Asylpolitik
Ex-SVP-Nationalrat: Asylsuchende sollen ins Pfarrhaus

Alt SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer, der auch schon mal als «Talib der SVP» bezeichnet wird, fordert die Kirche auf, Menschenliebe vorzuleben und nicht nur zu predigen. Sein Vorschlag: Asylsuchende sollen in Pfarrhäusern unterkommen.

Anna Wanner und Sermîn Faki
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Asylsuchende in einem Aufnahmezentrum: Der Nationalrat verschärft das Asylgesetz (Symbolbild)

Asylsuchende in einem Aufnahmezentrum: Der Nationalrat verschärft das Asylgesetz (Symbolbild)

Keystone

Mit etwas Verspätung mischt sich auch Ulrich Schlüer, in die Asyldebatte ein. Der bereits zum zweiten Mal abgewählte alt Nationalrat nutzt seine Zeitung «Schweizerzeit» und schiesst im aktuellen Wochenkommentar «Spalte rechts» nicht nur gegen Justizministerin Simonetta Sommaruga, die er als «arrogant» und «unfähig» bezeichnet. Schlüer nimmt sich auch die «Pfarrherrschaften» zur Brust. Dies, nachdem die Kirchen die zuvor vom Nationalrat beschlossene Verschärfung des Asylrechts kritisierten.

Schlüer fordert die Kirchen auf, nicht bloss zu predigen, sondern die Menschenliebe, die sie bürgerlichen Politikern absprechen, praktisch vorzuleben. «Öffnet endlich die Pfarrhäuser!», verlangt er konkret. Die Kirche verfüge über viele leerstehende Gebäude, auch sonst sei genug Platz vorhanden, etwa in der Abtwohnung in Einsiedeln – eine Anspielung auf Abt Martin Werlen, der sich dezidiert zur Asylpolitik geäussert hat.

«Entbehrt der realen Grundlage»

Bei der katholischen Kirche findet man, dass Schlüer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Die Pfarrhäuser stünden nicht etwa leer, sondern würden rege genutzt, sagt Walter Müller, Sprecher der Schweizer Bischofskonferenz. Die abnehmende Zahl an Priestern lasse zwar vermuten, dass weniger Häuser benötigt würden. Laut Müller werden leerstehende Pfarrhäuser aber an Familien vermietet oder von der Gemeinde und der Seelsorge genutzt. «Die Idee von Ulrich Schlüer entbehrt also der realen Grundlage», so Müller.

Schlüers Vorwurf, dass die Kirche nichts unternehme, kontert Müller ebenso. Die Kirche engagiere sich in vielen wohltätigen Bereichen, etwa via Caritas oder Seelsorge. Damit ziele auch Schlüers Vorwurf daneben, dass die «klagenden Geistlichen in ihren geräumigen Häusern» die Wirklichkeit nicht kennen. Schlüer hält gleichwohl an seiner Meinung fest. Die Kritik an der Asylgesetzrevision sei «pure Heuchelei».