Luftwaffe
F/A-18-Kampfflugzeug in Obwalden abgestürzt

Bei Alpnach OW ist ein F/A-18-Kampfflugzeug der Schweizer Armee abgestürzt. Die Maschine ist gegen die Felswand beim Lopper geprallt. Bahn- und Strassenverkehr in der Region mussten unterbrochen werden.

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In Obwalden bei Alpnachstad ist eine Maschine der Schweizer Armee abgestürzt. Es handelt sich um einen Kampfjet vom Typ F/A-18. Noch ist unklar, ob der Pilot den Unfall überlebt hat oder allenfalls weitere Personen zu Schaden gekommen sind.

Peter Minder, Sprecher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), bestätigt das Unglück.

Die F/A-18 in der Schweiz

Das Kampfflugzeug des Typs F/A-18 Hornet steht in der Schweiz seit 1997 im Einsatz. Mit der Beschaffung des Abfangjägers sollten die Lücken in der Luftverteidigung geschlossen werden. Die Schweiz bestellte beim Hersteller McDonnell Douglas, der inzwischen zu Boeing gehört, 34 der im Golfkrieg "erprobten" F/A-18. Der Preis: Rund 3,5 Milliarden Franken. Zuvor versuchte die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) allerdings, den Kauf zu unterbinden. Für ihre Initiative "Für eine Schweiz ohne neue Kampfflugzeuge" sammelte die GSoA innerhalb eines Monats die Rekordzahl von einer halben Million Unterschriften. An der Urne sprachen sich dann aber nur 42,8 Prozent gegen den Kampfjet-Kauf aus.

1996 verliessen die ersten "Hornets" die Montagehallen in Emmen LU. Noch bevor die letzte F/A-18 in der Luft war, musste die Luftwaffe den Verlust von zwei Menschenleben und einer Maschine verdauen. Bei Crans-sur-Sierre im Wallis krachte im April 1998 ein Jet ungebremst in den Boden, beide Insassen sterben. Bei der anschliessenden Unfalluntersuchung wurden keine technischen Mängel festgestellt. Der Bericht nannte vielmehr eine räumliche Desorientierung des Piloten als wahrscheinliche Absturzursache. Dazu hätten eine zu aggressive Flugsteuerung und fehlende Übersicht über die Instrumente beigetragen. Seit dem Unfall umfasste die F/A-Flotte noch 33 Maschinen. 26 Maschinen sind Einsitzer, 7 Jets verfügten über zwei Sitze. Einer dieser Zweisitzer ist nun bei Alpnachstad OW abgestürzt. Damit stehen der Schweizer Luftwaffe noch 32 F/A-18-Flugzeuge zur Verfügung.

Bahnstrecke unterbrochen

Sie habe zwei nebeneinander fliegende Jets gesehen, berichtet eine Hörerin gegenüber Radio Pilatus. «Dann gab es einen riesigen Feuerball und nur noch Rauchschwaden.» Kurz darauf waren am Absturzort zahlreiche Feuerwehr- und Ambulanzfahrzeuge zu sehen. Auf der Strasse lag ein Triebwerk, berichtet ein anderer Augenzeuge dem «Blick».

Der abgestürzte F/A-18-Jet der Schweizer Luftwaffe ist offenbar in die Flanke des Lopper geflogen und dann zerschellt. Der Berg trennt Hergiswil NW von Alpnachstad OW. Die Absturzstelle liegt wenig oberhalb des Alpnachersees (Vierwaldstättersee) ganz knapp noch auf Obwaldner Kantonsgebiet.

Der Lopper ist dicht bewaldet. Durch ihn führen Autobahn- und Eisenbahntunnels. Am Ufer führt neben der Bahnlinie auch die Kantonsstrasse vorbei. Sowohl die Bahnstrecke zwischen Hergiswil als auch die Strasse sind unterbrochen.

Schlechtes Wetter im Absturzgebiet

Die Maschine war in Meiringen BE gestartet, wie das VBS auf seine Website schreibt. Im Absturzgebiet herrschte laut MeteoSchweiz um die Mittagszeit schlechtes Wetter. Als der Kampfjet abstürzte, dürfte es bei starker Bewölkung leicht geregnet haben.

"Das Wetter hat sich nach dem Mittag in der Region eher verschlechtert", sagte Meteorologe Thomas Jordi auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Wolkendecke sei gesunken. Um 14 Uhr lag sie bei 800 bis 900 Meter über Grund.

Auf dem Flugplatz Alpnach sei der Wind schwach gewesen. In höher gelegenen Gebieten wie dem Pilatus seien aber Windböen von bis zu 50 Stundenkilometern registriert worden, sagte Jordi weiter.

Am 23. Oktober stürzte bei Alpnach eine F/A-18 der Schweizer Luftwaffe ab. Der Pilot und ein Passagier wurden getötet.
15 Bilder
In Alpnach sind die Rettungskräfte im Einsatz
In Alpnach sind die Rettungskräfte im Einsatz
Löscharbeiten vor Ort
Die Rega am Absturzort
Auf dem Vierwaldstättersee wurde ein Ölsperre errichtet
Auf dem Vierwaldstättersee wurde ein Ölsperre errichtet
Ein Armeehelikopter in der Luft
Rauch am Absturzort
Die F/A-18 an der Flugshow auf der Axalp (Archiv)
1998 stürzte eine F/A-18 bei Crans Montana ab (Archiv)
Die F/A-18 im Einsatz (Archiv)
Die F/A-18 im Einsatz (Archiv)
Die F/A-18 im Einsatz
Die F/A-18 im Einsatz

Am 23. Oktober stürzte bei Alpnach eine F/A-18 der Schweizer Luftwaffe ab. Der Pilot und ein Passagier wurden getötet.

Keystone

Zweiter Absturz in der Schweiz

Am 7. April 1998 ist schon einmal eine F/A-18-Maschine abgestürzt. Damals kamen in Crans-Montana VS zwei Personen ums Leben.

Beim abgestürzten Jet handelt es sich um eine F/A-18 Typ D mit zwei Sitzen, von denen die Schweiz 7 Stück besitzt. Daneben gehören 26 Einsitzer (Typ C) zur Flugstaffel

Das VBS hat für heute 17 Uhr eine Medienkonferenz angekündigt. (fam/sda/cze)