Gieri Cavelty

Der Juso-Präsident wird mit einem Glanzresultat in den Einwohnerrat der Stadt Baden gewählt. Doch seine SP erlebt im selben Baden eine Niederlage.
Cédric Wermuth: Die SP kämpft mit den Nachwehen der Parlamentswahlen von 2007. Noch immer verliert sie an die Grünliberalen und die Grünen. Sie tritt im Kanton oftmals aber auch zu intellektuell und abgehoben auf. Demgegenüber findet der direktere und provozierendere Politstil der Juso offensichtlich Anklang.

Warum färben sich Ihre Bekanntheit und Ihr Erfolg nicht auf die Partei ab?
Wermuth: Ich werde als Juso-Präsident gesondert wahrgenommen. Es ist aber ganz grundsätzlich ein Problem der SP, dass einzelne Exponenten sehr gute Resultate erzielen, ohne dass die Partei daraus Kapital schlagen kann. Im Kanton Bern etwa liess sich dieses Phänomen bei den Wahlen der letzten Jahre wiederholt beobachten.

Es ist doch so: Sie können sich auf Kosten der Partei persönlich profilieren. Der SP selbst schaden aber Ihre provokativen Aktionen.
Wermuth: Wie kommen Sie darauf? Mein Resultat zeigt, dass ich weit über die Stammwählerschaft hinaus Stimmen gewinnen konnte. Im Übrigen kann mir niemand vorwerfen, dass ich mich einfach selber in der Öffentlichkeit produziere und dabei nicht an die Partei denke.

Der Schwyzer SP-Nationalrat Andy Tschümperlin will Ihren Rücktritt als Vizepräsident der SP. Er findet Ihren Politstil zu provokativ. Ihr Erfolg wird ihm eine Lehre sein . . .
Wermuth: Mein gutes Abschneiden in Baden ist eine Aufforderung an die Genossen im ganzen Land, ihre Beisshemmungen abzulegen und wieder mit mehr Selbstvertrauen aufzutreten. Die nationale SP hat unter ihrem Präsidenten Christian Levrat schon grosse Fortschritte in diese Richtung gemacht. Sie muss in einigen Kantonen aber doch noch einen Zacken zulegen. Es wird nach wie vor zu viel laviert in der SP.

Haben Sie nicht einfach Glück gehabt? Die Badener hatten ihre Wahlzettel bereits abgeschickt, als sie Notiz vom Juso- Plakat genommen haben, worauf Bundesrätin Doris Leuthard mit blutverschmierten Händen abgebildet wird.
Wermuth: Nein. Das Plakat zeigt, dass die Schweizer Politik Menschenleben in Kauf nimmt. Die Juso hat gerade in Baden schon weitaus umstrittenere Aktionen lanciert. Die Leute wissen genau, wem sie ihre Stimme gegeben haben.

Sie werden jetzt Kommunalpolitiker. Da wird es Ihnen bald langweilig.
Wermuth: Keineswegs. Als Politiker bin ich jetzt an zwei spannenden Orten präsent: als Juso-Chef und Vizepräsident der SP am Berner «Machtzentrum», als Einwohnerrat an der Basis bei den Leuten. Ich freue mich auf diese Kombination und habe nicht vor, mein Amt in Baden in den nächsten Jahren wieder aufzugeben.