Facebook-Tabu für Stadtangestellte

Nicht nur bei UBS, CS und den SBB, sondern auch bei den Limmattaler Stadtverwaltungen ist die Internetseite Facebook gesperrt. Kleinere Gemeinden setzen auf soziale Kontrolle.

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Limmattaler Zeitung

Sidonia Küpfer

«Wir haben Facebook schon vor einigen Monaten sperren lassen», sagt der Schlieremer Stadtschreiber Daniel Widmer. Die anonymisierte Analyse der Internetnutzung habe gezeigt, dass Facebook zu einem der Spitzenreiter punkto Klicks wurde. Die Massnahme sei aber nicht auf negative Vorkommnisse zurückzuführen, sondern habe präventiven Charakter: «Die Sperrung steht unter dem Motto ‹Wehret den Anfängen›», so Widmer. Zudem sei der Internetanschluss der Stadt Schlieren voll ausgelastet und vertrage keine unnötigen Zusatzbelastungen. Für Widmer gehört Facebook eindeutig in den privaten Bereich. Bislang seien ihm keine Klagen der Angestellten zu Ohren gekommen, das Verbot stosse offenbar auf Akzeptanz.

Facebook

Auf der Internetplattform Facebook können Bekanntschaften geknüpft und gepflegt werden. Registrierte Benutzer verfügen über eine Profilseite, auf der sie sich präsentieren und von der aus sie Nachrichten verschicken oder chatten können. Facebook wurde 2004 an der Harvard University von Mark Zuckerberg entwickelt. Diese Woche meldete die Nachrichtenagentur AP, Facebook habe die Schwelle von 200 Millionen registrierten Nutzern überschritten. (ske)

Der Facebook-Manie konnten die Mitarbeitenden der Stadt Dietikon währenddessen gar nie verfallen: Die Seite war von Anfang an gesperrt. Die Firewall der Stadt unterbinde Klicks auf Websites, die in keinem geschäftlichen Zusammenhang stehen, wie aus der Verwaltung zu erfahren war. Die gelegentliche, private Nutzung des Internets sei erlaubt, solange sie die Arbeit nicht störe. Es sei Sache der jeweiligen Vorgesetzten dieses Thema mit ihren Mitarbeitern zu besprechen. Exzessive Internetnutzung werde von der Informatikabteilung aufgedeckt, teilte die Verwaltung mit.

Private Emailnutzung ein Thema

In kleineren Verwaltungen scheint die gegenseitige Kontrolle aufgrund der übersichtlichen Verhältnisse besser zu funktionieren. So sei die Sperrung von Facebook auf den Rechnern der Urdorfer Gemeindeverwaltung bislang kein Thema gewesen, wie dort zu erfahren war. Auch in Geroldswil ist die Seite bislang nicht gesperrt. Gemeindeschreiber Beat Meier gibt aber an, dass die Internet- und E-Mail-Nutzung intern immer wieder mal zum Thema werde. Bis jetzt überwiege aber das Vertrauen in die Mitarbeitenden und so seien bislang auch keine Auswertungen über die Internetnutzung vorgenommen worden.

An vielen Arbeitsplätzen ist privater Internetkonsum mit Mass erlaubt. Doch wie viel ist «massvoll»? Mit dieser Frage befassen sich demnächst auch die Stadtzürcher Behörden. Der «Tages-Anzeiger» berichtete, dass die 24 000 Angestellten der Stadtverwaltung wöchentlich rund eine halbe Million Mal auf Facebook zugriffen. Von «mässigem privaten Internet-Gebrauch» während der Arbeit könne da nicht mehr die Rede sein, befand Daniel Heinzmann, Direktor der städtischen Abteilung Organisation und Informatik. Deshalb wird die Stadtverwaltung in Kürze über die Sperrung von Facebook diskutieren, wie aus dem Finanzdepartement zu erfahren war.

Dreht der Wind für Facebook?

Aber schadet der private Internetkonsum während der Arbeitszeit wirklich? Anfang April liess die University of Melbourne Zweifel darüber aufkommen und verkündete, dass Angestellte, die während der Arbeit Internetseiten besuchten, die nichts mit ihrer Arbeit zu tun haben, produktiver seien als solche, die darauf verzichten. Der Anteil des Internetsurfens dürfe allerdings 20 Prozent der Arbeitszeit nicht übersteigen. Ob sich diese Daumenregel als Definition für einen «mässigen Umgang» auch hierzulande einpendeln wird, darf allerdings bezweifelt werden.