Digitalisierung

ETH Zürich will mit Weiterbildungs-Offensive Unternehmen fit gegen Cyberattacken machen

Die ETH Zürich möchte noch enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten.

Die ETH Zürich möchte noch enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten.

Die Hochschule gründet eine neue Schule und bietet Kurse für Arbeitnehmer und Firmen an. Für die Industrie geht es um Millionen.

Lino Guzzella bemühte die grossen Linien: «Wir versuchen, dem Land zu dienen», sagte der Präsident der ETH Zürich am Freitag vor den Medien, als er die Weiterbildungs-Offensive der Elite-Hochschule ankündigte. «Wir bringen Wissen von überall her in die Schweiz.» Ein Hauch Weltverbesserung (genauer: Schweizverbesserung) lag in der Luft. Darum geht es der ETH: In einer sich wandelnden Gesellschaft und Berufswelt sei die Weiterbildung ein Schlüssel zum Erfolg. Das gelte für jeden Einzelnen aber auch für die Gemeinschaft. Deshalb gründet die ETH nun eine neue Schule, die «School for Continuing Education». Sie beinhaltet das bereits bestehende Angebot. Zudem sind 20 neue Weiterbildungsprogramme in Planung.

Durch die Digitalisierung würden künftig gewisse Berufe wegfallen und gleichzeitig neue entstehen, sagte Guzzella. Zwar werde der Mensch niemals wegrationalisiert, allerdings müssten sich alle Bereiche auf die Digitalisierung einstellen. Dabei will die ETH den Firmen und Arbeitnehmern helfen. Ein Augenmerk liegt dabei auf der Cybersecurity. Staatliche Institutionen und Unternehmen seien gleichermassen von Cyberattacken bedroht, hiess es an der Medienkonferenz. Deshalb habe die ETH unter Hochdruck zwei Weiterbildungsprogramme entwickelt, die im Herbst starten.

Doch das neue Angebot geht weit über solche Einzelbereiche hinaus. Die Programme beinhalten Architektur, Mobilität, Management, Medizinphysik oder internationale Politik. Interessierte können aus kleineren Kursen bis zu hin zu einem Masterprogramm die Form der Weiterbildung wählen. Bislang nehmen jährlich 800 Personen an den Programmen teil. Die Zahl dürfte mit dem neuen Angebot weiter steigen. Die Kosten belaufen sich je nach Dauer auf bis zu 1800 Franken. «Wir wollen damit keinen Gewinn erzielen», sagte Guzzella. Ziel sei eine schwarze Null. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein abgeschlossenes Masterstudium, in manchen Fällen reicht aber auch ein Bachelor.

Die beste Idee macht Millionen

Als Vertreter der Wirtschaft nahm Hans Hess, Präsident des Industrieverbands Swissmem, an der Medienkonferenz teil: «Wir müssen die Branchen auf die digitale Reise mitnehmen», doppelte er nach. Schon länger warnt Hess von den Folgen der Digitalisierung, die eine Zweitausbildung erfordere. Er sieht aber auch Chancen: «Die Karten werden neu gemischt. Wer in diesem Rennen die besten Ideen und Modelle entwickelt, kann Millionen verdienen.» Hess ermuntert deshalb Unternehmen, in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren. Dafür sei die ETH der ideale Partner.

Auch die ETH hob die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft hervor. Rektorin Sarah Springmann, zuständig für die Lehre, glaubt an einen Know-how-Transfer. «Wir sind offen für Anregungen aus der Praxis, um das Angebot laufend auszubauen.» Die ETH gebe allen Arbeitnehmern, die einen Kurs besuchten einen «Raketenstart» in die weitere Laufbahn, sagte sie und schmunzelte.

Damit aus dem Weiterbildungsprogramm der ETH tatsächlich ein Hauch Schweizverbesserung herausspringt.

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