Langenthal
«Es soll kein Mehrzweckgebäude werden»

Der Gemeinderat will das Stadttheater sanieren. Laut Gemeinderätin Paula Schaub (EVP), Ressortvorsteherin Sport und Kultur, soll es nicht nur eine «Pinselrenovation» zur Behebung der offensichtlichen Mängel geben. Schaub sagt aber auch: «Ich will aus dem Stadttheater nicht den Saalbau machen.»

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Paula Schaub

Paula Schaub

az Langenthaler Tagblatt

Von Olivier Andres und Tobias Granwehr

Paula Schaub, vor kurzem hat der Gemeinderat entschieden, das Stadttheater unter der Regie der Stadt zu sanieren. Wie stellt er sich die Zukunft des Theaters vor?

Paula Schaub: Ich möchte betonen, dass wir derzeit mitten in einem Prozess stehen. Wir haben verschiedene, bereits sanierte Theater mit unterschiedlichen Organisations- und Rechtsformen besucht, um zu erfahren, wie dort die Sanierung angegangen wurde und welche Erfahrungen mit der Theaterorganisation gemacht wurden. In diesem interaktiven Prozess werden verschiedene Dinge abgeklärt, Gedanken durchgespielt und rechtliche Situationen geprüft, die danach auf unsere Situation adaptiert werden müssen. Die ganze Sanierung geschieht in Zusammenarbeit zwischen dem Ressort Bau und Planung und dem Ressort Kultur.

Welche Optionen werden derzeit konkret diskutiert?

Schaub: Es gibt viele verschiedene Varianten: Man hätte für die Sanierung eine Stiftung gründen können. Man kann die Sanierung aber auch unter der Regie der Stadt realisieren und danach eine Stiftung gründen. Dabei könnte diese bloss für die Verwaltung des Gebäudes zuständig sein und der Theaterbetrieb allenfalls in einen Verein ausgelagert werden. Alternativ könnte die Verwaltung des Gebäudes auch bei der Stadt verbleiben und den Betrieb des Theaters einer Stiftung übergeben werden. Dies zeigt zweierlei: Einerseits ist noch nichts entschieden und andererseits ist das Thema einer Stiftungsgründung noch nicht vom Tisch. Wir stecken mitten in den Abklärungen, welches Rechtskleid uns nach der Renovation am meisten dient. Persönlich denke ich, dass auf der Basis von Leistungsvereinbarungen eine viel flexiblere Zusammenarbeit möglich ist als im Rahmen einer Stiftungsurkunde.

Aber dass die Sanierung des Theaters unter der Regie der Stadt erfolgen soll, steht fest.

Schaub: Dies wurde vom Gemeinderat so beschlossen. Nun hat das Stadtbauamt einen Auftrag, der aber aufgrund des Vorstosses der Stadträte Hanspeter von Flüe und Rudolf Lanz vorerst sistiert ist.

Welche Erwartungen haben Sie als «Kulturministerin» an eine Sanierung?

Schaub: Der Gemeinderat sieht nicht einfach eine «Pinselrenovation» vor. Nebst der Behebung der offensichtlich aktuellen Mängel wie sanitäre Anlagen, Behindertengerechtigkeit, Bestuhlung, Bühnentechnik und Catering sind wir überzeugt, dass man auch eine Bedürfnisabklärung für weitere Nutzungen machen soll.

Welche Funktion soll ein Stadttheater aus Ihrer Sicht haben?

Schaub: Ich möchte aus dem Stadttheater kein Mehrzweckgebäude machen. Es soll primär ein Kulturbetrieb mit Priorisierung Theater bleiben. Erweiterte Nutzungen sollen aber durchaus geprüft werden, diese müssen wir jedoch zuerst evaluieren. Einige Möglichkeiten sind uns durch den jetzigen Betrieb bereits klar: Kleintheater, allenfalls Lesungen, Film, Konzerte und Diplomfeiern. Mit diesen Nutzungen haben wir bereits gute Erfahrungen gemacht. Das Theater wurde zweckbestimmt als Theater gebaut und verfügt auch über eine entsprechende Raumaufteilung, die nur bedingt verändert und erweitert werden kann.

Sind in diesem Fall auch grössere bauliche Veränderungen denkbar?

Schaub: Über einen Annexbau muss man sicher nachdenken. Denn mit dem jetzigen Raumangebot stossen wir überall an Grenzen. Ohne Erweiterung kann man etwa die Frage des Caterings gar nicht lösen. Wenn eine Küche eingebaut und eine erweiterte Gastronomie angeboten werden soll, ist ein Annexbau unabdingbar.

Eine Sanierung des Stadttheaters wäre für Langenthal eine historische Chance. Was sagen Sie zur Idee der Schaffung eines «Kulturtempels» mit überregionaler Ausstrahlung?

Schaub: Ich will aus unserem Stadttheater nicht den Saalbau machen. Wenn wir in Langenthal einen Saalbau wollen, müsste dieser woanders stehen. Ich sehe eher Verbesserungsmöglichkeiten in Richtung Kleintheater, Konzerte, Lesungen. Solange die Bevölkerung in der Region nicht überproportional wächst, können wir die Platzbedürfnisse für Opern und Operetten mit dem derzeitigen Raumangebot erfüllen.

Würde die Sanierung nun nicht die Chance bieten, eine weitere Nutzung - etwa durch eine andere Bestuhlung - zu ermöglichen?

Schaub: Wenn Sie sich die Raumkubatur des Zuschauerraumes genau ansehen, stellen sie fest, dass wir bereits heute Räume dieser Fläche haben, sei das der «Bärensaal», der «Mühle»-Saal, die Gymer-Aula oder das Kirchgemeindehaus. Ich möchte daher nicht etwas konkurrenzieren, das schon existiert. Das Bedürfnis nach einem grossen Saal ist sicherlich vorhanden; das Stadttheater hat jedoch nicht das äussere Kleid, um dieses Bedürfnis abzudecken. Dies ginge nur, wenn das Stadttheater abgerissen und neu gebaut würde. Wenn wir auch im Theater solche anderen Nutzungen ermöglichen würden, hätten wir daher - zwar an prominenter Lage - nur einen Saal mehr, der im Verhältnis zum hohen Preis nicht eine grössere Qualität bietet als die bestehenden Säle.

Dass Sie keine «Pinselrenovation» wollen, heisst aber auch, dass es keine «08-15-Sanierung» geben wird.

Schaub: Sicher wollen wir keine 08-15-Renovation, wir sind schliesslich auch keine 08-15-Stadt! Das Theater ist ein regionales Aushängeschild und das soll es auch bleiben. Die Theatersanierung ist eines der grössten Projekte, die wir in den nächsten Jahren anpacken werden und deshalb streben wir auch eine umfassende Lösung an.

Können Sie sich vorstellen, Vereine und Kulturveranstalter ideell in eine Sanierung einzubinden?

Schaub: Aktuell arbeiten wir ja vor allem mit dem Chrämerhuus zusammen, aber auch mit Vereinen wie etwa den «Swing Voices», der Musikschule oder der Ballettschule Stauffer, aber auch mit den Schulen (Gymer- und Schultheater, Kadettenmusik und so weiter) gibt es Kooperationen. Das Einbinden anderer Institutionen gehört für mich in die Erarbeitung von Rahmenvorgaben für die Sanierung. Ich finde, dass wir das Erfahrungsnetzwerk und das Wissen dieser Personen in die Bedürfnisabklärung miteinbeziehen müssen. Speziell erwähnen möchte ich da den Theaterleiter und den Bühnenmeister, die zwingend beim Sanierungsprozess dabei sein müssen. Eingebunden werden muss sicher auch das kantonale Amt für Kultur.

Ist auch eine finanzielle und ideelle Einbindung der umliegenden Gemeinden denkbar?

Schaub: Aktuell beteiligen sich die Gemeinden der Regionalen Kulturkonferenz (RKK) am Betrieb des Stadttheaters - dies wird auch weiterhin so bleiben. Eine Verpflichtung zur finanziellen Beteiligung an der Sanierung sehe ich persönlich nicht. Das Gebäude ist im Eigentum der Stadt und diese klaren Verhältnisse müssen gewahrt bleiben. Sicher wird man aber mit den Gemeinden im Sinne einer Einladung Kontakt aufnehmen. Denn: Die Sanierung ist ein Projekt für die Region und ich wünschte mir schon, dass dieses von der Region getragen wird. Ein Zwang zur Mitfinanzierung wäre jedoch falsch.

Ist aber eine spätere Erhöhung der RKK-Beiträge für Sie ein Thema?

Schaub: Die RKK-Verträge wurden vor acht Jahren abgeschlossen, seither gab es nur Anpassungen an die Teuerung. In Zukunft - spätestens im Zusammenhang mit der möglichen Einführung einer Regionalkonferenz - müssen diese Verträge daher dahingehend überprüft werden, ob sie den aktuellen Verhältnissen noch entsprechen. Diese Frage möchte ich jedoch nicht an die Theatersanierung koppeln.

Über welche Kompetenzen müssten die Personen - seien es Stiftungsräte oder Vereinsvorstände - verfügen, die das Theater in Zukunft betreiben sollen?

Schaub: Dies hängt davon ab, wie die Organisation gestaltet wird. Wenn es um das Verwalten des Gebäudes geht, dann braucht es Kernkompetenzen wie Finanzen, Fundraising, Organisationskenntnise. Wenn man hingegen einem Verein den Auftrag geben will, Theater zu machen, so sind ganz andere Kompetenzen gefordert.

Müssten mögliche Stiftungsräte oder Vereinsvorstände nicht bereits bei der Sanierung miteinbezogen werden? Ansonsten stehen diese doch vor vollendeten Tatsachen.

Schaub: Egal ob das Haus unter der Regie der Stadt oder durch eine Stiftung saniert wird: Die Aufgaben bleiben dieselben. So müssen etwa in beiden Fällen die Bedürfnisse abgeklärt werden. Und Personen wie der Bühnenmeister oder der Theaterleiter müssen bei beiden Vorgehensweisen zwingend miteinbezogen werden. Ich denke auch, dass wir für die Sanierung eine Spezialkommission einsetzen werden, die sowohl die Fachkompetenz aufweist als auch die Bedürfnisse von Nutzer- und Anbieterseite kennt. Egal welchen Weg man wählt, man kann also kaum zu völlig anderen Ergebnissen kommen.

Wie sieht nun das weitere Vorgehen in Sachen Sanierung aus?

Schaub: Nun warten wir die Beantwortung des erwähnten Vorstosses im Stadtrat ab, bis dahin läuft nichts. Ein konkreter Zeitplan für die Sanierung existiert in diesem Sinne noch nicht. Mein Ziel ist es aber, das 100-jährige Bestehen des Theaters 2016 in einem renovierten Gebäude zu feiern.