Verkehr

Ex-SBB-Chef Weibel warnt vor Bahnausbau – für Fabi-Gegner viel zu spät

Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel warnt vor ausufernden Investitionen in die Infrastruktur - für Fabi-Gegner Walter Wobmann zu spät.

Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel warnt vor ausufernden Investitionen in die Infrastruktur - für Fabi-Gegner Walter Wobmann zu spät.

«Investitionen gefährden unser Bahnsystem», sagt der ehemalige SBB-Chef Benedikt Weibel. Statt mit Infrastrukturausbau solle mit «weichen Massnahmen» die Kapazität erhöht werden. Solche Sätze hätten Ausbau-Gegner gerne vor der Fabi-Abstimmung gehört

Es klemmt bei den Schweizerischen Bundesbahnen: In Stosszeiten findet sich kaum mehr ein Platz in den Zügen zwischen Zürich und Bern. Man ist sich einig: Diese Engpässe sollen beseitigt werden. Mammut-Projekte sind in der Projektierungsphase, wie beispielsweise der drei Milliarden teuere Honeret-Tunnel zwischen Zürich-Altstetten und Aarau-Ost. 

Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel kritisiert im Interview mit der «Nordwestschweiz» allzu grossformatige Infrastruktur-Investitionen. Das Schweizer Bahnsystem sei genug ausgebaut. Er glaubt, dass die teuren Strecken, erst einmal gebaut, zum Fass ohne Boden werden. Das Problem seien «extrem hohe Folgekosten».

Wenn dann später weniger Geld vorhanden sei, würden die Randregionen «zusammengespart», befürchtet Weibel.

Wobmann: «Schade hat das Weibel nicht schon früher gesagt»

Walter Wobmann, SVP-Nationalrat aus Gretzenbach SO, kämpfte als Präsident des Komitee gegen die Fabi-Initiative an vorderster Front gegen die Finanzierung und den Ausbau der Bahninfrastruktur. Er nimmt Weibels Aussagen mit einem Schmunzeln zur Kenntnis – «obwohl das Ganze eigentlich nicht zum Lachen ist».

Dass die Folgekosten von zustätzlichen Infrastruktur-Investitionen zu hoch seien, sei exakt die Argumentation der Fabi-Gegner gewesen, so Wobmann. Dass Weibel nun an die Öffentlichkeit trete, sei reichlich spät. Weibel gilt – wenn auch als zurückhaltender – Fabi-Befürworter.

Das Stimmvolk sprach sich im Februar mit 62 Prozent Ja-Anteil für die Vorlage zum Unterhalt und Ausbau der Bahninfrastruktur aus.

Giezendanner: «Sage ich schon seit 10 Jahren»

Ähnlich tönt es bei Wobmanns Ratskollegen und Transportunternehmer Ulrich Giezendanner: «Ich kritisiere schon seit zehn Jahren, dass gebaut wird, ohne die Folgekosten zu berücksichtigen.» Auch der SVP-Nationalrat aus Rothrist findet es schade, dass sich Weibel nicht schon vor der Fabi-Abstimmung dahingehend äusserte.

Der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri, ein Fabi-Befürworter der ersten Stunde, steht weiterhin zur Bahn-Ausbau-Vorlage. Aber auch er findet, man müsse bei grossen Würfen vorsichtig sein: «Eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Bern und Zürich ist sicher unrealistisch.»

Eine solche fordern die Mitglieder des Komitees «Bahn2000Plus». «Mit Fabi hat das Volk und Parlament dem Ausbau der Bahninfrastruktur klar zugestimmt», sagt Jürg Perrelet, ehemaliger Sektionschef Bahn 2000 im Bundesamt für Verkehr (BAV) und Mitglied von «Bahn 2000 plus». Die Experten-Gruppierung will dem Kapazitätsausbau bei der Bahn beratend zur Seite stehen.

In der schnellsten Variante der angedachten Mittellandlinie würde man bequem in 28 Minuten von der Hauptstadt nach Zürich reisen. 

«Wenn man sich die Zunahme der Bevölkerung vor Augen führt, dann kommt man nicht um substantielle Erweiterungen der Infrastruktur herum», so Perrelet.

Früher oder später zur Arbeit wegen SBB-Engpass?

Statt grossen Infrastruktrinvestitionen schlägt Benedikt Weibel vor, mit Steuerungsmassnahmen Abhilfe zu schaffen. So sollen die Passagiere besser auf die Züge verteilt werden. Berufspendler könnten einen früheren oder späteren Zug nehmen und so das allmorgendliche Gedränge meiden. Freizeitreisende mit finanziellen Anreizen dazu gebracht werden, in Randzeiten den Zug zu besteigen.

Nationalrat Kurt Fluri stimmt solchen Massnahmen zu. Die Voraussetzung dafür aber sei, dass die Arbeitgeber mitspielten und sich flexibel zeigten in Sachen Arbeitsbeginn.

Auch Wobmann hat Sympathien für die Vorschläge. Noch einfacher aber wäre es seiner Ansicht nach, mehr doppelstöckige Züge einzusetzen und den Fahrplan zu optimieren.

Auch Perrelet begrüsst Anstrengungen zur Optimierung der Netzauslastung. Gemäss einer alten SBB-Maxime müsse alles versucht werden, bevor neue Infrastruktur erstellt werde, so Perrelet. Da gäbe es sicher noch Potenzial. Wenn aber alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien, so führe kein anderer Weg am Infrastruktur-Ausbau vorbei.

Die SBB wollte die Aussagen ihres früheren Chefs nicht kommentieren. 

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