Interview

Eveline Widmer-Schlumpf: «Die heutige SVP war nie meine politische Heimat»

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf

BDP-Politikerin Eveline Widmer-Schlumpf wurde am Mittwoch für eine weitere Legislatur in den Bundesrat gewählt. Ganz zum Missfallen der SVP. Im Interview spricht die Bundesrätin über das Verhalten der SVP am Wahltag.

Frau Bundesrätin, verstehen Sie den Frust der SVP, die trotz zwei wählbaren Kandidaten keinen zweiten Sitz im Bundesrat bekommen hat – wegen Ihnen?

Eveline Widmer-Schlumpf: Man kann immer den anderen die Schuld in die Schuhe schieben. In diesem Fall hat die SVP die Bundesratswahlen nicht sehr glücklich angepackt. Vor allem kann man mit anderen Parteien nicht so umgehen, wie die SVP das in der Vergangenheit getan hat.

Sie wurden von der SVP in den letzten vier Jahren oft angefeindet. Wie haben Sie das erlebt?

Es gab in den letzten vier Jahren immer wieder schwierige Momente und Situationen, besonders für meine Kinder. Ich bekam auch Drohungen. Das war nicht immer einfach zu ertragen. Aber ich habe auch gute Freunde und Kollegen und konnte immer wieder auf Unterstützung in der Bevölkerung zählen. Das hat letztlich überwogen.

Auch am Mittwoch spielten sich unschöne Szenen ab. Im Berner SVP-Lokal hielt jemand ein Bild von Ihnen hoch und schrie «Judas». Wie sehr geht Ihnen das unter die Haut?

Das lässt mich nicht unberührt. Solches Verhalten ist nicht schweizerisch, nicht demokratisch und es untergräbt unsere Institutionen. Dass es genau von jenen gepflegt wird, die immer behaupten, sie ständen für unser System ein, halte ich für bedenklich.

Auch SVP-Parlamentarier haben gestern kein Blatt vor den Mund genommen. Wie ertragen Sie diese Anfeindungen, die immerhin aus der alten politischen Heimat kommen?

Zuerst: Die heutige SVP ist nie meine politische Heimat gewesen. Und zu gestern: Es gab sehr unschöne verbale Attacken von Parlamentariern. Doch es gab auch SVPler, die gesagt haben, diese ganze Geschichte tue ihnen leid und sie seien durchaus bereit zusammenzuarbeiten. Es ist wichtig, dass man auch das zur Kenntnis nimmt: Was wir heute von der SVP hören, ist nur ein Teil der Partei. Es gibt auch andere. Ich hoffe wirklich sehr, dass sich diese Kräfte in Zukunft mehr Gehör verschaffen können.

Halten Sie das für wahrscheinlich?

Die SVP muss sich überlegen, was es bedeutet, sich in ein System einzubringen, das nur funktioniert, wenn man sich hin und wieder auch auf Kompromisse einlässt.

Die SVP will aber noch mehr Opposition betreiben, wie sie angekündigt hat.

Realistisch betrachtet war das auch in den letzten vier Jahren immer wieder der Fall.

Sie meinen also nicht, dass die SVP da noch Luft nach oben hat?

Ich fände es ein Zeichen der Stärke, wenn die SVP jetzt signalisieren würde, dass sie bereit ist, konstruktiv mitzuarbeiten.

Wirkt sich das Zerwürfnis mit der SVP auf die Zusammenarbeit im Bundesrat aus?

Im Bundesrat arbeiten wir gut zusammen. Es gibt in der Sache harte Auseinandersetzungen, aber die Kollegialität stimmt.

Dass Bundesrat Ueli Maurer am Mittwoch das Bundeshaus nach ihrer Wiederwahl verlassen hat, spricht eher für ein angespanntes Verhältnis.

Im Kollegium arbeiten wir sehr gut zusammen.

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