Eurofighter könnte teurer werden

Weil Grossbritannien den Kauf von Eurofightern stornieren könnte, wird der mögliche Tiger-Ersatz für die Schweiz eventuell teurer. Die Beschaffung der Jets kommt ins Schlingern.

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Eurofighter im Test (Archiv)

Eurofighter im Test (Archiv)

Keystone

Benno Tuchschmid

Dem Eurofighter drohen schwere Turbulenzen. Die englische Labour-Regierung prüft, ob sie ihre vertraglich bereits zugesicherte Bestellung von 88 Jets stornieren soll. Das berichtete die Zeitung «Financial Times». Der Grund: Englands Staatskassen sind wegen der Wirtschaftskrise leer. Storniert England seine Flieger, droht der dritten Produktionstranche des Kampfjets und damit dem Eurofighter-Projekt das Aus, wie ein Sprecher der Eurofighter GmbH diese Woche gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» sagte.

Neben Grossbritannien sind auch Italien, Deutschland und Spanien an der Entwicklung des Kampfjets beteiligt, der bei den Luftwaffen dieser Länder schon heute im Einsatz ist. Die dritte Produktionstranche soll den Eurofighter auf den neusten Stand der Technik bringen. Dabei geht es um insgesamt 236 Flieger. Steigen die Briten aus, müssten sie eine hohe Konventionalstrafe bezahlen - bis zu 3,4 Milliarden Franken.

Ein Ausstieg ist auch in England umstritten. Auf der Insel hängen mehrere 10 000 Arbeitsplätze von der Jet-Produktion ab. Zudem übt besonders Deutschland grossen Druck auf die Briten aus, sich zum Eurofighter zu bekennen. Ein Entscheid von Premierminister Gordon Brown wird heute erwartet. Klar ist: Ein Kauf ist für England mit riesigen Folgekosten verbunden, denn die Anschaffungskosten machen nur einen Drittel des Gesamtpreises aus. Zwei Drittel der Kosten verursachen Wartung und Reparaturen. Und Ex-Finanzminister Gordon Brown gilt nicht als Fan von hohen Militärausgaben.

«Die Briten haben bei einem Totalausstieg aus der dritten Tranche weniger zu verlieren», sagt Peter Baltes, Militärökonom an der Militärakademie der ETH, gegenüber der MZ. «Für aktuelle Einsätze reichen die vorhandenen Typen aus. Für künftige Aufgaben ist die amerikanische F-35, an deren Entwicklung die Briten beteiligt sind, flexibler ausgelegt», sagt Baltes weiter. Auch ohne dritte Eurofighter-Tranche bekommen sie mit dem F-35 so oder so einen topmodernen Jet.

Die Folgen für die Schweiz

Die Entscheidung Grossbritanniens hat für die Schweiz schwerwiegende Folgen. Storniert Gordon Browns Regierung die Bestellung ihres Anteils an der dritten Tranche Eurofighter, dann verbessert sich zwar die Verhandlungsposition gegenüber den Herstellern, weil diese umso mehr auf die Bestellung der Schweiz angewiesen wären. Doch das ist dann auch der einzige Vorteil. Denn die Wartungs- und Weiterentwicklungskosten würden für alle Abnehmer höher - auch für die Schweiz. Denn je weniger Flugzeuge produziert werden, desto teurer wird der einzelne Jet. Dazu kommt: «Die Waffensysteme haben eine Lebensdauer von ungefähr 40 Jahren. Kommt die dritte Tranche nicht zustande, sinkt die Anpassungsfähigkeit der Jets. Die Schweiz würde eine stagnierende Technologie kaufen», sagt Baltes.

Die Schweiz sucht ein Kampfflugzeug für die Zukunft, während die Kampfjethersteller nach ihrer eigenen Zukunft suchen. Eine schlechte Konstellation, findet SP-Nationalrätin Evi Allemann, Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission: «Es ist ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, um ein solch teures Rüstungsgeschäft abzuwickeln, wenn man nicht weiss, wie es mit den Hersteller-Firmen weitergeht.».

Der Nationalrat der Grünen, Jo Lang, Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) sagt: «Es stellt sich die Frage, wie zuverlässig dieses Projekt noch ist.» Die Frage der Zuverlässigkeit stellt sich nicht nur beim Eurofighter, auch die Mitkonkurrenten für den Tiger-Ersatz, Saab Grippen und Dassault Rafale, haben Makel (siehe unten). Auch für FDP-Nationalrat Peter Malama sind die Signale aus England «ungut». Doch der Sicherheitspolitiker steht im Gegensatz zu Allemann und Lang «vorbehaltlos hinter dem Tiger-Teilersatz». Gleicher Meinung ist SVP-Nationalrat Roland Borer. Die mögliche Stornierung der Briten ist für ihn «purer Populismus von Gordon Brown». Und der sei so oder so nicht mehr lange im Amt.

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