Roger de Weck
«Es war keine Abstimmung über die SRG»

SRG-Generaldirektor Roger de Weck begrüsst die Diskussion, die jetzt über den Service public geführt werden soll.

Antonio Fumagalli
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SRG-Generaldirektor Roger de Weck

SRG-Generaldirektor Roger de Weck

KEYSTONE

Herr De Weck, Medienministerin Doris Leuthard sprach von einem Hitchcock-Ergebnis bei der RTVG-Vorlage. Wie haben Sie den Nachmittag verbracht?

Roger de Weck: Ich habe das getan, was so viele im ganzen Land tun. Ich habe SRF gehört, ich habe SRF geschaut und ich habe bei SRF und auf anderen Websites gesurft und mich online informiert. Es war ein schöner Querschnitt darüber, was die Schweizer Medien an einem Abstimmungssonntag leisten.

Das Ergebnis fiel zwar zu Ihren Gunsten aus – aber es ist ein massiver Schuss vor den Bug der SRG.

Es war keine Abstimmung über die SRG, es war eine Abstimmung über ein Gebührenmodell. Einen Entscheid über den Service public wird es vielleicht in einer anderen Volksabstimmung geben. Ich habe in Gesprächen mit Bürgern immer wieder erlebt, dass sich die meisten für das neue Gebührensystem interessierten – nicht für den Service public, wie es andere Kreise wollten. Dass man jetzt dann darüber diskutieren wird, das wünsche ich mir schon lange. In der Kampagne hat man viel über das gesprochen, worüber man nicht abstimmte. Jetzt kann man endlich über das diskutieren, was im Zentrum steht. Die SRG geht völlig offen in diesen Prozess.

Durch Ihre zahlreichen Auftritte im Abstimmungskampf haben aber gerade Sie bei der Bevölkerung den Eindruck erweckt, dass es eben doch um die Zukunft der SRG und um den Service public geht – und nicht bloss um ein neues Gebührensystem.

Wer keine Überzeugungsarbeit leistet, überzeugt auch nicht. Deshalb bin ich, wenn ich zu Interviews eingeladen wurde, gerne Red und Antwort gestanden. Manchmal musste ich regelrecht darum kämpfen, dass ich mich neben all den Fragen zum Service public auch noch zum neuen Gebührenmodell äussern konnte.

Soll die Debatte über den Service public denn jetzt geführt werden oder muss man zuerst die angekündigten Berichte abwarten?

In der Branche wird die Debatte seit Jahren geführt. Anhand der Abstimmung interessiert sich nun auch ein breiteres Publikum dafür. Das freut mich. Mit den Berichten von Medienkommission und Bundesrat wird man die Diskussion noch viel fundierter führen können. Unser zehnjähriger Leistungsauftrag läuft 2017 aus, auch darüber wird dann breit debattiert werden.

Sind Sie aufgrund des knappen Abstimmungsergebnisses bereit, etwas an der Ausrichtung der SRG – etwa im Internet oder bei den Eigenproduktionen – zu ändern?

Nach so einem Abstimmungskampf sind sämtliche Beteiligte aufgefordert, sich zu fragen, welche Erwartungen, Kritiken, Wünsche formuliert wurden. Das muss man offen diskutieren. Mir geht es darum, dass man nach den Konflikten des Abstimmungskampfs so schnell wie möglich zum pragmatischen, gutschweizerischen Dialog zurückfindet – auch mit den privaten Verlegern. Wir sind alle viel zu klein, als dass wir uns nun ständig bekämpfen werden. Wir können uns zum Beispiel gegenseitig im Werbemarkt bestärken oder gezielt Inhalte austauschen, ohne dass es zum Einheitsbrei verkommt. Der Wille zur Kooperation ist da.

Noch ein Blick auf die Abstimmungskarte: Ausgerechnet das Tessin, das vom Service public im Medienbereich am meisten profitiert, hat Nein gesagt. Schmerzt Sie das?

Ich bin sehr gerne und oft im Tessin und sehe das Ergebnis als Einladung an, noch öfters hinzugehen – um besser zu verstehen, wie unsere Miteidgenossen ticken. Das sage ich vor dem Hintergrund, dass unsere Unternehmenseinheit im Tessin eine hervorragende Arbeit leistet. Sie halten sich trotz der verhältnismässig bescheidenen Mittel und der italienischen Konkurrenz sehr gut.