grenzübergang liegt, in die Fahrtrichtung Bad Zurzach gelangen. Eine Machbarkeitsstudie hat diese Lösung empfohlen. Der Standort des Kreisels allerdings gab und gibt viel zu reden. Das BVU hat sich für den Standort zwischen reformierter Kirche und ehemaligem Kiosk entschieden. «Das sind nur rund 200 Meter vom Grenzübergang entfernt. Damit sind Rückstaus vorprogrammiert», betont Zollinspektor und Grossrat Kurt Wyss.

Die Vertreter sämtlicher grosser Speditionsfirmen gingen mit ihm darin völlig einig: «Ich habe BVU-Vorsteher Peter C. Beyeler mehrfach darauf angesprochen, dass nur ein Kreisel 500 Meter weiter westlich, beim Einmünder von Felsenau, seinen Zweck wirklich erfüllen könnte und somit sinnvoll wäre.» Auch Hans-Rudolf Vogel, stellvertretender Kommandant des Grenzwachtkorps, ist dieser Überzeugung: «Der Entscheid liegt klar beim Kanton Aargau und geht mich im Prinzip nichts an. Aber ich bedauere sehr, dass nicht die ganz klar bessere Lösung gewählt wird.» Erstaunt, ja amüsiert zeigt sich Vogel von der Absicht, den Kreisel zusätzlich mit Ampeln zu versehen: «Wer soll denn da bevorzugt werden?» Das Rotlicht, erklärt Projektleiter Donatiello, komme laut Planung bei Stausituationen zum Einsatz und werde gekoppelt sein mit Ampeln auf der deutschen Seite.

«Umweg wäre purer Unsinn»

Vorbehalte gegenüber dem geplanten Kreiselstandort hat auch Ruth Zumsteg, die Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Koblenz: «Wir werden nichts ändern können, auch wenn ein Stück unseres Landes enteignet wird. Aber unabhängig davon, wäre die Lösung weiter westlich doch grundsätzlich wirklich die bessere.» Dieser Ansicht ist allerdings die Koblenzer Frau Gemeindeammann Heidi Wanner ganz und gar nicht: «Ich bin mit dem gewählten Standort für den Kreisel sehr zufrieden.

Damit werden auch die Raiffeisenbank und die Post problemlos erreichbar. Zudem wäre es doch reiner Unsinn, wenn alle Fahrzeuge mit Fahrziel Rhein aufwärts einen Umweg von insgesamt fast einen Kilometer zusätzlich fahren müssten.» In Zusammenhang mit den diversen Grenzübergangs-Projekten plädiert Wanner aber auch für die Anbindung Tiengens an den öffentlichen Verkehr mit der Schweiz.