Der Satellit "Sentinel-1A", Teil des Erdüberwachungsprogramms "Copernicus", hob an Bord einer Sojus-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana ab. Der Start wurde live von der Arianespace-Gesellschaft im Internet übertragen.

Der rund 2,2 Tonnen schwere "Sentinel" (englisch für: "Wächter") verfügt über ein besonderes Radar-Instrument. Mit ihm soll er bei jedem Wetter aus einer Höhe von rund 700 Kilometern rund um die Uhr Veränderungen der Erdoberfläche erfassen und grosse Bild- und Datenmengen liefern - ob über das Klima oder für Hilfe bei Katastropheneinsätzen.

Die Erde im Visier: Erster Sentinel-Satellit gestartet

Die Erde im Visier: Erster Sentinel-Satellit gestartet

Kontinuierliche Erfassung

Ziel des Copernicus-Projekts ist, den aktuellen Zustand des blauen Planeten kontinuierlich zu erfassen und Fernerkundungsdaten über Ozeane, Landflächen, Atmosphäre und Klimawandel zu sammeln. Diese Daten sollen dann Behörden, Unternehmen und Bürgern zur Verfügung gestellt werden.

"'Sentinel' kann innerhalb von fünf bis sechs Tagen jeden Ort auf der Erde sehr gut entdecken", sagte der ESA-Direktor für Erdbeobachtungsprogramme, Volker Liebig. Die Erde ist also in weniger als einer Woche komplett erfasst. "Der Satellit kann mit seinem Radar zum Beispiel sehr gut sehen, wenn Schiffe ihr Öl ins Meer kippen oder wenn ein Öl-Unfall passiert ist."

In den nächsten Jahren sollen weitere Satelliten folgen, jeder ist auf sieben Jahre ausgelegt. Die Serie soll mindestens zwei Jahrzehnte lang wichtige Erdbeobachtungsdaten sammeln. Für 2015 ist der Start des baugleichen Radarsatelliten "Sentinel-1B" geplant.

Grosse Hoffnungen in die Technologie

Erdbeobachtung per Satelliten gibt es bereits. Die Europäer sehen in der neuen Satelliten-Flotte aber einen Wendepunkt. ESA-Flugleiter Frank-Jürgen Diekmann spricht angesichts der technischen Leistung sogar von "einem Quantensprung".

Der Airbus Defence and Space-Manager Eckard Settelmeyer wertet die "Sentinel"-Reihe als eine neue Leistungsklasse: "Mit ihr kann die Erde in viel kürzerer Zeit komplett erfasst werden. So etwas hat weltweit sonst niemand."

Der Satellit hat auch Schweizer Technologie an Bord, unter anderem lieferten Schweizer Firmen wichtige Bau- und Elektronikteile und Schweizer Forschungsinstitute sind daran beteiligt, Algorithmen zu entwickeln, mit deren Hilfe die "Sentinel"-Daten analysiert und genutzt werden können. Die Schweiz ist ESA-Gründungsmitglied und war von Beginn weg an der Mission beteiligt.