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EVP Schweiz will dritten Nationalratssitz

Auch nach hundert Jahren noch eine Kleinpartei, aber nach eigenen Angaben weiterhin "erfrischend": Die EVP feiert Geburtstag und schaut gleichzeitig auf die kommenden Wahlen.

Auch nach hundert Jahren noch eine Kleinpartei, aber nach eigenen Angaben weiterhin "erfrischend": Die EVP feiert Geburtstag und schaut gleichzeitig auf die kommenden Wahlen.

Die EVP war 1919 inmitten politischer Polarisierung gegründet worden. Hundert Jahre später ist sie überzeugt, dass der Gründungsgedanke als verbindende Kraft weiterhin genauso nötig ist. Im diesjährigen Wahlkampf zielt sie auf einen dritten Nationalratssitz.

Arbeitnehmer gegen Arbeitgeber, eine gespaltene Gesellschaft und soziale Unruhen: Was vor 100 Jahren die Gesellschaft herausforderte, ist auch heute teilweise noch aktuell. Die Evangelische Volkspartei (EVP), welche just zu jener Zeit gegründet worden war, "um auf Basis christlicher Werte mitzuhelfen, die schwere Polarisierung in Politik und Gesellschaft zu überwinden", sieht auch heute in den politischen Polen eine Blockade für "wichtige Reformprojekte".

Die Werte ihrer Partei brauche es daher heute "dringender denn je", sagte Parteipräsidentin Marianne Streiff-Feller gemäss Mitteilung am Dienstag einer Medienkonferenz zum Auftakt des Jubiläums- und des Wahljahres. Breite Bevölkerungskreise würden sich wieder nach Werten sehnen. Damals wie heute versteht sich die EVP als Brückenbauerin - Glaubwürdigkeit, Wertschätzung, Gerechtigkeit, Solidarität und Nachhaltigkeit seien die Werte der EVP.

Einen dritten Sitz gewinnen

Die Partei hat derzeit im Nationalrat zwei Sitze, welche von der Parteipräsidentin (Kanton Bern) und von Niklaus-Samuel Gugger (Kanton Zürich) besetzt sind. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, in mindestens einem weiteren Kanton einen Sitz dazuzugewinnen.

Zudem will sie einen Wähleranteil von mehr als zwei Prozent erreichen. Seit den 1970er-Jahren lag dieser gemäss dem historischen Lexikon der Schweiz gesamtschweizerisch bei durchschnittlich zwei Prozent - mit einem Ausreisser im Jahr 2004, als er bei 2,4 Prozent lag.

Gemäss eigenen Aussagen tritt die EVP die Wahlen im Herbst mit Kandidierenden aus voraussichtlich 16 Kantonen an. Auch die Junge EVP wird bei den Wahlen antreten und will in mindestens vier Kantonen eigene Wahllisten einreichen. In diesem Jahr beteiligt sich die EVP erstmals an den Grossratswahlen im Kanton Tessin.

Menschenhandel und Wirtschaft

Für das Wahljahr hat sich die Partei den Kampf gegen Menschenhandel, eine ethische Marktwirtschaft, Religionsfrieden und eine nachhaltige Generationenpolitik auf die Fahne geschrieben.

"Menschenhandel muss in der Schweiz als brutales Verbrechen gegen die Menschenwürde konsequent geahndet werden", lässt sich Lilian Studer, Grossrätin im Kanton Aargau und Nationalratskandidatin, in der Mitteilung zitieren. Der Bund müsse den Kantonen mehr Ressourcen zur Verfügung stellen, damit diese die Strafverfolgung von Tätern verstärken könnten.

Für eine ethische Marktwirtschaft brauche es Leitplanken für ein faires, nachhaltiges und integratives Geschäften der grossen Unternehmen, meint etwa der Zürcher Nationalrat und Ständeratskandidat Niklaus-Samuel Gugger. Der Staat sei in der Pflicht, "Unternehmen zu motivieren und langfristige Anreize zu schaffen", damit diese ältere und sozial schwächere Menschen integrieren und gleichzeitig neue Märkte erschliessen können.

Roland Frauchiger, Grossrat im Kanton Aargau und Ständeratskandidat, meint zudem, dass den KMU keine unnötigen Auflagen gemacht werden dürften. Die Verwaltungen müssten Hand bieten für "schlanke und unbürokratische Prozesse".

Vielfalt der Religionen als Herausforderung

Die EVP bleibt zudem 100 Jahre nach der Gründung ihrem Kernthema, der Religion, treu. Das Ausüben von Religionsfreiheit bedinge Respekt. Dieser dürfe nicht dazu missbraucht werden, "kulturell-identitäre Ghettos" in der Gesellschaft zu fördern. Dieser Ansicht ist etwa Vizepräsident François Bachmann, der für den Kanton Waadt in den Nationalrat will.

In der Vielfalt der Religionen und Kulturen sieht die Partei eine Herausforderung. Auf diese will sie mit einer Charta der Religionen reagieren, welche dieses Jahr veröffentlicht wird. Diese basiere "auf dem Respekt vor dem anderen, auf Menschenwürde, der Transparenz der Strukturen und der Gewissensfreiheit".

Mehr Palliative Care statt Sterbehilfe

Als viertes Thema widmet sich die Partie der Generationenfrage. Eine Generationenpolitik, welche allen vier Generationen würdige, gerechte und nachhaltige Bedingungen ermöglichten, sei dringend nötig, meint etwa Elisabeth Augsburger, Nationalratskandidatin der EVP Baselland. Die EVP fordert zudem, dass die Palliative Care flächendeckend ausgebaut wird, um der Suizidbeihilfe eine "würdevolle Alternative" beizustellen.

Anlässlich der 100. ordentlichen Delegiertenversammlung führt die EVP am 9. März die Jubiläumsfeier auf dem Gurten in Bern durch. Als Gäste werden unter anderen Bundesrat Ignazio Cassis, Kirchenratspräsident Gottfried Locher, Erwin Tanner, der Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz, sowie der CVP-Fraktionspräsident und Tessiner Ständerat Filippo Lombardi erwartet.

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