Schweiz

ETH-Studie zeigt: Wer eingebürgert wird, verdient über 5000 Franken mehr pro Jahr

Das Schweizer Bürgerrecht führt zu einem höheren Lohn.

Das Schweizer Bürgerrecht führt zu einem höheren Lohn.

Die Einbürgerung wirkt sich laut einer ETH-Studie direkt auf das Portemonnaie aus. Besonders stark vom Schweizer Pass profitieren Leute mit tiefen Löhnen und Zugewanderte aus der Türkei und Ex-Jugoslawien.

Der Schweizer Pass ist bares Geld wert. Dass die Einbürgerung auch zu einem höheren Lohn führen kann, ist für andere Länder schon länger bekannt, nun ist der Effekt auch für die Schweiz belegt. Eingebürgerte erhalten in 15 Jahren im Schnitt rund 5000 Franken mehr Lohn pro Jahr als Ausländer, deren Einbürgerung abgelehnt wurden. Das sind über die ganze Zeitspanne total über 75'000 Franken.

«Die Grösse des Effekts hat uns überrascht», sagte Dominik Hangartner auf Anfrage von CH Media. Der ETH-Professor für Politikanalyse hat die Studie durchgeführt. Es bedeute, dass der Eingebürgerte beträchtliche 13,5 Prozent mehr Lohn erhalte als der Abgelehnte. «Die Schweizer Staatsangehörigkeit scheint die Diskriminierung von Migranten im Arbeitsmarkt abzumildern.»

Urnenabstimmungen untersucht

Für die Studie untersuchten die ETH-Forscher die Einbürgerungsgesuche von 46 Deutschschweizer Gemeinden, die bis 2003 in geheimer Urnenabstimmung über die Einbürgerung von Ausländern entschieden. Ein Bundesgerichtsentscheid setze 2003 solchen Abstimmungen ein Ende.

Vor dem Einbürgerungsentscheid gab es keine Unterschiede zwischen der Gruppe der Eingebürgerten und der Gruppe der Abgelehnten. Nach dem Entscheid legten die Löhne der Eingebürgerten jedoch deutlich zu – am stärksten fünf bis zehn Jahre nach dem Entscheid. Bei den Abgelehnten stagnierte das Einkommen aber und sank mittelfristig sogar.

Einbürgerung ist Ursache

Die Forscher sind sich sicher, dass der höhere Lohn kausal, also direkt, auf die Einbürgerung zurückzuführen ist. Zu diesem Schluss kommen sie aufgrund ihre Forschungsanlage: Sie betrachteten nur Einbürgerungsgesuche, die knapp angenommen oder abgelehnt wurden.

Deutliche Entscheide für oder gegen eine Einbürgerung wurden dagegen nicht berücksichtigt. Damit wurde sichergestellt, dass besonders gut oder schlecht Integrierte, bei denen eine besonders günstige respektive schlechte Lohnentwicklung erwartet würde, das Ergebnis nicht verzerren.

Besonders stark wirkt sich eine Einbürgerung auf die Löhne von Menschen aus der Türkei und Ex-Jugoslawiens aus. Das hat auch mit der Zeit zu tun, welche die Studie betrachtet: Vor 2003 wurden viele Kurden und Kosovaren eingebürgert, die in den 1980-er und 1990-er Jahren als Flüchtlinge in der Schweiz Schutz suchten.

Frühe Einbürgerung, mehr Einkommen

Ziel der Studie war es unter anderem, die Auswirkung einer Einbürgerung auf die Integration zu prüfen. Aufgrund des Ergebnisses streicht Hangartner die Vorteile einer möglichst frühen Einbürgerung heraus. «Je früher sich jemand nach Erfüllung der Wohnsitzfrist einbürgern lässt, desto grösser sind die Effekte auf das Lebenseinkommen», sagte er.

Einen Schritt in diese Richtung macht die Stadt Zürich. Dort werden Ausländerinnen und Ausländer, welche lange genug in der Schweiz leben, per Brief zur Einbürgerung motiviert. Prompt stiegen die Gesuchszahlen. Dieses Projekt wollen die ETH-Forscher denn auch in einem nächsten Projekt genauer untersuchen.

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