Nationalbank-Verlust
«Es überrascht uns, dass es nun gar kein Geld gibt»

Die Nationalbank wird für 2013 einen Verlust von rund 9 Milliarden ausweisen. Die Kantone gehen damit leer aus - obwohl die meisten fest mit Millionen rechneten. Peter Hegglin, Präsident der Finanzdirektorenkonferenz, erklärt die Konsequenzen.

Thomas Schlittler
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Peter Hegglin, Präsident der Finanzdirektorenkonferenz, ist überrascht, dass es nun gar nichts gibt.

Peter Hegglin, Präsident der Finanzdirektorenkonferenz, ist überrascht, dass es nun gar nichts gibt.

Keystone

Herr Hegglin, die Nationalbank weist für das Jahr 2013 einen provisorischen Verlust von 9 Milliarden Franken aus und wird kein Geld ausschütten. Was bedeutet das für die Kantone?
Peter Hegglin: Das ist natürlich eine schlechte Nachricht. Die Kantone müssen somit im Jahr 2014 mit 666 Millionen Franken weniger auskommen als in den Vorjahren. Viele Kantone befinden sich ohnehin in einer finanziell schwierigen Lage, jetzt verschärft sich die Situation zusätzlich.
Haben alle Kantone die SNB-Millionen ins Budget 2014 eingeplant?
Nein, nicht ganz alle, aber die meisten. Gemäss unseren Informationen haben 20 Kantone fest mit den SNB-Millionen gerechnet. Von den übrigen sechs Kantonen haben wir keine Informationen.
Die SNB hat bereits vor Monaten davor gewarnt, dass es in diesem Jahr unter Umständen keine Gewinnausschüttung geben wird. War es angesichts dessen nicht naiv, die Millionen trotzdem ins Budget zu nehmen?
Das ist eine berechtigte Frage, die jeder Kanton für sich selbst beantworten muss. In den letzten zwanzig Jahren gab es aber immer eine Ausschüttung - obwohl die Prognosen nicht immer rosig waren. Von daher ist es durchaus legitim, dass die Kantone mit den Geldern gerechnet haben. Sie sind schliesslich dazu verpflichtet, möglichst transparent, ohne Schwarzmalerei zu budgetieren.
Trotzdem: Der grösste Teil des SNB-Verlusts kommt daher, dass die Goldreserven massiv an Wert verloren haben. Das war absehbar.
Wir haben nicht damit gerechnet, dass das Defizit grösser sein wird als die Ausschüttungsreserven. Schliesslich ist das Ergebnis der SNB nicht nur vom Gold abhängig, auch die Währungsreserven spielen eine wichtige Rolle. Dass es nun gar kein Geld gibt, überrascht uns.
Kann es sein, dass die Kantone etwas naiv waren und nicht wahrhaben wollten, dass sie dieses Jahr ohne SNB-Gelder auskommen müssen?
Wir haben einfach bis zuletzt gehofft, dass es doch nicht so weit kommt. Ich denke aber nicht, dass man nun wegen eines Jahres das ganze System in Frage stellen sollte. In den letzten Jahren hat es schliesslich immer geklappt.
Was passiert jetzt mit den Budgets? Müssen diese nochmals überarbeitet werden?
Nein, das ist nicht möglich. Die Budgets sind verabschiedet und rechtskräftig. Je nach Kanton werden nun einfach die Verluste höher - oder die Gewinne tiefer - ausfallen. Man darf das Ganze aber auch nicht dramatisieren: In absoluten Zahlen ist das natürlich sehr viel Geld, anteilmässig machen die SNB-Millionen aber jeweils nur zwischen 0,4 und 1,2 Prozent der kantonalen Budgets aus. Das ist in aller Regel verkraftbar.