Exklusives Wohnen im Gefängnis

Nach Ansicht einiger Zeitgenossen wird im Knast zwar zu exklusiv «gewohnt». In Brugg geht es aber um etwas anderes. Teile des geschlossenen Bezirksgefängnisses im Rathaus sollen künftig fürs Wohnen genutzt werden. Die Ortsbürger entscheiden nun über einen Kredit für den Umbau ihres Rathauses.

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Rathaus Brugg

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Aargauer Zeitung

Louis Probst

«Seit der Schliessung des Bezirksgefängnisses stehen Teile des Rathauses und des Schwarzen Turmes leer», stellt der Stadtrat in seinem Kreditantrag an die Ortsbürger fest. Das soll sich jetzt ändern. Immer vorausgesetzt, dass die Ortsbürgergemeindeversammlung am 8. Dezember dem Antrag des Stadtrates folgt und für den Umbau des Rathauses zur teilweisen Wohnnutzung knapp 1,17 Millionen Franken lockermacht.

Wohnen statt Café oder Velohotel

Bereits vor zwei Jahren hatte der Stadtrat das Büro Walker Architekten AG (Brugg) mit der Ausarbeitung einer Nutzungsstudie beauftragt. Dabei waren drei Konzepte vorgelegt worden: nämlich für eine Wohnnutzung durch den Einbau von zwei Wohnungen im zweiten Obergeschoss; für eine öffentliche Nutzung mit Cafeteria sowie für ein Velohotel als Ergänzung zur Jugendherberge.

Von Cafeteria und Velohotel wurde dann aber Abstand genommen. «Hingegen hat eine Marktanalyse gezeigt, dass für grossflächige und gut ausgebaute 21⁄2-Zimmer-Wohnungen an exklusiver Lage gute Vermietungschancen bestehen», erklärt der Stadtrat.

Auf dieser Grundlage genehmigte die Ortsbürgergemeindeversammlung im Sommer des vergangenen Jahres denn auch einen Projektierungskredit. Inzwischen liegt ein bewilligungsfähiges Bauprojekt mit einem Kostenvoranschlag vor. «Um das Projekt zeitgerecht realisieren zu können», so der Stadtrat, «läuft das Baugesuchsverfahren parallel zum Kreditgenehmigungsverfahren.»

Zwei gut ausgestattete Wohnungen

Wie in der Botschaft an die Ortsbürgergemeindeversammlung ausgeführt wird, sieht das Projekt vor, den Rathaussaal und die Büros des Forstamtes unverändert weiter zu nutzen. «Im Erdgeschoss wird ein Mehrzweckraum hergerichtet, der für Ausstellungen und als Treffpunkt für Führungen in den Schwarzen Turm genutzt werden könnte. Die beiden gut ausgestatteten Wohnungen mit je rund 80 Quadratmeter Wohnfläche entstehen im zweiten Obergeschoss. Im Dachgeschoss werden die aus den Fünfzigerjahren stammenden Zellen entfernt. Auf den Ausbau des Dachgeschosses dagegen soll verzichtet werden, weil er extrem aufwändig wäre.»

Die Anlagekosten werden mit 1 169 330 Franken angegeben. Gestützt auf eine Empfehlung, geht der Stadtrat von monatlichen Mietzinsen von je 1450 Franken für die beiden Wohnungen aus. In einer Wirtschaftlichkeitsberechnung kommt er zum Schluss, dass die jährlichen Mieterlöse die anzurechnenden Umbaukosten von 559 000 Franken decken. Die Differenz zwischen den anzurechnenden Umbaukosten und den Anlagekosten ergibt sich dadurch, dass nicht die gesamten Anlagekosten auf die Wohnungen überwälzt werden können. In den Anlagekosten sind nämlich Aufwendungen enthalten, die sich aus dem aufgestauten Sanierungsbedarf ergeben. Möglicherweise kommt die Ortsbürgergemeinde Brugg zudem in den Genuss eines kantonalen Beitrages. Jedenfalls betont der Stadtrat: «Die Denkmalpflege wird laufend über den Projektstand informiert und bei Bedarf zugezogen. Ein Gesuch um einen kantonalen Beitrag wird zu gegebener Zeit eingereicht.»

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